Meinestadt.de - Penzberg - 25.05.2012
Lexikon - meinestadt.de
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Oberbayern | |
| Landkreis: | Weilheim-Schongau | |
| Höhe: | 596 m ü. NN | |
| Fläche: | 25,73 km² | |
| Einwohner: | 16.267 (30. Dez. 2007) | |
| Bevölkerungsdichte: | 632 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 82377 | |
| Vorwahl: | 08856 | |
| Kfz-Kennzeichen: | WM | |
| Gemeindeschlüssel: | 09 1 90 141 | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Karlstraße 25 82377 Penzberg |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Hans Mummert (SPD) | |
Penzberg ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau und liegt rund 50 Kilometer südlich von München. Die Stadt ist aufgrund des Kohlenbergbaus entstanden. Nach dem Ende des Bergbaus 1966 wurde die Stadt zunächst von MAN und seit den 1970er Jahren durch den ständig wachsenden Pharmakonzern Boehringer Mannheim, heute Roche Diagnostics, geprägt.
Inhaltsverzeichnis |
Penzberg wurde 1275 erstmals urkundlich erwähnt. In dieser Urkunde übergibt Freiherr Albert von Pruckberg die ihm gehörige Schwaige Poennesperch dem Kloster Benediktbeuern und tauscht dafür zwei Huben in Weindorf ein. Auf dem Schloßbichl in Penzberg befand sich wahrscheinlich noch vor dieser Zeit eine kleine befestigte Holz-Erdanlage, welche aber bisher nicht mit modernen Methoden untersucht worden ist.
Bergbauarbeiten in der Faltenmolasse von Penzberg gab es bereits 1557. Am Schloßbichl beim heutigen Penzberger Krankenhaus traten damals die Kohlenflöze über Tage aus. Die damaligen Arbeiten gingen vom Reichskloster Benediktbeuern aus, das ein in die Zeit vor 1150 datiertes Bergregal besaß. Dieser Abbau wurde jedoch immer kostenintensiver, je tiefer die Pechkohle aus der Erde geholt werden musste. Der Dreißigjährige Krieg setzte diesem Ansatz ein frühes Ende und ließ die Erinnerung daran rasch verblassen. Im ausgehenden 18. Jahrhundert schrieb der bayerische Berg- und Münzrat Mathias Flurl über Pechkohlevorkommen in Penzberg. Damit waren die Grundlagen zur späteren Stadtentwicklung gelegt. Rund 170 Jahre bestimmte nun das Kohlenbergwerk die Geschicke der entstehenden Stadt. Bis 1803 gehörte die Schwaige Penzberg dem Kloster Benediktbeuern. 1818 entstand die politische Gemeinde St. Johannisrain mit Penzberg als Ortsteil. Am 16. Oktober 1865 wurde die Eisenbahnstrecke Tutzing–Penzberg eröffnet, die den Absatz der Kohle in der Landeshauptstadt München entscheidend erhöhte. Der eigentliche Stadtkern entstand im Jahre 1873 als Bergarbeitersiedlung.
Im Mai 1904 legte man den Grundstein zur evangelischen Kirche auf dem Schloßbichl. Sie ist heute der architektonisch bedeutendste Sakralbau der Stadt. Im Jahr 1911 wurde der alte Gemeindename St. Johannisrain dann in Penzberg geändert. Im Jahr 1919 erhielt Penzberg die Stadtrechte.
Den schlimmsten baulichen Kriegsverlust erlebte Penzberg am 16. November 1944, als bei einem Luftangriff die neugotische katholische Barbarakirche sehr starke Zerstörungen erlitt. Das Bergwerk war von den alliierten Angriffen nicht betroffen. Statt eines Wiederaufbaus errichtete der Kirchenbauverein zwischen 1949 und 1951 die heutige Christkönigkirche, die am 7. Oktober 1951 geweiht wurde.
Im Zuge von Kriegsendphasenverbrechen am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden Bürger der Stadt in der Penzberger Mordnacht von einer SS-Werwolfkompanie hingerichtet. Zuvor wurden in einer Radiomeldung die von den Nationalsozialisten abgesetzten Bürgermeister aufgefordert, ihr Amt wieder anzutreten. Daraufhin gingen Penzbergs ehemaliger SPD-Bürgermeister Hans Rummer und andere Bürger der Stadt zum Rathaus und setzten den NSDAP-Bürgermeister Vonwerden ab.
1951 waren rund 2.000 Menschen im Bergbau beschäftigt. In diesem Jahr wurde das in den 1930er Jahren geplante und im Krieg begonnene Kraftwerk mit Gleisanschluss in Betrieb genommen. Die Deutsche Bundesbahn nutzte es mit der Oberbayerischen AG für Kohlenbergbau („Oberkohle“) zur Energiegewinnung. Nach dem Ende des Penzberger Kohlenbergwerkes 1966 wurde es mit Kohle aus der oberbayerischen Bergbaustadt Peißenberg und aus dem Saarland befeuert, bis 1971 der Betrieb eingestellt wurde. 1973 zog in die fast 20 Meter hohe und 3.000 Quadratmeter große toskanarote Maschinenhalle des ehemaligen Kraftwerks ein Betrieb für Lokomotivverschrottung und -modernisierung ein, welcher in den folgenden Jahren zunächst das 34 Meter hohe Kesselhaus, sowie den Verwaltungstrakt abbrechen ließ. 1979 wurde der 98 Meter hohe Schornstein gesprengt. Die Halle gilt heute als technisches Denkmal. 1999 restaurierte der Lokomotivbetrieb auch das sogenannte Bockerl, eine kleine Dampflokomotive, mit welcher noch bis in die Nachkriegszeit das Grubenholz in das zweite Penzberger Bergwerk (Nonnenwaldschacht) befördert wurde und welche heute nahe der Stadtpfarrkirche Christkönig als Denkmal aufgestellt ist. Mittlerweile gibt es den Betrieb für Lokomotivverschrottung und -modernisierung nicht mehr. 2008 wurde er wegen Unrentabilität geschlossen. Noch im selben Jahr wurden die Schienenstränge, welche von den Regionalbahngleisen zur ehemaligen Kraftwerkshalle führen, entfernt.
Der Kommunistenführer Josef Raab betrieb in den 1950er Jahren in Penzberg das kleine Café Alpenblick, das nach dem Verbot der KPD in Deutschland zum geheimen „Kommunistentreff“ avancierte und häufig von Polizeirazzien heimgesucht wurde.
Ende der 1950er Jahre wurde die Zeche auf die modernsten damaligen Abbautechniken umgerüstet. Sie galt damit als eine der technisch führenden Anlagen in Europa. Doch nach dem Beschluss der Bergwerksgesellschaft Hibernia, der Muttergesellschaft der „Oberkohle“, fuhr schon am 30. September 1966 die letzte Schicht ins Bergwerk. Penzberger Kohle war nicht mehr konkurrenzfähig. Damals hatte Penzberg 11.000 Einwohner, 1.300 davon waren Bergleute.
Nachdem es der Stadt gelungen war, durch günstige Angebote MAN mit einem Omnibus-Komplettfertigungswerk nach Penzberg zu holen, fanden 700 ehemalige Bergleute noch 1966 wieder eine Arbeit. Anfang der 1980er Jahre konzentrierte das Unternehmen die Busproduktion in Salzgitter und Penzberg stellte nur noch Fahrzeugkomponenten her. Am 30. Juni 2005 wurde das Werk zu einem eigenständigen Unternehmen, der ACP GmbH.
1972 wurde zunächst der Pharmakonzern Boehringer Mannheim auf dem Gelände des zweiten Penzberger Bergwerks (Nonnenwaldschacht) prominentester Arbeitgeber, der 1998 in dem Schweizer Pharmakonzern Roche aufgegangen ist. Er ist heute der weitaus bedeutendste Gewerbesteuerzahler der Stadt. Im Landkreis Weilheim-Schongau sind die gewaltigen, auf 310.000 Quadratmetern liegenden Werksanlagen von Roche ein besonders begehrter Anziehungspunkt. Hatte das Werk 1998 noch 2.464 Mitarbeiter, stieg die Zahl bis 2008 auf 4.500. 1,3 Milliarden Euro wurden zwischen 1972 und 2008 auf dem ehemaligen Bergwerksgelände investiert.
Markantestes Zeichen aus der Bergbauzeit ist heute das Penzberger „Freizeit- und Erholungsgebiet Berghalde“. Dieser riesige langgestreckte Hügel, der seit 1974 auf Grundlage eines Entwurfs des Penzberger Landschaftsarchitekten Josef Probst begrünt und bepflanzt worden ist, besteht aus dem Abraum, der sich in der langen Zeit des Bergbaus angesammelt hat und vom Bergwerksschacht hierher verfrachtet worden war. „Penzberger Dolomiten“ nannten die Einheimischen damals die oft rutschende und schwankende Halde, welche mitten im Moorgebiet aufgetürmt wurde. Der Abraum wurde ab April 1910 mit einer Seilbahn herangeschafft. Als sie irreparabel geworden war, sprengten amerikanische Pioniere zu Übungszwecken am 31. Januar 1955 die bis zu 50 Meter hohen Stützen. Nun wurde der Abraum bis zur Schließung der Zeche per LKW herangeschafft. Im Oktober 2006 weihte der Penzberger Bergknappenverein ein Denkmal auf der Berghalde ein, das an diese Drahtseilbahn erinnert.
1975 wurde das 1900 errichtete Gebäude der Bergwerksdirektion (gegenüber dem heutigen „EDEKA“) abgerissen, in dem bis zuletzt die Fäden des Penzberger Bergbaus zusammengelaufen waren. An seiner Stelle entstand ein Wohnviertel. Die gegenüber, auf dem Gelände von „EDEKA“ liegende älteste Zeche Penzbergs, war schon in den 1930er Jahren stillgelegt worden.
In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre begann der Rückbau des Penzberger Güterbahnhofs, der zuletzt als Abstellareal für ausgemusterte Altbau-Eilzugwagen verwendet worden war. Von diesem Bahnhof ist seit Anfang der 1990er Jahre nichts mehr zu sehen. An seiner Stelle entstand ein Gewerbegebiet.
Mit dem Schuljahr 1981/82 bekam Penzberg ein eigenes Gymnasium, das zunächst bis zur zehnten Klasse geplant war; jedoch konnte bereits der Klassen-Jahrgang 1982/83 in Penzberg das Abitur ablegen.
2001/02 ließ die Stadt mitten im Zentrum den letzten in weitgehend historischen Originalzustand erhaltenen Gasthof „Staltacher Hof“ von 1901 abbrechen. Die einst von der „Maffeischen Gutsverwaltung“ erbaute Gaststätte in der späteren Ortsmitte, dem sogenannten „Penzberger Stachus“, war 1919 Schauplatz der Gründung des katholischen Frauenbunds und vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten Parteilokal der KPD mit ihren Nebenorganisationen. Ein Bürgerentscheid, den „Staltacher Hof“ zu retten, scheiterte. An seiner Stelle befindet sich heute eine Brache. Die Stadtoberen wissen mit ihr nichts anzufangen. Ein Ideenwettbewerb unter Architekten lief ins Leere, weil die Stadträte sich nicht auf ein Siegerkonzept einigen konnten und stattdessen mehrere Konzepte zusammenfügen wollten. Nun finden dem Platz findet ein Wochenmarkt und mehrmals im Jahr ein Automarkt statt.
Der Stadtrat beschloß des weiteren eine Sanierung, bzw. Modernisierung der Innenstadt. Ein Teil der Innenstadt (Krankenhaus – Stadtplatz), wurde 2007 fertiggestellt. Die Bauarbeiten am zweiten Teil haben im Frühjahr 2008 begonnen, nachdem der Bau einer Tiefgarage durch Bürgerentscheid abgelehnt wurde.
Katholische und evangelische Christen stellen einen großen Anteil der Bevölkerung. Die Treffpunkte der Katholiken sind die Pfarrzentren Christkönig mit der 1951 an Stelle der im 2. Weltkrieg zerbombten neugotischen Barbarakirche geweihten Christkönigskirche im Stadtzentrum, sowie das Pfarrheim Unsere Liebe Frau von Wladimir im Stadtteil Steigenberg mit der 1964 fertiggestellten, gleichnamigen Kirche.
Ein architektonisches Kleinod stellt die 1904 erbaute Jugendstilkirche der evangelischen Pfarrgemeinde am Schloßbichl in der Nähe des Krankenhauses dar.
Daneben gibt es noch ein Gebetshaus der Zeugen Jehovas, eine Neuapostolische Kirche und die Kapelle der Siebenten-Tag-Adventisten.
Penzberg gilt für die rund 1000 Muslime der Umgebung seit der Einweihung ihrer Moschee als Zentrum islamischen Glaubens im katholisch geprägten Oberbayern. Die Penzberger Moschee, an der südöstlichen Ausfallstraße gelegen, wurde von dem bosnischstämmigen Architekten Alen Jasarevic geplant und 2005 eröffnet.[1] Gemeinsam mit einer integrierten religiösen Bibliothek bildet sie das rund 1.600 Quadratmeter große „Islamischen Forum“. Möglich war der Drei-Millionen-Euro-Bau hauptsächlich durch finanzielle Hilfe des Emirs von Schardscha (VAE).[2]
Nur die wenigsten deutschen Politiker, welche die Stadt besuchen, lassen in ihrem Protokoll eine Begrüßung durch den Penzberger Imam aus. Im Islamischen Zentrum finden unter anderem Podiumsdiskussionen mit hochkarätigen islamischen Glaubensführern statt. Zu den Besuchern zählten bisher Scheich Sultan ibn Muhammad al-Quassimi, dem Herrscher des Emirats Schardscha, Alois Glück, Nihad Awad, Louay M. Safi und Franz Maget.
Laut Aussage des Imams Benjamin Idriz wurde die „Islamische Gemeinde Penzberg e. V.“ 1993 mit Hilfe der islamistisch-nationalistischen Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş gegründet. Man habe sich aber nach einigen Jahren von diesem Verein getrennt.[3]
Das denkmalgeschützte Stadtmuseum wurde um 1873 als Arbeiterwohnhaus vom Bergwerk errichtet. Dieser Haustyp prägte fast hundert Jahre lang das Erscheinungsbild Penzbergs. Nachdem ab 1966 massive Eingriffe und Abbrüche in der vom Krieg weitgehend verschonten Altstadtsubstanz begannen, kaufte die Stadt 1984 das Haus und baute es zum Stadtmuseum um. Unter anderem kann man hier eine Werkswohnung im Zustand von 1929 besichtigen.
Versteckt an der Rückseite der Penzberger Realschule befindet sich das Bergwerksmuseum, welches mit Originalgegenständen an die Zeit des Bergbaues erinnert.
Ein Geschichtslehrpfad mit 30 Hinweistafeln im gesamten Stadtgebiet weist auf verschwundene Bauwerke oder auf die frühere Form und Funktion eines veränderten Gebäudes hin.
In Penzberg gibt es einen Bahnhof an der Kochelseebahn. Er wird im Stundentakt bedient. Geplant ist ein zweites Gleis für den Bahnhof. Dort soll auch ein Parkhaus entstehen.
Das Penzberger Stadtzentrum liegt ungefähr vier Kilometer von der Autobahnausfahrt Penzberg/Iffeldorf der A 95 und ungefähr fünf Kilometer von der Autobahnausfahrt Sindelsdorf entfernt. Der Ortsteil Kirnberg im Stadtgebiet ist ca. einen Kilometer von der A 95 entfernt (Autobahnausfahrt Penzberg/Iffeldorf).
Der größte Arbeitgeber Penzbergs und der Umgebung ist der schweizerische Pharmakonzern Roche Diagnostics. Das Werk Penzberg stellt 4.500 Arbeitsplätze (Stand: 2008).[4]
Die Firmen Hoerbiger(PKW-Kupplungen) und ACP sind wichtige Zulieferer der Automobilindustrie.
Die Europazentrale von K2 Sports und die Zentrale von Marker-Skibindungen haben ihren Sitz in Penzberg.
Neben den drei Grundschulen, der Bürgermeister-Prandl-Grundschule, der Grundschule an der Birkenstraße und der privaten Montessori-Grundschule, gibt es die Janusz-Korczak-Förderschule, die Bürgermeister-Prandl-Hauptschule, die Heinrich-Campendonk-Realschule und ein naturwissenschaftlich-technologisches und sprachliches Gymnasium.
Die Rummelsberger Anstalten für Innere Mission e. V. betreiben eine Fachschule für Altenpflege.
Außerdem sind eine städtische Musikschule und eine Volkshochschule vorhanden.
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