Meinestadt.de - Greußen - 23.05.2012
Lexikon - meinestadt.de
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
| |
|
|
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Thüringen | |
| Landkreis: | Kyffhäuserkreis | |
| Verwaltungs- gemeinschaft: |
Greußen | |
| Höhe: | 162 m ü. NN | |
| Fläche: | 19,15 km² | |
| Einwohner: | 3887 (30. Dez. 2007)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 203 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 99718 | |
| Vorwahlen: | 0 36 36 | |
| Kfz-Kennzeichen: | KYF | |
| Gemeindeschlüssel: | 16 0 65 023 | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Markt 1 99718 Greußen |
|
| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Joachim Steinmetz (SPD) | |
| Lage der Stadt Greußen im Kyffhäuserkreis | ||
| Datei:Greußen in KYF.png | ||
Greußen ist eine Stadt im thüringischen Kyffhäuserkreis und liegt im Thüringer Becken an der B 4 36 km nördlich von Erfurt. Greußen ist die größte Stadt in der Verwaltungsgemeinschaft Greußen und deren Sitz.
Inhaltsverzeichnis |
Greußen besteht aus der Stadt Greußen und dem Ortsteil Grüningen.
In vor- und frühgeschichtlicher Zeit war das Greußental von einem See bedeckt, der etwa um Christi Geburt durch Erosion zugeschwemmt war. Geologisch interessant ist das Greußener Tuffgestein. Zahlreiche Bodenfunde bezeugen eine starke Besiedlung des Gebiets um den See in frühgeschichtlicher Zeit. Nördlich von Greußen wurde 1858 in einem Holzschacht einer der wertvollsten Bodenfunde Nordthüringens gemacht. Der Opferfund besteht aus sechs germanischen Kultgefäßen aus der Zeit um 200 n. Chr. Eines davon, das Greußener Schweinchen, hat die Gestalt eines Ebers.
Der Ortsname kommt vom althochdeutschen Wort Grus für Sand. Davon wiederum leitet sich Gruzen – „ein Ort auf Sand“ ab. In der Karolingerzeit kam das Gebiet der „Drei Greußen“ (West-, Cling- und Markt-Greußen) durch Schenkung wohl fränkischer Grundherren an das Kloster Fulda. Das Gebiet der Altstadt wurde um 900 besiedelt. Die Gegend lag im Herrschaftsbereich der Ludowinger, dann der Wettiner, ab 1319 der Grafen von Honstein und ab 1356 der Grafen von Schwarzburg.
1250 gründete der Wettiner Landgraf den Ort Marktgruzen. Im Jahr 1353 erhielt Greußen Stadtrecht. Es durfte auch eigene Münzen prägen, die Greußen-Pfennige. Der Ort profitierte von seiner Lage an der Kreuzung von Handelsstraßen, war ein „Nahmarkt“ für eine weitere Umgebung und wurde Handwerkersiedlung. Besonders im 16. Jahrhundert waren Wein- und Waid-Anbau von Bedeutung. Wirtschaftlich spielte auch der Abbau von Greußener Tuffgestein und darunterliegendem Travertin eine große Rolle. Im Dreißigjährigen Krieg wurde „geplündert, geraubt und totgeschlagen von allen Parteien“. 1625 starben 843 von 1.300 Einwohnern an der Pest. 1687 wurde Greußen durch einen schweren Stadtbrand betroffen. In den Napoleonischen Kriegen 1807 bis 1813 hatte das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen den Napoleonischen Truppen Soldaten zu stellen. 1810 wurde eine Greußener Einheit in Spanien aufgerieben. 1834 vernichtete ein Großbrand fast die ganze Stadt. Zum Wiederaufbau wurden auch die oberen Teile der ehemals weit höheren Stadtmauer verwendet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm Greußen an der Industrialisierung teil, insbesondere nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871. 1878 wurde der „Verschönerungsverein“ der Stadt ins Leben gerufen.
Bis 1920 gehörte Greußen zum Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen, dann zum Regierungsbezirk Erfurt der preußischen Provinz Sachsen, ab 1944 zu Thüringen, von 1952 bis 1990 zum Bezirk Erfurt, seitdem zum Bundesland/Freistaat Thüringen.
Während des Zweiten Weltkrieges mussten Kriegsgefangene aus der Sowjetunion sowie Frauen und Männer aus Polen in der Landwirtschaft Zwangsarbeit leisten. Elf Polinnen wurden bei einem alliierten Bombenangriff im April 1945 getötet, weil sie auf dem Feld, auf dem sie arbeiteten, keinen Schutz suchen konnten. Zusammen mit 19 deutschen Bombenopfern wurden sie auf dem Friedhof des Ortes begraben. Vier umgekommene sowjetische Zwangsarbeiter liegen auf dem Friedhof im Ortsteil Grüningen.[2]
Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, am 7.April 1945, erlebte Greußen einen amerikanischen Bombenangriff. Diesem fielen eine Reihe von Wohnhäusern zum Opfer, auch das Rathaus wurde beschädigt. Es gab Tote unter der Zivilbevölkerung. Am 11. April 1945 wurde Greußen kampflos von der US-Armee besetzt. Diese wurde Anfang Juli - gemäß Londoner Abkommen von September 1944 über die Bildung von Besatzungszonen in Deutschland - von der Roten Armee abgelöst und das Gebiet kam entsprechend zur SBZ. Das Sparkassengebäude wurde sowjetische Kommandantur, ein Geschäftshaus (heute Filiale der Drogeriekette Rossmann) Sitz des NKWD. Alle leitenden Verwaltungsstellen und die Polizei wurden mit Kommunisten besetzt. Es erfolgten Entnazifizierung, Verhaftungen, Deportationen, Enteignungen und Beschlagnahmen. So machte der Ort alle politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in der SBZ und ab 1949 in der DDR mit.
Von Oktober 1945 bis Januar 1946 wurden 38 Greußener Jugendliche aufgrund von Denunziationen unter Werwolf-Vorwurf verhaftet, an das NKWD ausgeliefert, von einem Sowjetischen Militärtribunal in Sondershausen zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt und -ohne Information der Eltern- in das berüchtigte Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen eingeliefert. Von den unschuldig verurteilten 38 „Greussener Jungs“ verstarben dort 24 unter extremen Bedingungen. Die 14 Überlebenden kamen erst im Jahre 1950 frei.
Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):
|
|
|
Blasonierung: „In Blau ein gerüsteter Reiter auf goldgezäumtem silbernem Ross, mit silbernem Schwert seinen roten Umhang teilend, unten von einem kleinen blauen Schild mit einem gekrönten goldenen Löwen begleitet.“
Bereits das älteste Siegel von 1369 zeigt den heiligen Martin zu Pferde und einen kleinen Schild mit dem Schwarzburger Löwen. Der heilige Martin ist der Schutzpatron der Kirche in Greußen. [3]
Der Ort lebt vor allem von Landwirtschaft und landwirtschaftlichen Veredlungsprodukten. Überregional bekannt ist die Greußener Salami, die schon seit Jahrzehnten produziert wird. Daneben existieren eine Vielzahl kleiner und mittelständischer Gewerbebetriebe.
In Greußen gibt es seit 1991 ein Staatliches Gymnasium „Friedrich von Hardenberg“ (davor POS „Hans Beimler“), eine Staatliche Regelschule (in der Haupt- und Realschule additiv organisiert sind) und eine Grundschule.
Abtsbessingen | Artern/Unstrut | Bad Frankenhausen/Kyffhäuser | Badra | Bellstedt | Bendeleben | Borxleben | Bretleben | Clingen | Donndorf | Ebeleben | Etzleben | Freienbessingen | Gehofen | Göllingen | Gorsleben | Greußen | Großenehrich | Günserode | Hachelbich | Hauteroda | Helbedündorf | Heldrungen | Hemleben | Heygendorf | Holzsußra | Ichstedt | Kalbsrieth | Mönchpfiffel-Nikolausrieth | Nausitz | Niederbösa | Oberbösa | Oberheldrungen | Oldisleben | Reinsdorf | Ringleben | Rockstedt | Roßleben | Rottleben | Seega | Sondershausen | Steinthaleben | Thüringenhausen | Topfstedt | Trebra | Voigtstedt | Wasserthaleben | Westgreußen | Wiehe | Wolferschwenda
eo:Greußen nl:Greußen pt:Greußen ro:Greußen ru:Гройсен vo:Greußen