Donnerstag, 24.05.2012



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Malsch (bei Wiesloch)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Malsch
Malsch (bei Wiesloch)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Malsch hervorgehoben
49.2463888888898.6830555555555171Koordinaten: 49° 15′ N, 8° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rhein-Neckar-Kreis
Höhe: 171 m ü. NN
Fläche: 6,77 km²
Einwohner: 3401 (30. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 502 Einwohner je km²
Postleitzahl: 69254
Vorwahl: 07253
Kfz-Kennzeichen: HD
Gemeindeschlüssel: 08 2 26 046
Adresse der Gemeindeverwaltung: Kirchberg 10
69254 Malsch
Webpräsenz:
Bürgermeister: Werner Knopf
Lage der Gemeinde Malsch im Rhein-Neckar-Kreis
Datei:Malsch in HD.png

Malsch ist eine Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Malsch liegt an der nordwestlichen Ecke des Kraichgaus südlich der Städte Wiesloch und Walldorf am Rande der Oberrheinischen Tiefebene in der Metropolregion Rhein-Neckar. Die Gemeinde befindet sich am Fuß des 246 m hohen Letzenbergs.

Nachbargemeinden

Angrenzende Gemeinden sind, beginnend im Norden im Uhrzeigersinn: Malschenberg, Rauenberg, Mühlhausen, Rettigheim, Östringen, Bad Schönborn, Kronau und Rot.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde Malsch gehören das Dorf Malsch mit der Bahnstation Rot-Malsch und das Tonwerk.[2][3]


Geschichte

Malsch wurde im Jahre 783 in einer Schenkungsurkunde des Lorscher Codex als Malschen erstmals erwähnt. 976 schenkte Kaiser Otto II. die Benediktinerabtei Mosbach mit 23 Ortschaften, zu denen auch Malsch gehörte, dem Bischof von Worms. 1302 kam das Dorf wieder durch Schenkung an das Hochstift Speyer. Dort gehörte es zum Amt Rotenberg und war mit diesem von 1463 bis 1505 an die Kurpfalz verpfändet. Am 20. April 1525 begann mit einer Bauernversammlung auf dem Letzenberg der Bauernkrieg im Hochstift Speyer. Der Haufen forderte die umliegenden Ortschaften auf „innen mit gewappneter handt zuzuziehen und das evangelium und gotlich gerechtigkeit helffen zu retten.“[4] Bei der Niederschlagung des Aufstands wurde Malsch zerstört.

Im Dreißigjährigen Krieg zündete Tilly 1622 den Ort an. Am Ende des Krieges war Malsch entvölkert und die Anzahl der Einwohner betrug nur noch fünf Prozent der ursprünglichen Zahl. Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde Malsch, obwohl es nicht zur Kurpfalz gehörte, 1689 und 1693 von französischen Truppen unter Führung des Generals Mélac [5] zerstört.

Nach den Umwälzungen der Französischen Revolution wurde Malsch 1803 badisch, womit die über 500 Jahre dauerende Zugehörigkeit zu Speyer endete. 1824 wurde die Gemarkung von Malschenberg abgetrennt. 1818 war Kaiser Alexander I. von Russland, der Schwager des badischen Großherzogs Karl war, zu Besuch in Malsch.

Von 1870 bis zum Ende der Weimarer Republik 1933 war das Zentrum die stärkste Partei in Malsch. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Gemeinde 350 Heimatvertriebene auf. Malsch wurde Bestandteil des neugebildeten Bundeslandes Baden-Württemberg.

Jahr 1530 1721 1818 1852 1905 1939 1965 2000 2008 [6]
Einwohner[7] 361 515 1022 1327 1475 1510 2444 3189 3412

Religionen

Entsprechend der langen Zugehörigkeit zum Hochstift Speyer war die Malscher Bevölkerung überwiegend katholisch. Auch durch die Zuwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg gab es kaum Verschiebungen.

Seit dem frühen 18. Jahrhundert waren Juden in Malsch ansässig. 1875 war ihr Bevölkungsanteil mit 7,5 Prozent am höchsten. Anschließend setzte eine Abwanderung in die Städte ein. Die Synagoge von 1834 wurde 1938 niedergebrannt.

Politik

Rathaus
Evangelische Kirche

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 14 Sitze. Hinzu kommt der Bürgermeister als Gemeinderatsvorsitzender. Bei der Kommunalwahl im Jahr 2004 erhielten bei einer Wahlbeteiligung von 67,2 Prozent die CDU acht Mandate und die FWV sechs.

Wappen

Die Blasonierung des Wappens lautet: In von Blau und Rot gespaltenem Schild vorn ein durchgehendes, geschliffenes, halbes silbernes Kreus am Spalt, hinten das silberne Ortszeichen (Sester).

Das Wappen wurde im Jahr 1900 vom Generallandesarchiv vergeben. Das Ortszeichen, das ein Getreidemaß darstellt, lässt sich bereits seit 1771 auf einem Siegel nachweisen. Hinzugefügt ist das Kreuz des Hochstifts Speyer.

Die Flagge ist Rot-Blau und wurde nachweislich schon vor 1935 geführt.[8]

Partnerschaften

Die Gemeinde Malsch pflegt seit 2001 partnerschaftliche Beziehungen zu der Gemeinde Zamárdi am Plattensee in Ungarn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Der Letzenberg und Malsch von der Autobahnausfahrt Kirrlach/Kronau
Katholische Kirche St. Juliana

Kirchen

Im Jahr 1972 brannte die Barockkirche St. Juliana nach einem Feuer bis auf die Außenmauern ab. Die Figuren der 14 Nothelfer, die Orgel, die Kanzel, die Seitenaltäre und die barocke Taufszene Jesu wurden zerstört. Einzig die Sakristei blieb unversehrt. Die Kirche wurde bis 1974 wiederaufgebaut.[9]

Zu der 1902 erbauten Wallfahrtskapelle auf dem Letzenberg finden jedes Jahr zwei große Wendelinus-Wallfahrten statt. Die Frühjahrswallfahrt findet im ersten Maien-Sonntag und die Herbstwallfahrt am dritten September-Sonntag statt. Zwischen den beiden Wallfahrten findet Dienstags Abends eine Eucharistiefeier in der Wallfahrtskapelle statt. Am letzten Sonntag im September findet alljährlich die Pferdewallfahrt statt. Sie endet nach einer Andacht mit der Segnung von Mensch und Tier.

Wallfahrtskapelle auf dem Letzenberg

Sport

Malsch hat:

  • ein Schwimmbad
  • die Reblandhalle mit vier Kegelbahnen
  • ein Segelfluggelände im Süden des Ortes
  • den „TSV Germania 07 Malsch e.V.“
  • den „Tennisverein TC 2000 Malsch e.V."“
  • den „Kraftsportverein Malsch e.V. 1925“
  • die „Freunde des Ringkampfsports in Malsch e.V.“
  • die Sport-Taucher „Magic Octopus“
  • den Boule Club „Boule-Freunde Malsch e.V.“

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Kapelle auf dem Letzenberg inmitten der Weinberge

In dem ehemaligen Bauerndorf ist mit dem Weinbau noch immer ein Zweig der Landwirtschaft stark vertreten. An den Südhängen des 248 Meter hohen Letzenbergs und seinem östlichen Ausläufer liegen 120 Hektar Rebflächen, die vornehmlich mit Müller-Thurgau, Weißburgunder, Ruländer und Spätburgunder bebaut sind.

Ansässige Unternehmen

Als herausragendes Unternehmen ist das Tonwerk am westlichen Rand von Malsch zu nennen. Die Produktion von Tondachziegel und Ziegelsteine mit den Firmenbezeichungen POROTON, TERECA, KAMTEC und KORAMIC sind über die Grenzen von Malsch hinaus bekannt. Es gehörte der Rauenberger Tondachziegel, danach der Wienerberger Ziegelindustrie [10] und trägt nach erneutem Verkauf [11] den neuen Firmennamen Trost-Creaton AG [12] In den Jahren ab 1974 geriet die Giftmülldeponie (Verfüllung der Tongruben) wegen austretender Sickerwässer in die Schlagzeilen [13]

Trotz der Ansiedlung von Industriebetrieben und Gewerbe findet der größere Teil der Erwerbstätigen Arbeit in den nahen Städten Walldorf, Wiesloch, Bad Schönborn und Kronau.

S-Bahn Rhein-Neckar

Verkehr

Malsch liegt in der Nähe der Bundesstraße 3. Über sie ist auch innerhalb von drei Kilometern die Bundesautobahn 6 zu erreichen. Über den Bahnhof Rot-Malsch an der Baden-Kurpfalz-Bahn besteht ein Anschluss an die S-Bahn RheinNeckar. Malsch gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.


Bildung

In Malsch gibt es eine Grundschule und eine Hauptschule mit angeschlossener Werkrealschule. Die Gemeinde betreibt eine Bücherei. Die Volkshochschule Südliche Bergstraße hat in Malsch eine Außenstelle.


Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Bevölkerungsstand
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 391–392
  3. Standort Wienerberger Tonziegelwerk in Malsch
  4. zit.n. Horst Buzello u.a.(Hg.): Der deutsche Bauernkrieg. Paderborn 1984. S. 90
  5. Geschichte Malsch
  6. Statistische Landesamt / Malsch HD 2000-2008/1
  7. Kreisbeschreibung Bd. 2 S. 645
  8. Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 78
  9. St. Juliana
  10. Wienerberger Ziegelindustrie
  11. Tag der offenen Tür 2008
  12. Creaton AG home
  13. Spiegel 21.3.1977, Ein Cyanidgehalt von 8.0 Milligramm pro Liter Sickerwasser ließ die Alarmglocken schlagen > Spiegel 28.10.1974

Literatur

  • Staatl. Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit d. Städten u.d. Landkreisen Heidelberg u. Mannheim (Hg.): Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg und Mannheim: Amtliche Kreisbeschreibung.
    • Bd 1: Allgemeiner Teil. Karlsruhe 1966
    • Bd 2: Die Stadt Heidelberg und die Gemeinden des Landkreises Heidelberg. Karlsruhe 1968
  • Alfons Stegmüller, Dionys Wipfler: 1200 Jahre Malsch: 783-1983. Malsch 1983
  • Horst Hill, Alfons Stegmüller, Dionys Wipfler: Kirchenführer der Pfarrkirche St. Juliana und der Wallfahrtskapelle. Saarbrücken 2000

Weblinks

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