Freitag, 25.05.2012



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Oderberg

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Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt Oderberg in Brandenburg, für die Stadt in Tschechien siehe Bohumín.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Oderberg
Oderberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Oderberg hervorgehoben
52.86666666666714.055Koordinaten: 52° 52′ N, 14° 3′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Barnim
Amt: Britz-Chorin-Oderberg
Höhe: 5 m ü. NN
Fläche: 35,31 km²
Einwohner: 2348 (30. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 66 Einwohner je km²
Postleitzahl: 16248
Vorwahl: 033369
Kfz-Kennzeichen: BAR
Gemeindeschlüssel: 12 0 60 176
Adresse der Amtsverwaltung: Eisenwerkstraße 11
16230 Britz
Webpräsenz:
Bürgermeister: Roman Stähr (BBO)
Lage der Stadt Oderberg im Landkreis Barnim
Datei:Oderberg in BAR.png

Oderberg ist eine Kleinstadt im Landkreis Barnim im Bundesland Brandenburg.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Oderberg liegt am östlichen Rand des Eberswalder Urstromtales, am Rand des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin und am nördlichen Rand des Oderbruchs. Durch die Stadt fließt die Alte Oder. Die Oder fließt in 5 km Entfernung vorbei und bildet die Grenze zu Polen. Wenige Kilometer nördlich von Oderberg beginnt der Nationalpark Unteres Odertal.

Die Stadt liegt im Dreieck der Städte Eberswalde, Bad Freienwalde und Angermünde.

Geschichte

Vorgeschichtliche Besiedlung

Eine Besiedlung der Gegend um Oderberg ist bereits in der Mittelsteinzeit belegt. Auch aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit gibt es zahlreiche Funde. Zeugnisse dieser Epoche sind ein Steinkreis am Judenfriedhof, sowie zahlreiche Funde auf dem Windmühlenfeld. Im Museum der Stadt werden mehrere bronzene Tüllenbeile und vollständig erhaltene Gefäße der Gegend ausgestellt. Spuren aus der Eisenzeit, wie Keramik aus Siedlungen und Gräberfeldern weisen auf eine Besiedlung hin. Aus der Mitte des 7. Jahrhunderts sind auf Fundplätzen Siedlungsaktivitäten slawischer Siedler nachgewiesen worden. Auf dem Albrechtsberg entstand möglicherweise bereits im 9. Jahrhundert eine befestigte Siedlung. Vom 10. bis zum 13. Jahrhundert existierte auf dem heutigen Albrechtsberg eine pommersch-slawische Fürstenburg. Zahlreiche archäologische Funde belegen deren Existenz. Gegenüber auf dem Festungswerder befand sich zur gleichen Zeit eine Niederungsburg, die vermutlich zur Überwachung des Oderstroms diente.

13. bis 16. Jahrhundert

Die Gründungsgeschichte der Stadt Oderberg begann etwa zwischen 1208 und 1215. Um 1215, so berichtet die Märkische Fürstenchronik, errichtete der askanische Markgraf Albrecht II. von Brandenburg die erste deutsche Burg auf einer Anhöhe. Unterhalb der Burg entstanden am Ost- bzw. Südhang des Berges die ersten deutschen Ansiedlungen. Die erste urkundliche Erwähnung von Oderberg erfolgte im Jahr 1231 bereits als Civitas - Stadt. 1231 wurde in Barsdin bei Oderberg eine Stiftung des Prämonstratenserordens ins Leben gerufen. Die Abtei erhielt den Namen Civitas Dei - Gottesstadt. Mutterkloster dieser Neugründung war das Prämonstratenserkloster zu Brandenburg an der Havel und war die letzte Gründung dieses Ordens in der Mark Brandenburg. Im Schutze der Burg und am Übergang über die Oder in die Neumark gelegen, entwickelte sich die Stadt sehr rasch. Die Stadt profitierte einerseits von der Via Regia (Königsstraße), die hier bis zur Umlegung 1316 durch Markgraf Waldemar verlief, andererseits von dem Oderstrom und dem Oderübergang. Oderberg erlebte im Mittelalter eine Blütezeit.

1308 wurde ein Kietz bei Oderberg erwähnt. Dabei handelt es sich um die Reste des Dorfes Barsdyn, das in der Urkunde von 1231 erwähnt wird. Am 5. April 1317 bestätigte Markgraf Waldemar der Stadt Oderberg seine Privilegien auf den Oderberger Hafen.

In der Schlacht von Oderberg im Jahre 1349 erlitt Ludwig der Römer eine Niederlage. Dabei wurde die Burg auf dem Albrechtsberg wahrscheinlich vollständig zerstört , da 1353 bis 1355 die Herren von Wedel und von Uchtenhagen aus dem Abbruchmaterial auf dem Festungswerder eine neue Burg (den Bärenkasten) erbauen ließen. 1364 wurde Oderberg erstmals in einer Urkunde als „neumärkische Stadt“ bezeichnet, woraus man eine Erweiterung der Stadt auch am anderen Flussufer annehmen kann. Das bis 1372 in Oderberg ansässige Marienhospital übersiedelte auf Grund drohender Kriegswirren nach Chorin. Am 13. Dezember 1415 bestätigte Markgraf Friedrich I. von Brandenburg der Stadt die Niederlassungsgerechtigkeit, das bedeutete, dass alle Händler ihre Waren zum Verkauf anbieten mussten, bevor sie weiterreisen durften. Aus dem Jahr 1442 ist ein samstäglicher Wochenmarkt überliefert, 1532 fanden zwei und 1621 sogar vier Markttage in der Woche statt. 1543 sowie 1577 wurde eine Schule in der Stadt erwähnt.

17. bis 18. Jahrhundert

Bis 1630 war der Dreißigjährige Krieg in der Gegend kaum spürbar, wurde aber durch die strategische Lage dann besetzt und die Festung "Bärenkasten" von schwedischen Truppen belagert. Am 16. Juni 1631 zog Gustav Adolf aus Oderberg ab. Bei der erneuten Belagerung 1637 wurde fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche gelegt. 1670 brannte die neu errichtete Stadt teilweise und im Jahre 1672, ausgelöst durch einen Backofenbrand, völlig ab. 1727 betrieb der Seilermeister Matthias Tennert eine Seilerei in der Angermünder Straße. Für das Jahr 1733 sind in Oderberg 20 Braustellen, die vorrangig Bier brauten, nachgewiesen. 1736 wurde die etwa 100 Mann starke Besatzung der Festung abgezogen und die Geschütze nach Stettin gebracht. In dem strengen Winter 1740 erfroren fast alle Weinstöcke auf den Weinbergen der Stadt. Die Weinherstellung wurde daraufhin per Erlass eingestellt. 1789 wird berichtet, dass die zahlreichen Oderberger Töpfer im Grunewald bei Oderberg ihren Ton abbauen.

19. Jahrhundert

1871 gab es in Oderberg 11 Sägewerke und 15 Schiffswerften, ab 1874 eine Oderberger Zeitung. Seit der Eröffnung der Bahnstrecke am 1. Januar 1877 hatte Oderberg auch eine Bahnverbindung und besaß drei Bahnhöfe Oderberg (Mark), Oderberg (Brahlitz) und Saaten-Neuendorf. Hierzu wurde im Frühjahr 1875 durch die Firma Borsig die Eisenbahnbrücke über die Alte Oder gebaut. 1895 gab es Stärke- Faß- und Kittfabriken. Daneben spielte die Fischerei, die seit dem Mittelalter überliefert ist, eine große wirtschaftliche Rolle. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Oderberger See eines der größten Holzlager Deutschlands; teilweise lagerten hier mehr als 500.000 Festmeter Holz.

Kirchen

Ehemalige Nikolaikirche

Von dieser Kirche ist heute nichts erhalten. Nach dem Grundriss von 1852 handelte es sich um eine Kreuzkirche mit erheblichen Ausmaßen. Die Ost-West-Ausdehnung der Kirche betrug etwa 32 Meter, die Nord-Süd-Ausdehnung etwa ebenso. Betreten wurde der Bau über den nördlichen Kreuzarm. An der Nordwand des östlichen Kreuzarmes befand sich die Sakristei, die vom Innern der Kirche begangen wurde. Angrenzend zwischen östlichem und südlichem Kreuzarm gibt es einen Raum, der möglicherweise eine Seitenkapelle war. Die Verschiebung zwischen Ost- und Westkreuzarm ist sicher nicht auf einen Baufehler zurückzuführen, sondern eher typisch für Bauten dieser Zeit und sicher nicht ohne Bedeutung. Auf dem südlichen Kreuzarm erhob sich ein mehrgeschossiger hölzerner Kirchturm. Der Feldsteinquaderbau stammte aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der Ostgiebel hatte eine Backsteinblende als architektonisches Zierelement. Der ursprüngliche Baustil war romanisch, worauf die Rundbogen-Fenster im Ostchor hinweisen. Der restliche Teil der Kirche zeigt bereits typische Merkmale der Frühgotik. Die Kirche wurde bei der Belagerung durch die schwedischen Truppen im Dreißigjährigen Krieg, sowie durch den Stadtbrand 1670 stark beschädigt. Ebenfalls wird von Reparaturen am hölzernen Kirchturmaufsatz im Jahre 1754 berichtet. Quellen des 19. Jahrhunderts berichten von einer massiven Baufälligkeit des gesamten Gebäudes. Am 28. Oktober 1849 hielt der Pfarrer Alberti den letzten Gottesdienst. Kurz darauf erfolgte der Abbau des Altars und der Orgel. Die Kirche wurde wegen Baufälligkeit geschlossen. Am 22. Mai 1852 stürzte der Kirchenbau bis auf den Ostteil vollständig ein. Versuche, die alte Kirche wieder aufzubauen, scheiterten am Geld. Im Auftrag des Preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. wurde ein Gutachten angefertigt, in dessen Ergebnis alle Wiederaufbaupläne endgültig verworfen wurden.

Nikolaikirche

Der Entwurf für einen Neubau stammt von Baumeister Gaudtner und wurde von Friedrich August Stüler ergänzt. Geplant war eine Ausführung als dreischiffige Basilika mit hohem Mittelschiff und achteckigem Turm im neogotischen Stil. Die veranschlagte Bausumme betrug 33.000 Taler. Die Grundsteinlegung erfolgte am 12. Juni 1853 in Anwesenheit des preußischen Königs, der den Bau mit 18.000 Talern bezuschusst hatte. Die feierliche Einweihung der neuen Nikolaikirche fand nach nur zweijähriger Bauzeit am 14. Oktober 1855 statt.

Dorfkirche Neuendorf

Die Kirche in Neuendorf ist eine der ältesten Kirchen der Region in Form einer Saalkirche aus Feldsteinquadern, stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sie gehört zu den bemerkenswertesten Dorfkirchen der Region, da sie mit Ausnahme des Turmaufbaues, der vermutlich aus dem Ende des 16. Jahrhunderts stammt, annähernd unverändert geblieben ist. Die Außenmaße der Hallenkirche betragen 24 Meter in der Länge und 11 Meter in der Breite. Die Mauerwandstärke liegt durchschnittlich bei 1,10 Metern. Von der Sakristei auf der Nordseite des Baues sind noch die Fundermente und die Treppe, sowie ein Auslaufstein mit Rinne vorhanden. In der Südostecke der Kirche befindet sich ein sogenannter Schachbrettstein mit Rautenmuster. In der Literatur wird die Kirche mehrfach als Wehrkirche beschrieben, wofür sich jedoch keine Belege finden. Im Inneren der Dorfkirche gibt es eine historisch wertvolle Ausstattung: der zweietagige Holzaltar stammt aus der Spätrenaissance um 1615 und zeigt auf zwei Gemälden die Kreuzigung und Auferstehung Christi. Das Kirchengestühl der Südwand wurde 1615 von Jobst von Oppen und seiner Gattin Katharina gestiftet. Es besteht aus 10 Sitzen. 1991 wurden bei Ausgrabungen in der Kirche mehrere Gräber, sowie eine Gruft frei gelegt, die dem 16. bis 18. Jahrhundert zuzuordnen sind.

Politik

Stadtverordnetenversammlung

ehemaliges Rathaus

Die Stadtverordnetenversammlung von Oderberg besteht aus 12 Mitgliedern bei folgender Sitzverteilung:

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

In der Liste der Baudenkmäler in Oderberg stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburgs eingetragenen Denkmäler.

  • Nikolaikirche, neugotischer Backsteinbau, errichtet von 1853 bis 1855.
  • Ruine der Festung Bärenkasten
  • Binnenschifffahrtsmuseum mit Freilichtausstellung und Raddampfer
  • Kriegerdenkmal auf dem Albrechtsberg
  • Burgwall Albrechtsberg
  • Marowskisches Haus am Oberkietz (ältestes Haus der Stadt - Fachwerkbau)
  • Fachwerkhäuser in der Berliner und Angermünder Straße
  • Judenfriedhof
  • Gutshaus, Brennerei und Kirche Neuendorf

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Jährlich findet im Juni das Fischer- und Schifferfest, Weihnachtsmarkt, Osterfest, Maifeuer usw. statt. Ein kultureller Höhepunkt am Ende des Jahres ist zweifellos das Weihnachtskonzert des Spielmannszuges Oderberg 1961 e. V..Seit einigen Jahren findet im Sommer im Museumspark auf dem alten Seitenraddampfer „RIESA“ die Veranstaltungsreihe „Musikalischer Frühschoppen-Jazz in Oderberg“ statt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Von Norden nach Süden wird Oderberg von der Landstraße 28 (Angermünde–Neuenhagen/B 158) durchquert. In der Stadt mündet von Westen kommend die L 29 (Oranienburg/B 273BiesenthalNiederfinow–Oderberg).

An Oderberg führte die Bahnstrecke Angermünde–Bad Freienwalde vorbei, der Bahnhof Oderberg-Bralitz lag etwa zwei Kilometer südlich der Stadt. Die Bahnlinie wird seit 1995 nicht mehr betrieben. Das Bahnhofsgebäude ist in Privatbesitz.

Der Oder-Havel-Kanal – im Stadtgebiet identisch mit der ausgebauten Alten Oder – durchfließt Oderberg von Westen nach Osten.

Quellen

  1. Riedel, Ernst: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden zur Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten. Band 13. Verlag G.Reimer Berlin 1857
  2. Russow, Wolf; Jentzsch, Nadine: Chronik des Klosters Mariensee 1258 - 1273 - 2007. Chorin 2007. ISBN 3-936932-13-1
  3. Arbeitsgruppe Heimatforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR: Werte unser Heimat. Um Eberswalde, Chorin und den Werbellin-See. Bd. 34, Akademie-Verlag Berlin 1981
  4. Fleischer, Horst: Chronik von Oderberg. Ohne Angabe Verlag. Oderberg 2005
cs:Oderberg (Braniborsko)

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