Donnerstag, 24.05.2012



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Malchin

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Malchin
Malchin
Deutschlandkarte, Position der Stadt Malchin hervorgehoben
53.73333333333312.78333333333310Koordinaten: 53° 44′ N, 12° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Demmin
Amt: Malchin am Kummerower See
Höhe: 10 m ü. NN
Fläche: 50,09 km²
Einwohner: 7658 (30. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 153 Einwohner je km²
Postleitzahl: 17139
Vorwahl: 03994
Kfz-Kennzeichen: DM
Gemeindeschlüssel: 13 0 52 050
Stadtgliederung: 8 Ortsteile
Adresse der Stadtverwaltung: Am Markt 1
17139 Malchin
Webpräsenz:
Bürgermeister: Jörg Lange (FDP)
Lage der Stadt Malchin im Landkreis Demmin
Datei:Malchin in DM.PNG
Blick über die Altstadt von Malchin zum Steintor
Der Kummerower See bei Salem

Malchin ist eine Stadt in Mecklenburg-Vorpommern im Landkreis Demmin.

Inhaltsverzeichnis

Geografie und Verkehr

Malchin liegt in einer Senke an der Malchiner Peene zwischen dem Malchiner See, mit dem die Stadt über den Dahmer Kanal verbunden ist, und dem von der Stadt über den Peenekanal erreichbaren Kummerower See östlich der waldreichen Mecklenburgischen Schweiz. Diese erreicht nordwestlich von Malchin Höhen von über 120 Meter ü. NN. Die Stadt befindet sich an der B 104 ungefähr auf halber Strecke zwischen Teterow und Stavenhagen, ca. 42 km westlich von Neubrandenburg. Die Bahnstrecke Bützow–Szczecin führt durch den Ort. Bis 1996 führten zudem zwei weitere Strecken nach Dargun beziehungsweise nach Waren.

Stadtgliederung

Zu Malchin gehören die Ortsteile Jettchenshof, Pisede, Gorschendorf, Salem, Gülitz, Scharpzow und Viezenhof.

Geschichte

Name

Die slawische Fischersiedlung könnte einst den altpolabischen Namen Malochyni (abgeleitet von Maloch = klein) gehabt haben. 1215 hieß der Ort Malekin, dann ab 1247 Malechin oder daneben auch Malchyn und 1257 bereits auch Malchin.

Mittelalter

1215 wird das Dorf Malekin urkundlich erwähnt. Ab 1220 wird durch Nikolaus von Werle die Stadt planmäßig mit rasterförmigen Straßennetz angelegt. Im Mittelpunkt des Rasters befand sich der Markt und die Kirche. Das Stadtrecht (civitas) wurde Malchin am 7. April 1236 durch Fürst Nikolaus I. verliehen. In der Gründungsurkunde heißt es, dass die Stadt „in der reichsten und schönsten Gegend des Landes an der Peene gelegen“ sei. Von der Stadtbefestigung aus dieser Zeit stehen nur noch das Kalensche Vortor und das Vortor des Steintores sowie Mauerreste und ein hoher Mauerturm, ein runder Wehrturm, der heute auch fälschlich als Fangelturm bezeichnet wird.

Die Stadtkirche St. Maria und St. Johannes entstand um diese Zeit als spätromanischer Erstbau.

1397 wurde durch den großen Stadtbrand die Stadt mit der Kirche eingeäschert. Eine neue dreischiffige gotische Backsteinkirche als Basilika entstand.

Jahrhundertelang lag die Stadt an der Grenze des Herzogtums Mecklenburg-Schwerin zu Pommern.

17. bis 19. Jahrhundert

1639 lagerten während des Dreißigjährigen Krieges die Kaiserlichen, Kursächsischen und Kurbrandenburgischen Heerhaufen mit ca. 80.000 Mann in und bei Malchin. Sechzehnmal wurde die Stadt geplündert. Hunger, Pest, Verwüstung, Raub und Totschlag und somit unvorstellbare Not waren die Folge.

Im Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 war es kaum besser. 1713 umlagerten dänische und russische Truppen die Stadt.

Im Siebenjährigen Krieg wurde die Stadt am Neujahrstag 1762 vom heute Bataillenberg genannten Hügel durch die Preußen beschossen, um die Schweden zu vertreiben.

Während der Franzosenzeit zogen am 2. November 1806 15.000 Mann der französischen Truppen mit dem Marschall von Frankreich Joachim Murat in die Stadt; auch sie plünderten.

Bereits 1764 wurde in Malchin eine Synagoge gebaut und 1835 ein größeres Gotteshaus errichtet. 1925 löst sich die jüdische Gemeinde auf. 1838 baute man eine neue Mühlenbrücke über die Ostpeene vor dem damaligen Mühlentor. 1833 entstand ein Stadtkrankenhaus auf dem Strietfeld (altes Hospital) mit einer Erweiterung von 1859. 1842 wurde das Rathaus neu und wuchtig am alten Standort gebaut und 1900 völlig umgestaltet.

Landtage in Malchin und Sternberg

Schon seit der Landesteilung Mecklenburgs von 1621 (Güstrower Reversalen und Erbvertrag) in die beiden Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow tagte der Landtag des mecklenburgischen Ständestaats nach 1628 bis 1916 abwechselnd in Sternberg - also im Schwerinschen, und in Malchin - also im Güstrowschen.

Durch den so genannten Hamburger Vergleich vom 8. März 1701 wurde Mecklenburg in zwei beschränkt autonome (Teil-) Herzogtümer geteilt, ab 1815 (Teil-) Großherzogtümer - Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz -, die einen gemeinsamen Staat bildeten, seit 1755 dieselbe Verfassung hatten und - wie schon zuvor - einem gemeinsamen Landtag unterstanden. Diese landständische Verfassung in Mecklenburg galt bis 1918.

Die Versammlung der Stände waren

  • einerseits Land-, Konvokations- und Deputationstage, die der Landesherr - der Herzog - einberief,
  • andererseits Landeskonvente bzw. ritterschaftliche oder städtische Konvente, die von den Ständen selbst einberufen wurden.

Der jährlich im Herbst einberufene Landtag war das wichtigste Gremium des Landes. Selten (Krieg, Verfassung) fande darüber hinaus außerordentliche Landtage statt und ebenso selten an anderen Orten (u.a. Schwerin).
Die Landtage tagten in den jeweiligen Rathäusern von Sternberg und Malchin.

Gründerzeit

In der Gründerzeit entstanden viele Einrichtungen in Malchin. 1860 gründete Carl Julius Voss eine Wollfärberei in der Mühlenstraße. Die Firma hatte 1900 20-30 Mitarbeiter. 1862 wurde der Hafen eingeweiht. Eine Dampfschifffahrtslinie Stettin-Demmin-Malchin wurde betrieben.

1864 entstand die Eisenbahnlinie Güstrow–Malchin–Neubrandenburg. 1864 wurde der Bahnhof mit seiner - so schrieb man - schönen Empfangshalle eingeweiht. Von 1864 bis 1870 war Malchin Sitz der Verwaltung für die Großherzogliche-Friedrich-Franz-Eisenbahn. Diese befand sich in einem bahnhofsnahen, repräsentativen Gebäude, das ab 1921 das Finanzamt nutzte. Das Bahnhofshotel entwickelte sich seit etwa 1880 aus einer vorhandenen Kegelbahn.

1868 wurde das Innentor und 1872 das Vortor des gotischen Wargentiner Tores von 1331 aus Backstein abgerissen. 1879 entstand das Großherzogliche Amtsgerichts-Gebäude. Das Stadtgericht tagte zuvor im Rathaus. 1881 wurde die Stadtmühle an der Peene gebaut. 1882 gründete sich "die Fabrik", eine Zuckerfabrik in der Fabrikstraße. 1886 wurde das Kaiserliche Postamt an der Poststraße neben dem Kalenschen Tor eingeweiht. An der Peene und der alten Stadtmauer entstand ab 1890 die Brunswig-Promenade, die nach dem Kommerzienrat Brunswig benannt wurde. Das neue Stadtkrankenhaus an der Basedower Straße nahm 1893 seinen Betrieb auf. Ab 1898 entstand das Fenster- und Blechwarenwerk von Carl Reinke, ein Betrieb der 1937 um ca. 70 Mitarbeiter beschäftigte, seine Standorte in der Poststraße 6, bald darauf in der Halbtonnenstraße 7 und ab 1910 in der Wiesenstraße 6 hatte und der erst 1994 aufgegeben wurde.

1902 wurden der Wasserturm und die Maschinenhäuser vor dem Steintor gebaut und 1903 konnte die zentrale Wasserversorgung in Betrieb gehen. Daneben wurde auch die Straßenkanalisation ausgebaut.

Neuere Geschichte

1926 wurden die beiden Ämter Stavenhagen und Dargun zum Amt Malchin zusammengelegt. Ab 1933 gab es den Kreis Malchin. Das Landratsamtsgebäude wurde im Bauhausstil von dem Architekten Nicolai aus Rostock geplant und ab 1929 genutzt.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten hunderte Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern in Malchin und Umgebung Zwangsarbeit verrichten, wobei viele starben. Gegen Kriegsende kam es zu schweren Kriegsschäden in der Innenstadt. Etwa 3/4 des alten Bestandes der Häuser wurden zerstört.

Malchin war zwischen 1952-1990 Kreisstadt des gleichnamigen Kreises, der zum Bezirk Neubrandenburg gehörte. Dieser Kreis wurde dann zusammen mit dem Kreis Altentreptow und dem Kreis Demmin zum vergrößerten Landkreis Demmin zugeordnet. Im Jahr 1994 verlor Malchin seine Amtsfreiheit und ist seitdem Sitz des Amtes Malchin am Kummerower See.
Innenstadt und Rathaus wurden im Rahmen der Städtebauförderung seit 1991 gründlich saniert. Gegenüber vom Markt entstand auf der Grundlage eines städtebauliche Wettbewerbes eine neue Bebauung mit Läden, Büros und Wohnungen.

Politik

Wappen

Das Wappen wurde am 10. April 1858 von Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin festgelegt und unter der Nr. 50 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „In Gold zwischen zwei schwebenden roten Türmen mit je vierfach gezinnter, beiderseits abgestützter Platte und sieben (1:2:2:2) betagleuchteten Fenstern, ein hersehender, gold gekrönter schwarzer Stierkopf mit geschlossenem Maul, ausgeschlagener roter Zunge und silbernen Hörnern, überhöht von einem roten Tatzenkreuz.“

Das Wappen wurde 1994 neu gezeichnet.

Städtepartnerschaften

Wirtschaft

In Malchin befindet sich der Sitz der Landesforstverwaltung Mecklenburg-Vorpommern.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

St. Johanniskirche
Rathaus
  • St. Johanniskirche, Stadtkirche als dreischiffige Basilika im Stil der Backsteingotik neu erbaut. Der 67 Meter hohe Kirchturm kann bestiegen werden.
  • Das Rathaus:
    • Das erste Rathaus stammte wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert, der gotische Keller mit Kreuzgewölbe ist erhalten.
    • Das zweite Rathaus, ein zweiteiliger Bau, wurde 1745 auf dem Keller des Vorgängerbaus errichtet.
    • Das dritte Rathaus entstand 1842 durch einen umfassenden und vergrößerten Umbau mit gotisierenden und klassizistischen Formen; es hatte einen wuchtigen hervorspringenden Zinnenkranz. Im Obergeschoss befand sich der Landtagssaal. Schon 1900 wurde es weitgehend neu gestaltet und erhielt seinen Schmuckgiebel. Es wurde 1925-27 nach einem Brand neu aufgebaut. Der Rathaussaal ist mit 72 Zunftzeichen geschmückt. Der Rathausturm lässt sich besteigen und bietet viel Ausblick. Um 1996 wurde diese Gebäude wieder umfassend saniert.
  • Das Museum befindet sich in der Stadtmühle (mit Siegfried Marcus-Raum und Originalexponaten aus der Werkstätte des Erfinders), direkt an der B 104 Ortsdurchfahrt Malchin.
  • Von der einstigen Stadtbefestigung sind mehrere Teile erhalten:
    • Reste der Stadtmauer,
    • das Steintor, ein Vortor aus dem 15. Jahrhundert, welches 1893 über dem Torbogen im neogotischen Stil wieder aufgebaut wurde,
    • das gotische Kalensche Tor, ein Vortor aus dem 15. Jahrhundert am Ortsausgang nach Altkalen; das Innentor wurde 1837 abgerissen,
    • der Fangelturm (Malchin), ein Wehrturm aus dem 15. Jahrhundert, der am Ende des 16. Jahrhunderts um einen Renaissance-Giebel ergänzt wurde. Der rund 35 Meter hohe Turm, der 1996 grundlegend saniert wurde, hat seinen Namen von der einstigen Verwendung als Gefängnis.
  • Der runde Wasserturm war von 1902 bis 1980 in Betrieb.
  • Bahnhof mit historischen Betriebgebäuden.
  • Markanter Wohnturm nahe dem Bahnhof

Geschichtsdenkmale

  • Denkmal der Gefallenen von 1870/71, errichtet 1877 an der Basedower Straße (1945 teilzerstört)
  • Denkmal der Gefallenen von 1914/18, errichtet 1929 an der Parkstraße (1946 teilzerstört und umgewidmet zum VVN-Denkmal)
  • Denkmal der Gefallenen von 1914/18 des Männerturnvereins, Lindenstr.
  • Denkmal der Gefallenen von 1914/18 der Zuckerfabrik, im heutigen Gewerbegebiet (nach 1945 teilzerstört)
  • Zwei Ehrenfriedhöfe auf dem Städtischen Friedhof für Bürger der Sowjetunion, die als Soldaten, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter(innen) und deren Kinder im Zweiten Weltkrieg umgekommen sind
  • VdN-Ehrenfriedhof von 1979 auf dem Städtischen Friedhof an namentlich genannte Opfer des Faschismus aus der Stadt
  • VVN-Denkmal aus dem Jahre 1946 in der Parkstraße für die Opfer des Faschismus
  • Denkmal aus dem Jahre 1986 in der Basedower Straße zur Erinnerung an den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Rudolf Breitscheid, der 1944 im KZ Buchenwald ums Leben kam

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Siegfried Marcus, 1831-1898 (Wien), Erfinder und Automobilpionier
  • Thomas Doll, 1966, Fußballspieler und -Trainer
  • Carl Stoll, 1846-1907, an der Entwicklung gleisloser Oberleitungsbahnen in Dresden beteiligt, Patent für Lenkvorrichtung von Motorwagen
  • Fritz Greve (* 17. August 1863 in Malchin, † 2. April 1931 in Malchin), Mecklenburger Porträt-, Landschafts- und Kirchenmaler
  • Cordula Schmidt (geb. Wöhler), Pseudonym: Cordula Peregrina, 1845-1916 (gest. in Schwaz/Tirol), Dichterin, Verfasserin von Kirchenliedern

Literatur

  • Michael und Norbert Böttcher und Rosmarie Schöder: Malchin; Ein historischer Rückblick in Bildern mit Sonderteil Remplin, Selbstverlag Gebrüder Böttcher, Malchin, 1998

Weblinks

Commons Commons: Malchin – Bilder, Videos und Audiodateien
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