Meinestadt.de - Sinzig - 25.05.2012
Lexikon - meinestadt.de
| Wappen | Deutschlandkarte | ||
|---|---|---|---|
| |
|
||
| Basisdaten | |||
| Bundesland: | Rheinland-Pfalz | ||
| Landkreis: | Ahrweiler | ||
| Höhe: | 90 m ü. NN | ||
| Fläche: | 41,02 km² | ||
| Einwohner: | 17.579 (30. Dez. 2007) | ||
| Bevölkerungsdichte: | 429 Einwohner je km² | ||
| Postleitzahl: | 53489 | ||
| Vorwahlen: | 02642, 02636 (Ortsteil Franken), 02646 (Beuler Hof) | ||
| Kfz-Kennzeichen: | AW | ||
| Gemeindeschlüssel: | 07 1 31 077
|
||
| Adresse der Stadtverwaltung: | Kirchplatz 5 53489 Sinzig |
||
| Webpräsenz: | |||
| Stadtbürgermeister: | Wolfgang Kroeger (CDU) | ||
| Lage der Stadt Sinzig im Landkreis Ahrweiler | |||
| | |||
Sinzig ist eine Stadt am Mittelrhein im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz.
Inhaltsverzeichnis |
Die erste Erwähnung des Ortsnamens lautet 762 auf „Sentiacum“. Nach der nicht unumstrittenen Namensetymologie von Dr. Hans Bahlow (1900-1982) könnte der Name Sinzig keltischen Ursprungs sein und „beständig durchsickerndes Wasser im sumpfigen Wald“ bedeuten, analog einer Gemarkungsbezeichnung im Gebiet der Rhön (Sinzigburg). Die tatsächlichen geographischen Gegebenheiten sprechen allerdings gegen diese Etymologie des Ortsnamens. Otto Kleemann gibt in seiner „Vor- und Frühgeschichte des Raumes Sinzig“ (Sinzig und seine Stadtteile – gestern und heute, hg. Jürgen Haffke und Bernhard Koll, Sinzig 1983) als Namensherkunft an, es handele sich bei dem alten Namen von Sinzig, Sentiacum, um die Anlehnung an den Gentil-Namen eines Hofgründers und Inhabers „um die Zeitenwende“, ohne diese Annahme begründen zu können. Karl Bruchhäuser gibt im „Heimatbuch der Stadt Sinzig“, Sinzig 1953 an, dass vielleicht der römische Konsul und Statthalter Gnaeus Sentius Saturninus († wohl 66) Namensgeber des Ortes gewesen sein könnte. Unzweifelhaft scheint aber nur, dass das Suffix „-acum“ in Sentiacum auf eine keltische Etymologie des Ortsnamens hinweist.
Die uns in groben Zügen bekannte Geschichte Sinzigs beginnt allerdings erst zwei Jahrhunderte, nachdem die Römer unter Führung von Gaius Iulius Caesar die Gebiete Germaniens bis zum Rhein hin erobert hatten. Nördlich von Sinzig, in Remagen, bestand schon seit der Mitte des 1. Jahrhunderts ein Truppenlager. Für Sinzig ist in dieser Zeit und in den kommenden Jahrhunderten eine lose Besiedlung mit ländlichen Gehöften anzunehmen.
Von Trier aus wurde um 160/170 die Produktion von Tonwaren (Terra-Sigillata-Töpfe) im rheinnahen Bereich von Sinzig aufgenommen. Die Fabrik hielt sich nur zwei Jahrzehnte, in denen sie auf dem Schiffsweg Waren bis Worms und Britannien exportierte. 1912 wurden Reste der Töpfermanufaktur freigelegt: Arbeitsraum, Brennöfen, Abfallgruben und ähnliches wurden gefunden.
Römische Besiedlung befand sich aber vermutlich nicht in Rheinnähe, sondern auf dem Sinziger Kirchhügel, der wie ein Sporn in die so genannte Goldene Meile hineinreicht, das Mündungsgebiet der Ahr in den Rhein. Die Ahrmündung war in dieser Zeit, anders als in der Moderne, ein verzweigtes Flusssystem kleiner Nebenläufe; das gesamte Ahrmündungsgebiet bis hin zum heutigen Stadtteil Bad Bodendorf war versumpft. Eine römische Straße führte quer durch die Goldene Meile und verband den Truppenstützpunkt Confluentes (Koblenz) mit dem Norden.
Auf dem Sinziger Helenenberg soll der Kaiserin Helena im 4. Jahrhundert der Legende nach ein Kreuz am Himmel erschienen sein, um ihrem Sohn, dem Kaiser Konstantin, den Sieg über seine Feinde zu versprechen. Inwieweit das Sinziger Gebiet nach dem Zusammenbruch des Römischen Reichs besiedelt war, ist unbekannt.
Die erste urkundliche Erwähnung Sinzigs erfolgte am 10. Juli 762 in einer Bestätigungsurkunde des fränkische Königs Pippin der Jüngere. Pippin weilte in der „sentiaco palatio“, dem Königsgut Sinzig. In der Urkunde wurden Besitz- und Nutzungsrechte innerhalb des Amtsbezirkes Sinzig an das Reichskloster Prüm geschenkt. Der fränkische Königshof bzw. die Königspfalz lag an einem Schnittpunkt der Frankfurt-Aachener Heerstraße. Besondere Bedeutung erhielt die Pfalz, weil sie regelmäßig Zwischenstation war bei der Krönungsreise der in Frankfurt gewählten deutschen Herrscher nach Aachen.
Einhard, der Chronist Karls des Großen, erzählt 814 über ein „Weinwunder“, das in der königlichen Pfalz von Sinzig stattgefunden haben soll. 855 schenkte der karolingische Kaiser Lothar I. dem Aachener Marienstift die Pfalzkapelle St. Peter mit den dazugehörigen Nutzungs- und Zehntrechten. 1065 schenkt Heinrich IV. die Reichsstadt an seinen engen Berater, Erzbischof Adalbert von Bremen. 1114 wird Sinzig im Krieg zwischen dem deutschen Kaiser und dem Erzbischof von Köln zerstört.
In seiner Blütezeit vom 12. bis 14. Jahrhundert, war Sinzig Sitz einer Kaiserpfalz, in der es zahlreiche Aufenthalte deutscher Könige und Kaiser gab. Friedrich I. Barbarossa weilte 1152, 1158 und 1174 in der Pfalz, weswegen sich die Stadt auch „Barbarossastadt“ nennt. Im Jahr 1255 – in den unruhigen Zeiten nach dem Tode Kaiser Friedrichs II. – wurde Sinzig Mitglied des „Rheinischen Städtebundes“, eines Zusammenschlusses von zahlreichen Städten und einigen Territorialherren, der Teil der mittelalterlichen Landfriedensbewegung („Treuga Dei“) war.
Spätestens gegen 1267 erhielt Sinzig Stadtrecht. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte der Bau der Pfarrkirche St. Peter im spätromanischem Stil der ausgehenden Stauferzeit (geweiht 1241). Konsekrator der Kirche und des Altars war der Dominikaner und Bischof Henricus de Osiliensis (Heinrich von Ösel), der während eines Aufenthalts im Mittelrheingebiet (weitere Weihetätigkeiten im August des Jahres 1241 sind für Koblenz und Boppard urkundlich belegt) auf Bitten und in Vertretung des schwer erkrankten Trierer Erzbischofs Theoderich (Dietrich) von Wied (gest. 1242) Weihehandlungen an verschiedenen Kirchen zwischen Sinzig und Boppard vornahm. Aufgrund der Kirchweihe am Tage Maria Himmelfahrt (1310 erstmals urkundlich belegt) ist für die Weihe der weitgehend fertiggestellten Pfarrkirche St. Peter der 15. August 1241 anzunehmen. Ein Hospital entsteht, und viele Adelsgeschlechter sind in Sinzig ansässig. Neun Klöster haben Besitzungen in Sinzig.
Nach einem Steuerverzeichnis von 1242 zahlte die jüdische Gemeinde von Sinzig etwa ein Drittel des Steueraufkommens der Stadt. Für den 23. April 1266, möglicherweise auch für den 1. Mai 1265 schreibt das Nürnberger Memorbuch, dass 71 Personen in der Sinziger Synagoge verbrannt wurden, darunter der Vorbeter der Kölner Judengemeinde. 1287 erlitten weitere 46 Juden in Sinzig das Martyrium. Nach der Pestepidemie von 1348/49 wird die übrig gebliebene, kleine jüdische Gemeinde von 12 Personen ausgelöscht.
Nach 1297 wurde mit dem Bau der Stadtbefestigungen wie Stadtumwallung, Mauer, dreier Stadttore und der beiden Wighäuser (in Urkunden von 1327, 1350 und 1353 als fertiggestellt belegt) begonnen. Zuvor hatte König Adolf von Nassau am 3. Dezember 1297 den Bürgern Sinzigs die Erhebung eines sog. Ungelds (Steuer) gestattet, das – auf den Verkauf von Wein und landwirtschaftlichen Produkte erhoben – ausschließlich zur Finanzierung und Errichtung der Stadtmauer verwendet wurde.
Bereits ab dem späten 13. Jahrhundert war der allmähliche, wirtschaftliche Niedergang durch mehrfache Verpfändung des Reichsgutes vorgezeichnet. Mit dem endgültigen Übergang des Reichsgutes Sinzig in den Besitz der Herzöge von Jülich am 19. Januar 1348 (urkundliche Pfändungsbestätigung durch Karl IV. an Markgraf Wilhelm V. von Jülich), geriet Sinzig erneut und endgültig an das Herzogtum Jülich-Kleve-Berg und damit in eine territoriale Randlage.
Bis 1554 wechselte Sinzig mehrfach den Besitzer; zeitweise war die Stadt zwischen mehreren Besitzern geteilt. Am Pfingstmontag 1583 kommt es durch Unachtsamkeit beim Abschießen der Büchsen am Sinziger Mühlenbachtor zu einer Brandkatastrophe, bei der die ganze Stadt Sinzig mit Häusern und Höfen, Schuppen und Ställen abbrannte. 1620 besetzen im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges spanische Truppen unter Spinola Sinzig, 1632 wird Sinzig von schwedischen Truppen geplündert. Am 30. Mai 1648 legt der Minoritenorden den Grundstein zu einem Kloster auf dem Helenenberg. 1655 wird eine Lateinschule angegliedert. 1688 wird das ehemalige herzogliche Schloss von französischen Truppen in die Luft gesprengt.
Etwa 1690 wird in den Sümpfen der Ahr eine mumifizierte Leiche gefunden, die danach der „Heilige Vogt“ heißt. Es entwickelt sich ein lokaler Kult um die unverweste Leiche, die während der Französischen Revolution nach Frankreich entführt wird und dann nach dem Sieg gegen Napoleon im Triumphzug nach Sinzig zurückkehrt. Noch heute kann man sie in der Kirche St. Peter besichtigen.
1758 sucht von neuem ein Großbrand die Stadt heim. Im Jahre 1767 hat Sinzig 200 Häuser und rund 850 Einwohner.
Erst im 19. Jahrhundert erfolgte ein wirtschaftlicher Wiederaufschwung der Stadt im Zuge der Industrialisierung und des Anschlusses an die linksrheinische Eisenbahnlinie Köln–Koblenz–Bingen (1858). Die Plattenfabrik ist von da an einer der Hauptarbeitgeber der Stadt. Im Zuge der Gebietsreform wurden am 7. Juni 1969 bis dahin selbstständigen Gemeinden Bodendorf, Koisdorf, Westum, Löhndorf und Franken zur Stadt Sinzig.
1337 erlaubte Kaiser Ludwig der Bayer dem Markgrafen Wilhelm von Jülich den Bau einer Burg. 1348 wurde eine Wasserburg mit vier Ecktürmen errichtet, die ab 1569 ausgebaut wurde. 1646 diente ein weiterer Ausbau der Verbesserung der Verteidigungsanlagen. 1689 wurde die Burg von französischen Truppen in Brand gesetzt.
Das Burggrundstück ging 1806 aus Staatsbesitz in den Besitz von J. Peter Broicher und Franz-Joseph Hertgen über. 1850 erwarben Gustav Bunge und seine Frau Adele Bunge, geb. Andreae, das Burggrundstück.
Das heutige Schloss wurde 1854/56 vom Architekten Vincenz Statz errichtet. Der Schlosspark entstand 1858–66 nach Plänen von Peter Joseph Lenné. Die Wandgemälde im Schloss brachte Carl Andreae 1863–1865 an. 1891 starb Gustav Bunge, 1899 Adele Bunge.
Das Gärtnerhaus an der Südwestecke des Schlosses sowie weitere Anlagen wurden 1944 bei Luftangriffen zerstört. 1952 erwarb die Kurbad GmbH das Schloss und baute es um. 1954 kaufe die Stadt Sinzig Schloss und Park für 140.000 DM auf. 1956 zogen das drei Jahre zuvor gegründete Heimatmuseum und das Stadtarchiv im ersten und zweiten Geschoss ein. Das Erdgeschoss beherbergte Kulturraum und Standesamt sowie bis 1989 den Ratssaal. 1988 wurden Schloss und Park unter Denkmalschutz gestellt.
Das Erdbeben im April 1992 richtete starke Schäden an, was umfangreiche Sanierungsarbeiten nach sich zog.
Kulturell wurde Sinzig bundesweit bekannt durch die Durchführung der Sinziger Orgelwoche in den 1970er-Jahren durch Peter Bares und die Perry-Rhodan-Tage Rheinland-Pfalz in den 1990er-Jahren durch Werner Fleischer und Elmar Wietor. Beide Veranstaltungen bescherten der Stadt einen regelmäßigen Besucherstrom aus dem In- und Ausland.
Der Stadtrat von Sinzig besteht aus 32 gewählten Mitgliedern und dem in den meisten Punkten stimmberechtigten Stadtbürgermeister als Vorsitzenden.
Sitzverteilung im gewählten Stadtrat:
| CDU | SPD | FWG | Grüne | FDP | Gesamt | |
| 2004 | 15 | 6 | 5 | 4 | 2 | 32 Sitze |
(Stand: Kommunalwahl am 13. Juni 2004)
Adenau | Ahrbrück | Altenahr | Antweiler | Aremberg | Bad Breisig | Bad Neuenahr-Ahrweiler | Barweiler | Bauler | Berg | Brenk | Brohl-Lützing | Burgbrohl | Dankerath | Dedenbach | Dernau | Dorsel | Dümpelfeld | Eichenbach | Fuchshofen | Galenberg | Glees | Gönnersdorf | Grafschaft | Harscheid | Heckenbach | Herschbroich | Hoffeld | Hohenleimbach | Honerath | Hönningen | Hümmel | Insul | Kalenborn | Kaltenborn | Kempenich | Kesseling | Kirchsahr | Königsfeld | Kottenborn | Leimbach | Lind | Mayschoß | Meuspath | Müllenbach | Müsch | Niederdürenbach | Niederzissen | Nürburg | Oberdürenbach | Oberzissen | Ohlenhard | Pomster | Quiddelbach | Rech | Reifferscheid | Remagen | Rodder | Schalkenbach | Schuld | Senscheid | Sierscheid | Sinzig | Spessart | Trierscheid | Waldorf | Wassenach | Wehr | Weibern | Wershofen | Wiesemscheid | Wimbach | Winnerath | Wirft