Freitag, 25.05.2012



Lexikon Suche


Schonungen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Schonungen
Schonungen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schonungen hervorgehoben
50.0510.316666666667218Koordinaten: 50° 3′ N, 10° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Schweinfurt
Höhe: 218 m ü. NN
Fläche: 81,03 km²
Einwohner: 8074 (30. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 100 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97453
Vorwahlen: 09721, 09727, 09526
Kfz-Kennzeichen: SW
Gemeindeschlüssel: 09 6 78 174
Gemeindegliederung: 9 Ortsteile
Adresse der Gemeindeverwaltung: Marktplatz 1
97453 Schonungen
Webpräsenz:
Bürgermeister: Kilian Hartmann (CSU)

Schonungen ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Schonungen liegt ca. fünf Kilometer östlich von Schweinfurt am Main, 219 m ü. NN. Sein alter Ortskern breitet sich in der Talweitung der Steinach bei ihrer Mündung in den Main aus, während die Neubaugebiete die Hänge hinaufwachsen.

Die Gemarkung ist sehr abwechslungsreich. Die Hochfläche im Norden wird durch zwei Bachtäler in drei Teile zerschnitten, auf deren Höhen wenig ertragreicher Ackerbau betrieben wird. An den Südhängen gegen den Main befinden sich im Gegensatz zu früher nur noch wenige Weinberge. Im Südwesten und Westen greift die Gemarkung über den Main hinüber und schließt dort in der Schonunger Bucht mehrere Baggerseen und den Reichelshof mit ein.

Zu Schonungen gehört auch der dem Benediktinerabtei Münsterschwarzach eigene Kaltenhof auf der Hochfläche zwischen Mainberg und Schonungen, in dem der gemeinnützige Verein LEVI e. V. ein Wohnprojekt für die Nachbetreuung und Wiedereingliederung von psychiatrisch behandelten Menschen unterhält.

Gemeindegliederung

  • Abersfeld
  • Forst
  • Hausen
  • Löffelsterz
  • Mainberg
  • Marktsteinach
  • Reichmannshausen
  • Schonungen
  • Waldsachsen
  • sowie die zugehörigen Weiler bzw. Gutshöfe Bayerhof, Kaltenhof, Rednershof und Reichelshof.
Alte Steinachbrücke
Jahrgangs-Gedenktafel
Die Alte Apotheke

Geschichte

Orte mit der Endung ungen deuten auf thüringischen Ursprung hin. Die Thüringer beherrschten das nördliche Mainfranken, bis sie ab dem 6. Jahrhundert von den Franken zurückgedrängt bzw. überlagert wurden.

Schonungen wurde wohl im 5. Jahrhundert gegründet. Der Name besagt entweder, dass es eine schöne, stattliche Siedlung war (sconi = ansehnlich, schön) oder die Niederlassung einer Sippe des Schön (Scono = Personenname).

Erste bekannte Erwähnung ist in einer Urkunde vom Jahre 1194 zu finden, mit der Kaiser Heinrich VI. Schenkungen bestätigte. Begütert waren in Schonungen außer den Grafen von Henneberg die Herren von Lobdeburg, von Thundorf und von Wenkheim, die Klöster Theres, Ebrach und Heidenfeld sowie das Stift Haug in Würzburg.

Im Markgräflerkrieg 1553 brannte Schonungen fast völlig nieder und 300 Jahre später erneut durch Funkenflug der ein Jahr zuvor eröffneten Eisenbahnlinie Bamberg–Schweinfurt.

1978 wurde Schonungen im Zuge einer Gebietsreform zur Großgemeinde. Die neun ehemals selbstständigen Gemeinden Abersfeld, Forst, Hausen, Löffelsterz, Mainberg, Marktsteinach, Reichmannshausen, Schonungen und Waldsachsen bekamen dabei ihren Verwaltungssitz in der Altgemeinde Schonungen.

Neben den Ortsteilen gibt es im Gemeindegebiet Schonungen noch die vier Weiler Bayerhof, Kaltenhof, Rednershof und auf der anderen Mainseite, nur über Gochsheim oder Sennfeld erreichbar, Reichelshof.

Ende 2000 wurde die Gemeinde landesweit bekannt durch die so genannte Sattler-Altlast – großflächige Bodenbelastungen mit Schweinfurter Grün, verursacht in der Zeit von 1814 bis 1930 durch die einstige Farbenfabrik Wilhelm Sattler. Am 24. Oktober 2002 wurde ein Bericht vom Magazin monitor des WDR über die Sattler-Altlast ausgestrahlt, der Schonungen bundesweit in die Schlagzeilen brachte.

Einwohnerentwicklung

  • 31. Dezember 2004: 8200
  • 30. Juni 2005: 8232

Religionen

1332 wurde Schonungen Pfarrei durch Stiftung des Ehepaares von Wenkheim. Die durch den Dorfbrand 1853 zerstörte alte St.-Georgs-Kirche im Neumannstil wurde nach dem Wiederaufbau 1858 eingeweiht. Ihr spitzer Echterturm prägt den alten Ortskern.

1959–1961 wurde die neue St.-Georgs-Kirche an der Hauptstraße erbaut. Außer diesen beiden katholischen Kirchen gibt es seit 1954 am Schrotberg die evangelische Christuskirche. Die evangelische Pfarrgemeinde Schonungen wurde zunächst von Schweinfurt St. Johannis betreut, bis sie nach dem Zweiten Weltkrieg einen eigenen Seelsorger erhielt. 1953 wurde das Vikariat zu einer Pfarrstelle erhoben.

Im 18. Jahrhundert siedelten sich, begünstigt durch die Herren von Thundorf, einzelne jüdische Familien an. 1725 bestand die Jüdische Gemeinde aus acht Familien. Das von ihnen errichtete Bethaus fiel dem Dorfbrand 1853 zum Opfer, wurde aber 1855/56 wieder aufgebaut und neu eingeweiht. Die jüdische Gemeinde hatte einen eigenen Lehrer. Die Inneneinrichtung der Synagoge in der Bachstraße 21 wurde beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern zerstört; das Gebäude wurde nach 1945 zu einer Autogarage und Wohnhaus umgebaut. Dort erinnert eine Gedenktafel an das Gotteshaus und die jüdischen Mitbürger, die Opfer der Shoa wurden.[1]

Politik

Der Gemeinderat hat (ohne Bürgermeister) 20 Mitglieder.

(Stand: Kommunalwahl am 3. März 2002)

Der 1. Bürgermeister der Gemeinde Schonungen ist Kilian Hartmann.

Städtepartnerschaften

Die Gemeinde Schonungen hat eine Städtepartnerschaft mit Alban (Tarn, Frankreich).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Alte Kirche

Bauwerke

  • Alte Kirche in Schonungen. Dort finden ab und zu Kulturveranstaltungen statt
  • Schloss Mainberg

Wirtschaft und Infrastruktur

  • Der Ort besitzt alle wesentlichen Einrichtungen, die für ein Kleinzentrum verlangt werden, z. B. Ärzte, Zahnärzte, Apotheke, Schulen, Postagentur, Banken, Spiel- und Sportstätten, Hallenbad, Autoreparaturwerkstatt mit Tankstelle, Friseure, Einzelhandelsgeschäfte und Handwerksbetriebe. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in Schonungen im Naturfreundehaus und in zwei Gasthöfen
  • Mit der Jugend-Umweltstation KjG-Haus und dem Naturerlebnisgarten Reichelshof befinden sich auf dem Gebiet der Gemeinde zwei staatlich anerkannte Umweltstationen.
  • Die evangelische Kirchengemeinde betreibt auf dem Dach der Christuskirche und auf dem Dach des Gemeindehauses zwei Photovoltaikanlagen mit insgesamt 14 kWp. Auf dem Dach des Rathauses befindet sich ebenfalls eine Photovoltaikanlage.
  • Im nordöstlichen Gemeindebereich zwischen Forst und Waldsachsen erzeugen zwei Windkraftanlagen mit je 1,0 MW Leistung Strom, eine dritte wird demnächst aufgestellt.

Verkehr

  • Der Ort wird von der Bundesstraße 26 (Schweinfurt–Bamberg) durchzogen, von der im Ortskern die Staatsstraße St 2266 nach Hofheim abzweigt. 2 km östlich besteht Anschluss an die B 303 nach Coburg und an die A 70 (Maintalautobahn).
  • Der Bahnhof ist seit Oktober 1983 stillgelegt, in Schonungen hält kein Zug mehr. Der Ort ist an das Verkehrsnetz der Stadtbusse Schweinfurt angeschlossen und die Omnibusverkehr Franken GmbH (OVF) führt mehrere Buslinien (z. B.: 8130, 8156) durch Schonungen.

Medien

Die Gemeinde Schonungen gibt ein Gemeindeblatt heraus, das jeden Freitag erscheint.

Bildung

Der Ort hat eine Grundschule, eine Hauptschule und eine Schule für Körperbehinderte.

Literatur

  • Gemeinde Schonungen (Hrsg.), 800 Jahre Schonungen 1194-1994, Schonungen 1993
  • Rudolf Meth, Schonungen anno 1986, Schonungen 1988
  • Robert Mantel, 1200 Jahre Abersfeld 788-1988, Schonungen 1988
  • Joachim Ahlborn/Norbert Kraus, Forst im Wandel der Zeiten, Schonungen 1984
  • Rita Steger-Frühwacht, 800 Jahre Hausen. Ein Dorf in der Schweinfurter Rhön 1194-1994, Hausen 1994
  • Erich Schröder, Löffelsterz auf dem Schlettach. Das Dorf und seine Menschen, Löffelsterz 1994
  • Erich Schröder, Löffelsterz auf dem Schlettach im Einflußbereich der Popponen und Henneberger, Löffelsterz 1993
  • Rudolf Metz/Ingrid Räder, Reichmannshausen. Geschichte und Geschehen im liebenswerten Schlettachdorf, Schonungen 1999
  • Robert Hofmann, Reichmannshausen und ich. Jugenderinnerungen, Schonungen, 2. Aufl. 1995

Einzelnachweise

  1. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 191

Weblinks

Commons Commons: Schonungen – Bilder, Videos und Audiodateien
en:Schonungen

eo:Schonungen it:Schonungen nl:Schonungen pl:Schonungen pt:Schonungen ro:Schonungen ru:Шонунген vo:Schonungen