Meinestadt.de - Böhlen/Thüringen - 21.05.2012
Lexikon - meinestadt.de
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Thüringen | |
| Landkreis: | Ilm-Kreis | |
| Verwaltungs- gemeinschaft: |
Großbreitenbach | |
| Höhe: | 619 m ü. NN | |
| Fläche: | 6,16 km² | |
| Einwohner: | 644 (30. Dez. 2007)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 105 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 98701 | |
| Vorwahl: | 036781 | |
| Kfz-Kennzeichen: | IK | |
| Gemeindeschlüssel: | 16 0 70 005 | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: | Schulstraße 1 98701 Böhlen |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Reinhard Krannich (CDU) | |
Böhlen ist eine Gemeinde im Ilm-Kreis in Thüringen in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis |
Böhlen liegt auf einer Hochfläche zwischen Langem Berg und Schwarzatal in etwa 610 Metern Höhe im südöstlichen Ilm-Kreis am Übergang zwischen Thüringer Wald im Westen und Thüringer Schiefergebirge im Osten. Die Hochfläche selbst bildet sich zwischen den Erhebungen „Milchberg“ (im Norden; 676 m), „Große Grube“ (im Osten; 648 m) und „Kirchberg“ (im Süden; 632m). Die Hochfläche ist, wie alle übrigen der Region, in Richtung Nordosten geneigt und bildet die Abdachung des Thüringer Schiefergebirges zum Thüringer Becken hin. Die Hochfläche fällt im Westen steil ins Tal des Breitenbach ab und im Osten eher flach in Richtung Schwarzatal.
Der höchste Punkt der Gemeinde ist mit 675,9 m der Milchberg. Der tiefste Punkt befindet sich an der Gemarkungsgrenze im Schwarzatal mit ca. 395 m.
Um den gesamten Ort herum befindet sich ein verschieden breiter Streifen landwirtschaftlicher Nutzfläche an den sich ein Gürtel aus Waldbestand anschließt. Die Fichte ist vorherrschend. Lediglich im Norden gibt es an den Grenzen zu den Nachbargemeinden keinen Wald. Der Waldgürtel ist im Westen nur wenige Meter breit. Im Tal der Kurau dafür einige hundert Meter.
Die Gemeinde Böhlen zählt heute noch zu den waldreichsten Gemeinden der Umgebung, denn seit Jahrhunderten umfasst allein der kommunale Waldbestand etwa 291 Hektar. Die Bewirtschaftung des Gemeindewaldes deckt aber heute kaum die Kosten.
In Böhlen ist die Braunerde als Boden vorzufinden, der jedoch nur dünn über Fels liegt und wenig ertragreich ist. Die Region stellt die Grenze zwischen dem Rotliegendem(Zechstein) in Richtung Nordwesten und Tonschiefer im Südosten der Gemarkung dar. Der Ort ist gekennzeichnet durch die Lage innerhalb des Schwarzburger Sattels. Als Gesteine sind vorrangig präkambrische Tonschiefer und Grauwacken zu finden. Im nackten Fels an der Straße zwischen Böhlen und Schwarzmühle liegen die Kernzonengesteine des Thüringer Schiefergebirges offen, das sind im besonderen Phyllitschiefer und Quarz. Diese Gesteine zählen zu den ältesten des Thüringer Schiefergebirges und sind über 600 Millionen Jahre alt. Im Schieferfels befinden sich Kupfererzgänge.
Böhlen liegt auf einem Gebiet eines Quellhorizontes. Dies weisen die vielen ehemaligen Viehtränken und Quellen im Ort selbst und am Ortstrand nach. Einige Quellen werden noch heute zur Betriebswassergewinnung genutzt.
Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Friedersdorf - Wildenspring - Mellenbach-Glasbach - Meuselbach-Schwarzmühle - Großbreitenbach
Das Klima in Böhlen ist auf Grund der Höhenlage recht rau. Der vorherrschende Klimatyp ist das Mittelgebirgsklima mit kühlen Sommern und schneereichen Wintern. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei circa 5,5 °C. Böhlen liegt in einer Region großer jährlicher Niederschlagsmengen. Diese liegen im Schnitt bei 900 bis 1000 Litern. Durch die beiden Talsperren Schönbrunn und Goldisthal gibt es vermehrt Nebel der zwischen Langem Berg und Rennsteig hängen bleibt.[2]
Böhlen wurde wahrscheinlich im späten Mittelalter gegründet. Die Gemeinde wurde 1442 erstmals urkundlich als Belen oder Belte erwähnt. Die Deutung oder Herleitung des Namens lässt sich nur vermuten. Mit großer Wahrscheinlichkeit stammt der Name aus dem slawischen Wort belin oder belina in der Bedeutung „weißer, heller Ort“. Er lässt sich aber wahrscheinlich auch von Buhil oder Bühl ableiten, was gleichbedeutend mit Bogen, Buckel oder Hügel ist. Dies verdeutlicht sich in der Lage des Ortes zwischen den umliegenden Erhöhungen. In der Mundart lautet der Name des Ortes noch heute, fast wie ursprünglich, „Belln“.
Die ersten Ansiedlungen sind in der Ortsmitte zu vermuten, hier stand auch die erste Kapelle oder Kirche des Ortes. Ursprünglich war Böhlen ein typisches Straßenangerdorf bei dem sich die Bebauung vom Ortskern aus in Richtung Viehtreibe und Mühlberg ausdehnte. Am Ende des 19. Jh. entstanden quer zur typischen Ortszeile erste weitere Straßen, deren Bebauung am Ende des 20. Jh. vorerst ein Ende fand. Nach Einführung der Stallfütterung war die Weidefläche auf dem Anger weniger von Bedeutung, sodass im 18./19. Jahrhundert dieser auch zur Bebauung genutzt wurde, einzelne Häuser sind noch in der sogenannten „mittleren Zeile“ vorhanden und teilen den Dorfanger.
Nachweislich gibt es seit dem Jahr 1533 Bergbau in Böhlen. Im Ort wurde neben Bismut und Blei vor allem Kupferkies abgebaut und zu Kupfer weiterverarbeitet (weitere Gruben in und um Böhlen: ein Goldwaschwerk am Kuraubach wird 1616 als „goldt seufen an der Schwartze“ erwähnt, 1615 und 1688 werden eine bestehende Anlage eines Schwefel- und Vitriolwerks mit Hütte erneuert). Im 16. Jahrhundert gab es in Böhlen sogar ein Bergamt. Das Kupfer wurde am Kirchberg abgebaut. Durch den Bergbau erlebte die Gemeinde einen nicht unerheblichen Aufschwung, welcher sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1533 nachweisen lässt, in der Graf Heinrich XXXIV. von Schwarzburg den Böhlener Bürgern erhebliche Vergünstigungen und Vorrechte einräumt. Diese waren vielfältig und erlaubten im besonderen die Jagd, Fischerei im Fluss Breitenbach, Brau-, Back-, Schank- und Marktrecht. Die Hälfte des Steinberges wurde zur Holznutzung freigegeben. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich auch das Recht zur Nutzung der Waldwiesen im Steinberg. Der Böhlener Hirte führte noch bis in die 1960er-Jahre das Vieh dorthin. Mit den Vergünstigungen im Bergbau kamen wahrscheinlich viele Einwanderer nach Böhlen, was sich in den teilweise heute noch existierenden Namen widerspiegelt: Holland, Höland und Hauke. Es wäre aber auch möglich, dass die Namen mit den Fahrten Böhlener Fuhrunternehmer, die weit in Europa Handel mit Webereiprodukten trieben, einwanderten. Neben dem Bergbau spielte das Weberhandwerk eine große Rolle im Ort.
In den Jahren 1610 und 1611 wütete in der Gegend die Pest, von der Böhlen, aber besonders Wildenspring, stark betroffen waren. Der dreißigjährige Krieg traf den Ort sehr hart. Hunger, Krankheiten und Plünderungen ließen die Einwohnerzahl auf 27 schrumpfen, die sich die verbliebenen Güter teilten. Die vorangegangene Wohlstandsphase der Bergbauzeit wurde dadurch beendet. Der Ort erholte sich danach aufgrund des Silber- und Kupferbergbaus aber rasch.
Im Jahre 1778 wurde der Ort von einer Feuersbrunst heimgesucht, der 4 Häuser und 5 Scheunen zum Opfer fielen. Bereits 24 Jahre später, 1802, traf den Ort eine weitere Brandkatastrophe wobei 4 Häuser mit Hintergebäuden und 7 Scheunen abbrannten. Am 2. Oktober 1867 ereilte den Ort das bis heute größte Brandunglück. Ein kleines Mädchen verursachte beim Spielen einen Scheunenbrand nahe der Ortsmitte. Bis in die Nacht tobten die Flammen und vernichteten insgesamt 95 Gebäude im Ort, davon 31 Wohnhäuser.[3] Weitere Brände ereigneten sich in den Jahren 1905 in der ehemaligen Möbelfabrik, im Jahre 1913 als 4 Wohnhäuser im oberen Ort vernichtet wurden und im Jahr 1921 als der größte Teil des Sperrholzwerkes vernichtet wurde.
Aufgrund der Industrialisierung und den Folgen der politischen Umbrüche von 1848/49 erlebte Böhlen mehrere Auswanderungswellen im 19. Jahrhundert. In der Zeit zwischen 1834 und 1870 suchten so mehrere hunderte Menschen in Brasilien und in Nordamerika eine neue Heimat und eine bessere Zukunft. Ein außergewöhnliches und auch überregional einmaliges Kapitel stellt hierbei die Gruppenauswanderung vom 8. März 1852 dar. Nach „Tumulten und Unruhen“ im Sommer 1851 verließen 155 Personen, 13,6 % der Dorfbevölkerung, den Ort. Auf drei Schiffe verteilt, segelten sie in 53 Tagen von Hamburg aus nach Rio de Janeiro. In Brasilien wurden die Auswanderer auf Kaffeeplantagen im Staate Rio de Janeiro untergebracht. Hier wurden sie als Kaffeepflücker zum Ersatz von Sklaven eingesetzt.
Neben dem Bergbau und der Weberei gab es weiterhin eine große Zahl verschiedener Handwerksberufe und Händler die im gesamten deutschsprachigen Raum handelten. Es gibt in den Kirchenbüchern hierüber interessante Berichte über auswärts verstorbene Händler.
1910 wurde die zentrale Trinkwasserversorgung des Ortes durch die Firma Gockenbach aus Arnstadt fertiggestellt. Die Gemeinde wird seitdem aus Quellen vom Langen Berg versorgt. Ab 1911 erzeugte Albert Voigt auf seinem Grundstück, Ortsstraße 26, den ersten elektrischen Strom und versorgte bis 1918 nach und nach den gesamten Ort. 1928 wurde die Gemeinde mit Stadtgas versorgt, was besonders der Glasbläserei sowie der Thermometerherstellung förderlich war.
1909 bis 1910 (vielleicht auch 1912) erfolgte der Bau des Schulgebäudes durch Italiener. Es war mit einer Niederdruck-Dampfheizung ausgestattet. Im Keller befanden sich Wannenbäder und Duschen für die Bevölkerung. In den Jahren 1972 bis 1975 wurde das Gebäude durch eine Mehrzweckhalle mit Zwischenbau erweitert. 1994 wurde der Schulbetrieb aufgelöst und das Gebäude beherbergt heute die Gemeindeverwaltung, eine Kindertagesstätte und Vereinsräume.
In den Jahren 2006 bis 2009 wurde die Ortsdurchfahrt saniert und umgebaut. Der für Böhlen charakteristische Verlauf dieser Ortsdurchfahrt, bei dem die Straße breiter und schmaler wird, dabei die Verkehrsführung weniger im Vordergrund steht, ging teilweise verloren. Der fließende Übergang zwischen öffentlichen und privaten Flächen ist nur noch teilweise vorhanden. Der vielfach vor den Häusern gelegene Raum des Wohnens und Arbeitens wich Straße und Bürgersteigen.
Bis 1920 gehörte Böhlen zum Amt Königsee der Oberherrschaft im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt. Zwischen 1920 und 1952 gehörte der Ort zum Landkreis Arnstadt, von 1952 bis 1994 zum Kreis Ilmenau und schließlich seit 1994 zum Ilm-Kreis.
Etwa 50% der Bevölkerung gehören der Evangelisch-Lutherischen Kirche an. Der übrige Teil ist konfessionslos.
Es ist nicht bekannt, wann das erste Kirchengebäude in Böhlen gebaut wurde. Sicher ist jedoch, dass die Geschichte der Kirche so alt wie der Ort selbst ist. Ende des 16. Jahrhunderts fand die Reformation im Thüringer Wald statt, so auch in Böhlen. Die Kirche des Ortes hatte große Bedeutung, erkennbar an der Tatsache, dass im Jahre 1535 die Orte Gillersdorf und Friedersdorf zur Pfarrei Böhlen geschlagen wurden. Erst 1756 wurden Friedersdorf und Gillersdorf selbstständige Kirchgemeinden, während Wildenspring noch heute zur Kirchgemeinde Böhlen gehört. Die ältere Kirche (vermutlich die Kapelle der Heiligen Anna) wurde 1821 abgetragen. Die heutige Kirche der Heiligen Anna wurde in den Jahren 1821 bis 1822 im klassizistischen Stil erbaut und 1823 geweiht. Der Flügelaltar mit seinen Figuren aus dem Jahr 1498 und der Pestkelch über der Kanzel stammen noch aus der gotischen Vorgängerkirche. Die Büsten auf der Empore hinter dem Altar ebenso. Der Turm wurde 1862 fertiggestellt. Die originalen Bronzeglocken wurden 1915 herabgeschlagen und zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. 1922 wurde das Geläut durch Stahlglocken ersetzt, die allerdings aufgrund ihres höheren Gewichtes während ihres Betriebes das Kirchengebäude schädigen. Die Holland-Orgel auf der zweiten Empore wurde im Jahr 2001 renoviert. Nachdem bereits im Jahre 1950 der Kirchturm saniert und neu beschiefert wurde, fand in den Jahren 2006/07 eine weitere Sanierung des oberen Turmteils statt. Wobei neben einer neuen Beschieferung Teile des Fachwerks und der Holzkonstruktionen saniert wurden. Dabei wurde eine neuer Turmknopf mit neuer Wetterfahne aufgesetzt und neue Zifferblätter für die Uhr angefertigt. Die Kirche ist heute in einem dringend renovierungsbedürftigen Zustand. Die Kosten dafür werden auf ca. 275.000 Euro geschätzt.
Der vielfach in der Öffentlichkeit und in der Presse zitierte Name der Kirche als St.-Annen-Kirche ist falsch.
Die Einwohner Böhlens sind zum großen Teil älter als 40 Jahre. Der Anteil der über 60-jährigen liegt bei etwa einem Drittel. Aufgrund der Abwanderung junger Leute ist eine Überalterung der zurückbleibenden Bevölkerung nicht mehr aufzuhalten. Zudem ist Böhlen von einem hohen Rentner- und Arbeitslosenanteil geprägt. (Stand 2007)
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Böhlen gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Großbreitenbach. (2 Sitze in der VWG Versammlung)
Der Rat der Gemeinde Böhlen besteht aus 8 Ratsfrauen und Ratsherren. Die Kommunalwahl am 27. Juni 2004 lieferte folgendes Ergebnis:
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Von den gültigen Stimmen entfielen auf
| Nr. | Wahlvorschlag | Stimmen | % | Sitze | Gewählte |
| 1 | CDU | 642 | 51,2 | 5 | (Reinhard Krannich, Christine Lange, Markus Hauke, Mariane Großmann, Horst Römhild) |
| 2 | PDS | 215 | 17,2 | 1 | (Wilfried Schneider) |
| 3 | FWG | 396 | 31,6 | 2 | (Jürgen Herold, Diethardt Schneider) |
Der ehrenamtliche Bürgermeister Reinhard Krannich (CDU) wurde am 27. Juni 2004 mit 93,4 % der gültigen Stimmen gewählt. Es gab keine weiteren Bewerber.
Das Wappen wurde am 3. April 1995 durch das Thüringer Landesverwaltungsamt genehmigt.
Blasonierung: „In Grün eine auf einer wachsenden silbernen Weltkugel stehende nackte goldene Frau, ein silbernes Band über ihren Kopf und um ihren Körper schwingend, beseitet von je einer silbernen Fichte.“
Die goldene Fortuna auf der silbernen Weltkugel wird begleitet von zwei silbernen Fichten. Während die Darstellung der Fortuna als Siegelmotiv in der Gemeinde mindestens bis ins 18.Jh. zurückgeht, deuten die Bäume auf die Lage der Gemeinde im Thüringer Wald hin. [4]
Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet.
Die offiziellen Farben der Gemeinde sind Grün und Weiß. Auf der Gemeindeflagge sind diese in senkrechter Form folgender Reihenfolge zu finden: Grün - Weiß - Grün, die Breiten betragen ca. 1/4 - 2/4 - 1/4. Auf dem weißen Untergrund befindet sich das Wappen.
Seit 1991 besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Hohenahr in Hessen.
Sehenswert ist die Dorfkirche St. Anna.
Die 648 m hohe „Große Grube“ ist leicht über Fußwege zu erreichen und bietet eine gute Aussicht über den Ort und die Region.
Nachweislich gibt es seit dem Ausgang des 19. Jahrhundert ein reges Vereinsleben im Ort. Dabei fanden sich die Böhlener selbst in schweren Zeiten zusammen, um gemeinsam Sport zu treiben, Theater zu spielen usw.
Seit dem Jahr 2008 führt der Verein Bürger für Böhlen e.V. den Dorfladen mit Gütern des täglichen Bedarfs.
Heute gibt es in Böhlen folgende Vereine:
Bellre Jugend e.V., Böhlener Carneval Verein e.V. (BCV), Bürger für Böhlen e.V., Computer Club Böhlen (CCB), Deutsches Rotes Kreuz Ortsgruppe Böhlen, Feuerwehrverein e.V., Fremdenverkehrsverein Böhlen e.V., Gesangverein Böhlen e.V., Kleingärtnerverein „Pflanzländer Böhlen“ e.V., Rassegeflügelzüchter e.V., Sportverein „Fortuna Böhlen“ e.V., Thüringer Waldverein 1880 Zweigverein Böhlen e.V., Thüringische Sommerakademie e.V.
Ende des 19. Jh. wurden in Böhlen zwei Turnvereine gegründet: der Verein „Frei Heil“ und der Arbeitersportverein „Rot Sport“. 1920 wurde der Radfahrverein „Waldeslust“ gegründet. 1928 (1938?) wurde im Tal der Kurau die Sprungschanze des Böhlener Wintersportvereins erbaut. 1929/30 wurden ein Fußball- und ein Handballverein gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die sportlichen Aktivitäten zuerst in der Sportgemeinschaft „Einheit Böhlen“, später dann in der Betriebssportgemeinschaft „Aufbau Böhlen“ zusammengefasst. Nach der Wende wurde im Jahr 1997 der Sportverein „Fortuna Böhlen“ gegründet, mit den Sektionen Fußball, Kegeln und Gymnastik. Die Sektion Kegeln gibt es heute nicht mehr. Es existierte je eine Kegelbahn im Gasthaus zur „Schönen Aussicht“ und im Gasthaus „Zur Linde“. 1962 wurde letztere renoviert und neu eröffnet. Nach der Wende war das Gebäude im Besitz der Treuhand und verfiel zunehmend. Heute befindet es sich in Privatbesitz, die Kegelbahn wird nicht mehr genutzt.
Berühmte Sportler oder Sportlerinnen kommen nicht aus Böhlen. Jedoch konnten und können Sportvereine der Region auf gute Sportler aus Böhlen zählen. Die Olympiazweite im Speerwerfen 1976 in Montreal Marion Becker, geb. Ebert, verbrachte ihre Kindheit in Böhlen.
Jährlich, meist in der 3. Woche im Oktober, findet die Kärmse (Dialekt für Kirchweih) im Ort statt. Interessanter Brauch der Böhlener ist es dabei, am Montag nach dem ersten Kirmeswochenende ein sogenanntes Kartoffelbraten durchzuführen. Vereine, Freundeskreise oder Familien machen an angestammten Plätzen ein Kartoffelfeuer, in dessen Glut rohe Kartoffeln geworfen werden und welche anschließend verzehrt werden.
Weiterhin findet jährlich am Wochenende vor Aschermittwoch der traditionelle Fasching des Böhlener Carneval Verein e.V. statt. Der Verein ist einer der wenigen Karnevalvereine der Region, der am Rosenmontag ein Programm mit anschließendem Tanz durchführt.
Seit 1992 finden jährlich im Sommer Kunstkurse in der ehemaligen Thermometerfabrik, veranstaltet von der Thüringischen Sommerakademie, statt. Schwerpunkte der Kurse sind dabei Musik und bildende Kunst, ergänzt durch weitere Workshops.[5]
Die Böhlener Kirche ist jährlich Konzertsaal des Thüringer Orgelsommer.
In früheren Zeiten lebten die Böhlener vom Bergbau, Ackerbau, der Viehzucht und vom Holzeinschlag. Mit dem Anbau von Flachs, der auf den Hochflächen gut wuchs, gewann die Leineweberei enormen Aufschwung. Im 17. und 18. Jahrhundert lieferten die Leineweber der Region große Mengen nach Großbreitenbach. Am 19. August 1739 erkämpften die Böhlener, Wildenspringer und Friedersdorfer endlich ihre eigenen Innungsrechte. Dies führte wahrscheinlich zu einer weiteren Expansion des Gewerbes. Die im 19. Jahrhundert einsetzende Industrialisierung führte allerdings zu einer schnellen Verarmung des Weberhandwerks (siehe auch: Geschichte).
Die Landwirtschaft spielte seit Mitte des 19. Jh. keine bedeutende Rolle mehr für den Ort. Diese diente nur noch als Nebenerwerb und war zum Teil auf Subsistenz ausgerichtet. Heute werden die Ackerflächen von Genossenschaften unter Pacht bewirtschaftet oder sie liegen brach.
In Böhlen wurde die erste Sperrholz-Fabrik weltweit durch Herrn Bruno Harras im Jahre 1858 gegründet. Neben Sperrholz wurde hier eine besondere Form der Spanplatte produziert, in die Ornamente und Bilder gepresst wurden und von einer Schnitzerei kaum zu unterscheiden waren. Die Firma nahm an der Weltausstellung in Chicago im Jahr 1893 teil. Es wurden nicht nur die eigenen Entwicklungen vorgestellt, sondern auch der Empfangssaal des deutschen Pavillons ausgestattet und gebaut. Ein Brand im Jahr 1921 vernichtete diese Fabrik; dabei kam der damalige Bürgermeister ums Leben. Sie wurde danach wieder errichtet und 1930 über 20 Wochen bestreikt, was dazu führte, dass sie schließen musste. 1937 wurde die Sperrholzfabrikation wieder aufgenommen. 1948 wurde der Betrieb verstaatlicht.
An der Brandstätte einer älteren Firma (südlich der Sperrholzfabrik) wurde Ende des 19. Jh. eine Möbelfabrik gebaut. Unter verschiedenen Besitzern wurden erst Spielwaren und Puppenmöbel hergestellt, später Sitzmöbel gefertigt. Das Unternehmen war nach dem Krieg in Besitz der Treuhand und wurde ein paar Jahre nach der Sperrholzfabrik verstaatlicht und mit dieser zusammengeführt. Die Plattenproduktion wurde ausgelagert. Es wurden Schlafraummöbel in verschiedensten Varianten produziert. Das staatliche Unternehmen führte bis 1990 verschiedene Bezeichnungen. Im April 1989 arbeiteten 164 Menschen in der Sperrholz- und Möbelfabrik. Nach 1990 wurde sie geschlossen. Durch ein bayrisches Unternehmen wurde der Betrieb 1992 saniert und stellt heute Kindermöbel her. Der Komplex im Süden wurde durch die Treuhand verkauft. Er befindet sich heute im Privatbesitz, die ehemalige Fabrik ist nahezu abgerissen.
Ein Buchhalter gründete in Böhlen in den 1930er Jahren einen Bekleidungsbetrieb und stellte zunächst Uniformen her. Nach dem Krieg hatte der Betrieb mehrere Besitzer und stellte Oberbekleidung, zuletzt Miederwaren her. Dieser Betrieb wurde nach der Wende geschlossen.
Die Thermometerfabrik ging aus einer seit 1868 bestehenden Holzdrahtweberei an gleicher Stelle hervor. Gewoben wurden hier sogenannte „Vorsteller“, die bemalt wurden und ein Ersatz für Gardinen waren. 1903 wurde mit der Fertigung von Haushaltsthermometern begonnen. 1972 wurde dieser bis dahin privat geführte Betrieb enteignet und in den VEB Thermometerwerk Geraberg eingegliedert. 1990 zog sich dieser Betrieb komplett aus Böhlen zurück, so dass die dort beschäftigten Frauen und Männer die ersten Arbeitslosen der Gemeinde nach der Wende waren. Der Gebäudekomplex beheimatet heute die Thüringische Sommerakademie.
Am 12. Juni 1958 traten einige Kleinbauern in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG), mit dem Namen „Banner des Friedens“ ein. Bis 1960 wurden alle übrigen Landwirte in diese Produktionsgemeinschaft gezwungen.
Weiterhin gab es in Böhlen den einzigen Hersteller von Eieruhren in der DDR.
Heute pendeln die meisten Einwohner zur Arbeit nach Großbreitenbach oder die Region Ilmenau.
Von Böhlen führen Straßen nach Großbreitenbach, Gillersdorf, Wildenspring und Meuselbach-Schwarzmühle. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Böhlen per Bus zu erreichen. Der nächste Bahnhof befindet sich an der Schwarzatalbahn im drei Kilometer östlich gelegenen Meuselbach-Schwarzmühle.
Auf dem alten Friedhof (zwischen Dorfanger und Kirche) stand früher ein großes Grab der angeblich wohlhabenden Familie Voigt. Ohne Nachkommen gründeten sie eine Stiftung, die Schulkindern eine Unterstützung gewährte. Jährlich wurde am Todestag das Grab dieser Familie geschmückt und dort gesungen. Einer der Bäcker des Ortes buk an diesem Tag extra für jedes Kind einen kleinen Kuchen. Vermutlich nachdem das Geld der Stiftung aufgebraucht war, geriet dieser Brauch in Vergessenheit. Nur noch einige wenige Einwohner kennen diese Form des Brauchtums durch mündliche Überlieferung.
In der Region sind die Böhlener unter dem Spitznamen „Foßbsche“ bekannt und werden mitunter auch direkt so angesprochen. Die Foßbsche sind Hausschuhe die in der Vergangenheit in Böhlen hergestellt wurden. Es wurden dazu alte Stoffreste in vielen Lagen übereinander gepackt und mit großen Stichen zusammen gesteppt. Anschließend wurde mit einem Stemmeisen die Form des Fußes ausgestochen. Die Sohle wurde ebenfalls aus diesen Stoffresten hergestellt. Zum Schluss wurde der Schuh noch verschönert, mit Stoff überzogen, die Spitze mit einem Stück Leder geschützt oder der Schaft umnäht. Für Kinder gab es sogar Bommelchen an die Foßbsche. In den 1920er Jahren soll angeblich der Bürgermeister mit Foßbschen nach Arnstadt aufs Amt gereist sein.[6]
Im Jahre 1800 soll in fast jedem zweiten Haus im Ort ein Webstuhl gestanden haben. Die Weber erlitten in der Zeit um 1850 schwerste Schläge. Aufgrund der Erfindung von Webmaschinen und der Industrialisierung waren die Weber nicht mehr konkurrenzfähig. Sämtliche Familien die von der Weberei lebten gerieten in große Not. Die Familien zogen bis nach Königsee, um zu betteln. Im Herschdorfer Kirchenbuch ist zu lesen, dass zwei Böhlener Kinder auf dem Heimweg bei Dröbischau erfroren. Die Not der Weber trieb sie zu Diebstählen und Einbrüchen. 1848 wurde von den Bürgern des Ortes eine freiwillige Polizei aufgestellt. Um 1850 wurde ein Böhlener Wilddieb von einem Gehrener Forstmeister erschossen. 1850 erlebte die Not ihren Höhepunkt. Ein begüterter Böhlener unterbreitete den Vorschlag die verarmten Familien zum Auswandern zu bewegen. Er selbst stellte 300 Taler zur Verfügung. Die verarmten Weber wurden zur Auswanderung geworben und es wurden ihnen sämtliche Kosten der Auswanderung erstattet. Insgesamt betrugen die Kosten für die 155 Auswanderer 1200 Taler. [7]
Die Auswanderung bis Hamburg in Stichworten:
Aufräumarbeiten im Kirchberg nach Durchzug des Orkans Kyrill im Februar 2007 |
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