Meinestadt.de - Crottendorf - 22.05.2012
Lexikon - meinestadt.de
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Sachsen | |
| Direktionsbezirk: | Chemnitz | |
| Landkreis: | Erzgebirgskreis | |
| Höhe: | 650 m ü. NN | |
| Fläche: | 36,46 km² | |
| Einwohner: | 4481 (30. Dez. 2007)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 123 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 09474 | |
| Vorwahl: | 037344 | |
| Kfz-Kennzeichen: | ERZ | |
| Gemeindeschlüssel: | 14 5 21 130 | |
| Gemeindegliederung: | 2 Ortsteile | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: | Annaberger Straße 230c 09474 Crottendorf |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Bernd Reinhold (parteilos) | |
| Lage der Gemeinde Crottendorf im Erzgebirgskreis | ||
| Datei:Crottendorf in ERZ.png | ||
Crottendorf ist eine Gemeinde an der Zschopau im Erzgebirgskreis, Sachsen, Deutschland.
Inhaltsverzeichnis |
Crottendorf liegt im Erzgebirge an den nördlichen Ausläufern des Fichtelbergs, direkt am Beginn des Zschopautals. Der Ort zieht sich auf einer durchschnittlichen Höhe von 650 m auf einer Länge von fast 6 km von Nord nach Süd an der Zschopau entlang. Im Osten wird er durch die Hänge des Schießbergs (795 m) und des Liebensteins (756 m), im Westen durch die flacher zulaufenden Wiesen- und Heidegebiete bis zum Fuße des Scheibenbergs (807 m) eingegrenzt.
Zu Crottendorf gehört seit dem 1. Januar 1999 der Ortsteil Walthersdorf.
Das genaue Gründungsjahr von Crottendorf ist nicht überliefert. Man geht allerdings davon aus, dass der Ort Mitte des 12. Jahrhunderts als Erblehen der Meinheringer in der Grafschaft Hartenstein gegründet wurde. Ursprünglich wurde Crottendorf als bäuerliches Waldhufendorf mit angeblich 16 Hufen angelegt.
Gegründet wurde der Ort Crottendorf auf dem Gebiet, das zum Reichslehen der Meinheringer gehörte. Die Burg der Meinheringer in diesem Gebiet wird erst als Burg Hartenstein, dann als Schloss Hartenstein bezeichnet. Das Reichslehen wird 1157 erstmals bezeugt und die Burg wurde 1170 fertig gestellt.
Im Jahr 1406 wird die Grafschaft Hartenstein von den Meinheringern an den Herrn Veit von Schönburg verpfändet. In der Verpfändungsurkunde vom 2. Juli 1406 wird Crottendorf zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Durch Einfälle der Hussiten zwischen 1406 und 1438 wurde das Dorf ausgeplündert und die Kirche so geschändet, dass sie nach ihrem Wiederaufbau vom Bischof neu geweiht werden musste. 1439 wurden die Schönburger endgültig Besitzer der Grafschaft Hartenstein und damit auch Lehnsherren über Crottendorf.
Aufgrund des Erzreichtums des Gebirges werden in der Umgebung die Bergstädte Scheibenberg (1522) und Oberwiesenthal (1527) gegründet. In Crottendorf selbst gab es keine Silbervorkommen, es war jedoch ein wichtiger Ort zur Verwaltung der „Hohen Wälder“.
1539 führte Ernst von Schönburg auf seinem Land, zu dem auch Crottendorf gehörte, den evangelischen Glauben ein.
1559 verkaufen die Schönburger den östlichen Teil der Grafschaft Hartenstein, den so genannten „oberwäldischen“ Teil, für 146.000 Gulden an die Wettiner. Damit gehört Crottendorf zu Kursachsen.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Crottendorf wiederholt von plündernden und mordenden Truppen überfallen. Diese schleppten auch die Pest ein. Das Jahr 1633 gilt als besonders schlimmes Pestjahr. Nach dem Krieg wurde die zerstörte Kirche wiederaufgebaut und 1654 eingeweiht.
1771 und 1772 kam es zu schlimmen Missernten. Im Jahre 1772 starben 331 Menschen an Hungersnot. Das waren ca. siebenmal mehr Todesfälle als in anderen Jahren. Trotz der Kriege und Hungersnöte hatte Crottendorf um das Jahr 1800 ca. 1700 Einwohner.
1836, 1837, 1878 und 1898 wurden Schulgebäude gebaut. Die beiden letzteren dienen auch heute noch als Schule.
1889 wurde zusammen mit der Strecke Schwarzenberg - Annaberg-Buchholz die Stichstrecke von Walthersdorf nach Crottendorf eröffnet. Die 6 km lange und überwiegend durch die Straßen Crottendorfs und Waltersdorfs führende Strecke erlangte durch die Wiederaufnahme des Dampfbetriebes im Jahre 1982 überregionale Bekanntheit, nachdem dieser 1977 schon einmal eingestellt worden war. 1996 legte der Betreiber die 1988 wieder "verdieselte" Strecke still, im Jahre 2000 wurde die Trasse abgebaut.
Im Ersten Weltkrieg fielen 175 Soldaten aus Crottendorf. Zu diesen kommen noch viele Vermisste und zivile Tote. Im Zweiten Weltkrieg fielen 221 Crottendorfer Männer. Wiederum sind dabei die vielen Vermissten und die zivilen Opfer nicht berücksichtigt.
Nach dem Krieg stieg die Einwohnerzahl von Crottendorf durch Flüchtlinge und Wismut -Bergarbeiter auf ca. 8000. Im Juni 1945 wurde Crottendorf Teil der sowjetischen Besatzungszone und war auch von 1948 bis 1954 sowjetische Garnison. Der Kreis Annaberg wurde wegen des Uranabbaus von der sowjetischen Besatzungsmacht bis 1959 zur Sperrzone erklärt. In Crottendorf selbst wurde kein Uran abgebaut.
Woher der Name Crottendorf stammt, ist nicht gänzlich geklärt. Es existieren zwei Vermutungen zu seinem Ursprung.
Die erste Erklärung ist, dass die ersten Siedler so viele Kröten bzw. Schildkröten vorfanden, dass sie dem neu gegründeten Dorf ursprünglich den Namen „Krötendorf“ gaben. Diese Meinung korrespondiert auch mit dem Dorfwappen, welches eine gelbe Schildkröte auf grünem Grund zeigt.
Eine zweite Erklärung besagt, dass der Lokator des Dorfes ein Ritter von Crotten aus dem kleinen Ort Crottendorf bei Bindlach in Franken war. Mit dieser Erklärung korrespondieren die Fakten, dass das Dorf ursprünglich auf fränkische Art angelegt wurde und dass mit dem fränkischen Ort sowohl sprachliche als auch architektonische Gemeinsamkeiten bestehen.
Unter Kurfürst August I. (1553-1586) wurde im Erzgebirge nach wirtschaftlich verwertbarem Gestein gesucht. Im Rahmen dieser Suche wurde auch der südlich des Ortes gelegene Kalckbergk entdeckt, dessen Kalkstein Marmorqualität aufwies. Eine erste urkundliche Erwähnung des Vorkommens liegt mit einer Verkaufsurkunde aus dem Jahr 1559 vor. Der planmäßige Abbau im Tagebau setzte aber erst 1587 ein, nachdem auch der kurfürstliche Architekt und Bildhauer Giovanni Maria Nosseni auf das Lager aufmerksam wurde. Der geförderte Marmor diente v.a. der Herstellung von Bau- und Kunstwerken. In Kalköfen gebrannter Marmor kam darüber hinaus auch als Bindemittel im Baugewerbe zum Einsatz. Künstler fertigten aus Crottendorfer Marmor zudem Schmuckstücke. In der Sammlung des Grünen Gewölbes befindet sich eine Marmordose, die der Goldschmied Paul Ingermann um 1723 in vergoldetes Silber fasste.
1754 ging der Marmorabbau in den Staatsbesitz über. Er behielt bis ins 19. Jahrhundert hinein Bedeutung, davon zeugte nicht zuletzt eine 1829 erfolgte Besichtigung des Bruches durch Prinz Friedrich August II. und den Oberberghauptmann Sigismund August Wolfgang von Herder. Zu dieser Zeit waren etwa 20 Steinbrecher im Bruch beschäftigt, der Vertrieb des Marmors erfolgte über Verkaufslager, die sich in den größeren Städten Sachsens befanden. Ende des 19. Jahrhunderts verlor Marmor seine Bedeutung als Baumaterial, so dass die Blockgewinnung 1884 und die Branntkalkherstellung 1900 eingestellt wurde.
Eine Neuaufnahme des Abbaus erfolgte ab 1946. Die nunmehr industriell betriebene Gewinnung erfolgte auf 3 Sohlen parallel im Tage- wie Tiefbau. Die Abbauleistung steigerte sich auf bis zu 30.000 t Rohstein pro Jahr. Verwendung fand der Marmor u.a. als Branntkalk, Terrazzo, in der Celluloseindustrie, zur Düngemittelherstellung sowie als Möller im Stahlwerk Riesa. Der Abbau erfolgte auf den einzelnen Sohlen im Kammerbau. Die bis zu 10 m hohen Abbaukammern schwächten allerdings die Standsicherheit des Gebirges, so dass Teile der 2. Sohle zusammenbrachen. Am Rand des Tagebaus kam es 1969 zu 1973 zu größeren Rutschungen, so dass die Förderung wegen akuter Bruchgefahr am 8. Juni 1973 eingestellt wurde.
Der Crottendorfer Marmor fand über Sachsen hinaus nur vereinzelt Anwendung. Für folgende Verwendungsbeispiele ist ein Nachweis möglich:
Am 3. Oktober 1990 zählte Crottendorf 5485 Einwohner. Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres:
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1993 bis 1997
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1998 bis 2002
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2003 bis 2007
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Crottendorf ist auch durch die Herstellung der Original Crottendorfer Räucherkerzen im Ort bekannt geworden.
Bis zum 30.12.1996 war Crottendorf Endpunkt einer Stichstrecke welche im Bahnhof Walthersdorf von der Strecke Schwarzenberg - Annaberg-Buchholz abzweigte. Sie wurde hauptsächlich von Zügen der Relation (Scheibenberg-) Schlettau - Crottendorf befahren und führte mitten durch den Ort, somit konnte sie mit teilweise nur 15 km/h befahren werden und es musste auf allen Zügen ein Beimann auf der Lok mitfahren. Bekannt wurde sie durch den erneuten Einsatz von Dampflokomotiven der Baureihe 86 im Zeitraum 1982-88.
Seit dem Jahr 2002 gibt es in Crottendorf die Modellbahnmanufaktur, die für Modelleisenbahner detailgetreue Nachbildungen vor allem von Dampf-Lokomotiven herstellt, bevorzugt für Spur HO und TT.[2]
Der wohl größte private Arbeitgeber des oberen Erzgebirges, das Werk N4 der HOPPE AG Stadtallendorf, ist ebenfalls in Crottendorf angesiedelt. Hier sind mit der Herstellung von Tür- und Fensterbeschlägen derzeit mehr als 530 Mitarbeiter (Stand Ende Oktober 2008) beschäftigt.
Die Gemeinde Crottendorf investierte 2006 in einen neuen Lift. Betreiber dieses Liftes ist der örtliche Skiverein.
Neben dem Skilift der durch den Neubau eine Streckenänderung erfahren hat, betreibt der Verein eine "Mittelstation" in der Gäste und Einwohner nach einer rasanten Abfahrt einkehren können um neue Kraft zu tanken.
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