Montag, 21.05.2012



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Blomberg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Blomberg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Blomberg
Blomberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Blomberg hervorgehoben
51.9330555555569.0830555555555185Koordinaten: 51° 56′ N, 9° 5′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Detmold
Kreis: Lippe
Höhe: 185 m ü. NN
Fläche: 99,12 km²
Einwohner: 16.805 (30. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 170 Einwohner je km²
Postleitzahl: 32825
Vorwahlen: 05235 / 05236
Kfz-Kennzeichen: LIP
Gemeindeschlüssel: 05 7 66 016
Stadtgliederung: 19 Ortsteile
Adresse der Stadtverwaltung: Marktplatz 1
32825 Blomberg
Webpräsenz:
Bürgermeister: Klaus Geise (SPD)
Lage der Stadt Blomberg im Kreis Lippe
Nordrhein-Westfalen Niedersachsen Kreis Höxter Kreis Paderborn Kreis Gütersloh Bielefeld Kreis Minden-Lübbecke Kreis Herford Detmold Barntrup Blomberg Dörentrup Schlangen Lemgo Lage Augustdorf Bad Salzuflen Extertal Leopoldshöhe Horn-Bad Meinberg Lügde Schieder-Schwalenberg Oerlinghausen KalletalKarte
Über dieses Bild

Blomberg ist eine Stadt in Ostwestfalen-Lippe, Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im Südosten des Kreises Lippe rund 20 km östlich von Detmold und besitzt die heutige Ausdehnung seit der Kommunalreform von 1970, als die damalige Stadt Blomberg mit weiteren 18 bis dahin selbständigen Gemeinden zusammengeschlossen wurde. Mit derzeit rund 17.000 Einwohnern ist Blomberg die sechstgrößte Stadt in Lippe. Blomberg besitzt eine gut erhaltene historische Altstadt und feierte im Jahr 2008 sein 725-jähriges Bestehen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Blomberg liegt 50 km südöstlich von Bielefeld, 20 km östlich von Detmold und 18 km südwestlich von Bad Pyrmont. Die Kernstadt befindet sich im Zentrum des sogenannten Blomberger Beckens, das etwa 150 m über NN liegt und sich deutlich vom umliegenden Gebiet abgrenzt. Den Saum des Beckens im Norden und Osten bilden die rund 400 m hohen bewaldeten Bergrücken des Barntruper und Blomberger Stadtwaldes. Im Westen liegen der Hörntruper Berg, der Meierberg und der Mossenberg, während die Grenze im Süden von vom Nessenberg, Spielberg und Butterberg gebildet wird. Die Entwässerung des Blomberger Beckens erfolgt durch die Diestel, einem linken Nebenfluss der Emmer. Der tiefste Punkt des Gemeindegebiets ist auf 139 m, der höchste auf 185 m gelegen.[1]

Geologie

Die fast waagerecht gelagerten Gesteinsschichten des Blomberger Beckens wurden im Tertiär, also vor rund 30 Millionen Jahren, angehoben und bildeten den Blomberger Sattel. Durch Erosion entstanden lediglich geringe Höhenunterschiede, die allerdings eine markante Beckenstruktur erkennen lassen. Der Rand wird von härteren Gesteinsarten, wie Schilfsandstein und Rätkeuper gebildet. Auch im Becken selbst gibt es einzelne härtere Gesteinsschichten, die sogenannte Zeugenberge entstehen ließen. Als Beispiel sind hier der Grebberg und der Stoppelberg zu nennen. Der erste Berg besteht aus Schilfsandstein, der zweite jedoch aus Rätkeuper. Im Becken selbst hat sich im Verlauf der letzten Eiszeit Löss abgelagert und ist zu Lösslehm verwittert. Die Höhe der Ablagerungen beträgt rund 150 cm oder weniger und ist verantwortlich für die gute bis sehr gute Qualität der Ackerböden. Etwa vier Fünftel des Bodens werden von der Landwirtschaft genutzt, im Bereich der feuchten Bachniederungen hauptsächlich als Grünland und Weiden. Der Wald auf den umliegenden Bergen besteht zu drei Vierteln aus Laubbäumen, überwiegend Buchen, während auf dem Rätkeuper Fichtenkulturen gedeihen.[1]

Die Eignung des Stadtgebiets von Blomberg ist standortabhängig sehr unterschiedlich. Der überwiegende Teil des Stadtgebiets eignet sich gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpe eignen. Im zentralen Gebiet und in Richtung Süden ist die Eignung eher mittelmäßig, vereinzelt schlecht (vgl. dazu die nebenstehende Karte).

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets

Die als „Kleinstadt“ klassifizierte Stadt erstreckt sich über eine Fläche von 99,12 km². Das Gemeindegebiet hat eine maximale Ausdehnung in Ost-West Richtung von ca. 12,5 km und in Nord-Süd Richtung von etwa 15,5 km.

Fläche
nach Nutzungsart[2]
Landwirt-
schafts-
fläche
Wald-
fläche
Gebäude-,
Frei- und
Betriebsfläche
Verkehrs-
fläche
Wasser-
fläche
Sport- und
Grünfläche
sonstige
Nutzung
Fläche in km² 59,44 26,26 6,03 5,09 0,51 1,72 0,06
Anteil an Gesamtfläche 59,97 % 26,49 % 6,08 % 5,14 % 0,51 % 1,74 % 0,06 %

Nachbargemeinden

Das Stadtgebiet grenzt an folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend): Dörentrup, Barntrup, Bad Pyrmont, Lügde, Schieder-Schwalenberg, Horn-Bad Meinberg, Detmold und Lemgo.

Lemgo Dörentrup Barntrup
Detmold Nachbargemeinden Landkreis Hameln-Pyrmont, Lügde
Horn-Bad Meinberg Horn-Bad Meinberg Schieder-Schwalenberg

Stadtgliederung

Blomberg besteht aus den folgenden Ortsteilen:

Ortsteil Ortsteile der Stadt Blomberg
Altendonop
Blomberg-Nord
Blomberg-Süd
Borkhausen
Brüntrup
Cappel
Dalborn
Donop
Eschenbruch
Großenmarpe
Herrentrup
Höntrup
Istrup
Kleinenmarpe
Maspe
Mossenberg-Wöhren
Reelkirchen
Siebenhöfen
Tintrup
Wellentrup

Geschichte

Stadtgründung und Leben im späten Mittelalter

Im 11. Jahrhundert gab es einen deutlichen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen, der durch bessere Lebensbedingungen zu begründen ist. Vor dieser Zeit arbeiteten die Bauern mit primitiven landwirtschaftlichen Methoden, die eine ertragreiche Bewirtschaftung des Bodens nicht zuließen. Erst mit der Einführung des eisernen Räderpflugs, der Dreifelderwirtschaft und der Wassermühle im Hochmittelalter änderte sich diese Situation und führte zu ertragreicheren Ernten, durch die sich die Ernährungslage verbesserte. Damit wurde der lippische Raum auch für die herrschende Klasse interessant. Die neuen Machthaber waren die Edelherren zur Lippe und die Grafen von Schwalenberg und Sternberg. Es wird vermutet, dass beide gemeinsam die Burg Blomberg errichteten, die zunächst nur als Festung diente. [3]

Zwischen 1231 und 1255 erfolgte die Stadtgründung durch Bernhard III.. Die Belege darüber gingen im Verlauf der Soester Fehde verloren, so dass es kein genaues Datum gibt. Allerdings existiert eine Urkunde aus dem Jahr 1283, aus der hervorgeht, dass zu dieser Zeit die Stadtrechte "schon lange" bestanden.[4] Blomberg war für die lippischen Landesherren offenbar von besonderer Bedeutung, weil die Stadt an der Kreuzung von drei wichtigen mittelalterlichen Handelsstraßen lag. Diese Fernwege waren die Kölnische Straße, die über Soest, Horn und Blomberg nach Hameln führte, ferner die Frankfurter Straße, die über Kassel, Warburg, Steinheim, Blomberg und Rinteln nach Bremen führte und schließlich die Straße von Osnabrück über Herford, Lemgo, Blomberg, Höxter und weiter nach Thüringen. Die Straßen waren allerdings in so schlechtem Zustand, dass die tägliche Reisegeschwindigkeit lediglich 25 bis 50 km betrug. In den ausgedehnten Wäldern bedrohten zudem Räuberbanden den damaligen Verkehr und die Straßen im Blomberger Gebiet wurden von sechs Wachtürmen gesichert.[3]

Die Stadt war nach dem traditionellen Dreistraßensystem errichtet worden, bei dem drei parallel verlaufende Längsstraßen an den Enden vor einem Stadttor zusammentreffen. Das Gebiet der rund 11,3 Hektar großen Stadt war für 1.600 Einwohner geplant und dehnte sich erst nach 1860, also annähernd 600 Jahre später, über ihre Grenze nach Osten hin aus. Simon I. (1275 - 1344) wählte Blomberg als Wohnsitz und ließ die Burg als Residenz ausbauen. Er und seine Nachfolger wechselten häufig zwischen ihren Wohnsitzen Blomberg und Brakel. Die Stadt und Burg war ringsum befestigt, die Burg wurde zusätzlich durch Wall und Graben gesichert. Nach Westen und Süden hin boten steile Hänge einen natürlichen Schutz, während die Stadt nach Osten und Norden hin von Mauern, Gräben, Wällen und sogar Dornenhecken umgeben war. Zusätzlich gab es sechs Verteidigungstürme und vor den Toren Zwinger und Landwehren. Von der Stadtbefestigung sind heute noch das Niedere Tor und Teile der Stadtmauer erhalten.[3]

In Blomberg bestand eine gewisse Teilung in Ober- und Unterstadt, oben lebten zumeist die Handwerker und unten die Ackersleute. Ober- und Unterstadt hatten getrennte Huden und selbst die städtischen Wirtshäuser waren in genauer Zahl auf Ober- und Unterstadt verteilt. Kinder aus der Oberstadt wurden vom Kantor und die aus der Unterstadt vom Küster unterrichtet. Blombergs Wirtschaft wurde wie überall in den Städten durch die Zunftordnung bestimmt. Fast alle Handwerksbetriebe im Blomberger Becken konzentrierten sich in der Stadt, lediglich Müller, Schmiede, Radmacher, Flickschuster und Flickenschneider konnten sich auch auf dem Land niederlassen.[3]

Zerstörung, Wiederaufbau und Reformation

Die Befestigungen schützten Blomberg jedoch nicht vor der völligen Zerstörung im Verlauf der Soester Fehde. Im Jahr 1447 belagerte der Erzbischof von Köln die Stadt und ließ sie am 14. Juni von seinen Söldnern fast vollständig niederbrennen.[3]

Die Stadt wurde ab 1468 mit Unterstützung von Bernhard VII. wieder aufgebaut. In diese Zeit fiel ein folgenreiches Ereignis. Eine Frau namens Alheyd Pustekoke stahl aus der Martinikirche 45 geweihte Hostien. Aus Furcht vor Entdeckung warf sie diese in den Brunnen im Seligen Winkel. Doch die Hostien versanken nicht und Alheyd wurde des Diebstahls überführt und zur Strafe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Bald darauf verbreitete sich die Nachricht, dass der Brunnen wundersame Heilkräfte hätte und Blomberg entwickelte sich zum Wallfahrtsort. Die Nachricht davon erreichte sogar den Vatikan, so dass die Kardinäle in Rom den Bau einer Kapelle über den Brunnen förderten. 1468 bekamen die Augustinermönche im Kloster Möllenbeck diese Kirche geschenkt und erhielten gleichzeitig die Genehmigung zum Bau eines Klosters. Die Kirche wurde 1473 zu einer spätgotischen Hallenkirche ausgebaut und ist heute die evangelisch-reformierte Stadtpfarrkirche.[5]Das Spendenaufkommen war so beträchtlich, dass davon sogar eine Klosterkirche erbaut werden konnte, die fast 200 Jahre lang als Begräbnisstätte der lippischen Edelherrn und Grafen diente.

1538 wurde in Lippe Einführung der Reformation beschlossen und Blomberg trat zum evangelisch-lutherischen Glauben über. Der Brunnen verlor seine überörtliche Bedeutung und geriet in Vergessenheit. Im Jahr 1605 ordnete der Landesherr Graf Simon VI. an, dass alle Städte und Gemeinden in der Grafschaft Lippe das evangelisch-reformierte Bekenntnis nach Johannes Calvin einführen sollen. Nur Lemgo konnte sich erfolgreich widersetzen, während sich Blomberg widerwillig fügte.[3]

Dreißigjähriger Krieg und wirtschaftliche Entwicklung

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wurde Blomberg erneut stark zerstört, als im August 1636 feindliche Truppen die Stadt plünderten. Im Verlauf des Krieges wurden die Blomberger Bürger von einer verheerenden Pestpidemie heimgesucht und die Bevölkerungszahl sank innerhalb kurzer Zeit von 1.640 auf 675 Menschen. Die Stadt erholte sich nur langsam von den Schrecken des Krieges und die ehemalige Bevölkerungszahl wurde erst im Jahr 1834 wieder erreicht.[4]

Einige Kaufleute ließen sich in Blombergs Hauptstraße, dem Langen und Kurzen Steinweg, nieder, deren stattliche Dielenhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert teilweise noch heute erhalten sind. Nach der lippischen Volkszählung von 1776 gab es in Blomberg eine vielfältige handwerklich-gewerbliche Struktur. Dazu gehörten 84 Schuhmacher, 30 Zeugmacher, 30 Acker- und Fuhrleute, 15 Tischler, 13 Bäcker, 10 Schreiber, 8 Leineweber, 7 Schlosser, 6 Schmiede, 3 Gastwirte, 3 Hutmacher, 3 Glaser, 3 metzger, 3 Bader und Chirurgen, 3 Händler, 3 Maurer, 2 Apotheker, 2 Radmacher und 2 Zimmerleute.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Schusterhandwerk. Noch heute bildet die Schusterlaterne das Symbol der Blomberger Handwerkskunst. Zeitweilig arbeiteten über 131 Betriebe in der Stadt und schickten ihre Produkte bis nach Kassel, Osnabrück, Hannover und Braunschweig.[6]

Industrialisierung

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Holzindustrie zum wirtschaftlichen Schwerpunkt. Im Jahr 1805 wurden bereits 5.000 Stühle hergestellt und auf auswärtigen Märkten verkauft. 1880 wurde die Stuhlfabrik Krone gegründet und 1893 errichtet Bernd Hausmann das erste Sperrholzwerk in Deutschland. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begannen Friedrich Vöchting und Carl Gronemann mit ihrer Nelkenzucht auf dem ehemaligen Meiereigelände. Schließlich gab es über 1.500 Nelkensorten, die bis zum Ersten Weltkrieg weltweit exportiert wurden. Damit erhielt Blomberg den Beinamen Nelkenstadt.[3]

In den Jahren 1835 bis 1895 wuchs Blombergs Bevölkerung von 2.141 auf 3.084 Personen. Besonders im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung durch den Anschluss Blombergs an das Eisenbahnnetz. 1897 wurde eine Stichbahn eröffnet, mit der die Stadt Anschluss an die Bahnstrecke Altenbeken-Hannover fand. Trotz der ersten Ansätze einer industriellen Entwicklung blieb die Landwirtschaft ein wesenlicher wirtschaftlicher Faktor, häufig allerdings als Nebenerwerbsquelle. Noch Mitte 1920 bewirtschafteten 700 von den 1.000 ansässigen Haushalten eine Acker- oder Gartenfläche bis zu zwei Hektar.[7]

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) wurden 180 Blomberger getötet oder gelten als vermisst. Nach dem Kriegsende dankte Kaiser Wilhelm II. ab und Philipp Scheidemann rief am 9. November 1918 die Republik aus. Einen Tag später konstituierte sich in Detmold der Lippische Volks- und Soldatenrat und bildete die neue lippische Regierung. Nur zwei Tage danach kam es in Blomberg zur Gründung des Volksrats der Stadt Blomberg, der sich aus Arbeitern und Soldaten zusammensetzte. Der Volksrat wählte Heinrich Saake zum Vorsitzenden. Versammlungen auf der Straße wurden verboten, Kinder durften sich bei Einbruch der Dunkelheit und Jugendliche nach 21 Uhr nicht mehr im Freien aufhalten. Nach dieser Verkündigung wurde die rote Fahne der Revolution am Rathaus gehisst. Im März 1920 kam es als Reaktion auf den Kapp-Putsch zu einem Generalstreik, an dem sich 650 Blomberger Arbeiter aus 25 Betrieben beteiligten. Wie im gesamten Reich kam es auch in Lippe in den letzten Jahren der Weimarer Republik zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der KPD und NSDAP, die teilweise in Saalschlachten und Schießereien ausarteten.[7]

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Am 15. Januar 1933 fanden in Lippe Landtagswahlen statt. Bei der Reichtagswahl im November 1932 musste die NSDAP einen Rückgang ihres Stimmenanteils von 41,13 % auf 34,72 % hinnehmen. Deshalb versuchten die Nazis, die Landtagswahl in Lippe allen Umständen zu gewinnen. Die gesamte Führung der NSDAP wurde in den Wahlkampf einbezogen und in der Endphase des Wahlkampfs sprach allein Hitler sechzehn Mal innerhalb von zehn Tagen in Lippe. Am 13. Januar sprachen Hitler und Frick in Blomberg vor 5.000 Menschen. Bei der Wahl konnte sich die NSDAP um fast 10 % steigern und erreichte 43,4 % der Stimmen, während die SPD nur 26,6 % und die KPD 15,9 % der Stimmen bekam. Die NSDAP erklärte den Wahlsieg in Lippe als Durchbruch Hitlers auf dessen Weg ins Reichskanzleramt, tatsächlich fiel die Entscheidung jedoch in Berlin, als Reichspräsident Hindenburg dem Drängen der Konservativen nachgab und Hitler zum Reichskanzler ernannte. Danach bauten die Nazis ihre Macht unverzüglich aus und setzten elementare Grundrechte außer Kraft. Im Rahmen der sogenannten Gleichschaltung wurden die anderen politischen Parteien, Gewerkschaften und viele Vereine verboten und die meisten Führungspositionen in Politik, Verwaltung und im gesamten öffentlichen Leben von der NSDAP besetzt. Wer sich nicht in die Volksgemeinschaft einfügte wurde verfolgt und eingesperrt.[7]

Am 6. März 1933 wurden die ersten Funktionäre und Angehörige der KPD in sogenannte Schutzhaft genommen. Danach erfolgten 14 Hausdurchsuchungen bei Mitgliedern der SPD. Die wachsenden Repressalien durch die SA und Polizei führten in der SPD vielerorts zu Austritten und am 1. April 1933 löste sich der Blomberger SPD-Ortsverein auf. Ein Opfer der Nazis wurde der Polsterer Wilhelm Friedrichs, der eine Anzahl regimekritischer Briefe an Blomberger und Detmolder NS-Funktionäre schrieb. Er wurde verhaftet und in ein Gefängnis nach Hannover gebracht, wo er sich einen Tag vor der Gerichtsverhandlung erhängte.[7] Von jüdischen Bürgern Blombergs ist bekannt, dass die Familie Königsheim unter dem Druck der Nazis nach Argentinien auswanderte. Die letzte jüdische Bewohnerin Blombergs war die 70-jährige Emma Lippert, geb. Examus, die ins KZ Theresienstadt und weiter nach Minsk deportiert wurde, wo sie ums Leben kam. Seitdem gibt es keine jüdische Gemeinde in Blomberg mehr. Die schlichte Fachwerk-Synagoge aus dem Jahr 1808 wird heute als Stadtarchiv genutzt.[8]

Blomberg hat den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden. Anfang April 1945 überquerten die Amerikaner den Teutoburger Wald und erreichten Detmold. Weiter östlich im Gebiet rechts der Reichsstraße 1 operierte die 83. US-Infanterie-Division und stieß über Blomberg nach Nordosten vor. US-Soldaten räumten die Panzersperren an der Molkerei beiseite und trafen auf keinen nennenswerten Widerstand, da die SS-Einheiten die Stadt zuvor verlassen hatten. Blomberg wurde am 5. April 1945 vom Bürgermeister übergeben und von den Amerikanern kampflos besetzt, während ihre Panzer weiter nach Hagen und Lügde führen. Im Zweiten Weltkrieg wurden 205 Blomberger getötet und 105 gelten als vermisst.[9]

Nachkriegszeit und Gegenwart

Von 1945 bis 1952 musste Blomberg insgesamt 1.500 Displaced Persons aus den Baltischen Staaten aufnehmen. 1957 errichtete die Firma Phoenix Contact ihren Stammsitz in Blomberg, in dem gegenwärtig rund 3.500 Mitarbeiter beschäftigt werden und der somit der größte Arbeitgeber in der Region ist. Von 1962 bis 1996 verlegte die NATO eine niederländische Einheit von 1.600 Soldaten mit ihren Familienangehörigen nach Blomberg in den sogenannten Nederlandspark im Süden des Blomberger Industriegebiets. Sie bildeten einen nicht unerheblichen wirtschaftlichen Faktor für die Stadt. Im Jahr 1970 erfolgte die kommunale Neugliederung, in deren Verlauf der Kernstadt Blomberg insgesamt 17 zuvor selbständige Gemeinden als Stadtteile zugeordnet wurden. Die Einwohnerzahl wurde nahezu verdoppelt und wuchs von 7.761 auf 15.299 Menschen. Die Kernstadt bildet das Verwaltungszentrum nicht nur für Blomberg, sondern versorgt als Mittelzentrum darüber hinaus ein Gebiet mit bis zu 60.000 Einwohnern.[3] 1973 begann die Planung für eine umfassende Sanierung des historischen Stadtkerns. Offizieller Abschluss der Arbeiten war 1989 die Enthüllung des Alheyd-Brunnens auf dem Marktplatz. 2008 feierte Blomberg das 725-jährige Jubiläum seiner Stadtgründung mit vielen Aktivitäten und Veranstaltungen, sowie einem Stadtfest vom 15. bis 17. August.[10]

Religionen

Die Mehrheit der Blomberger ist heute evangelisch-reformiert. 1538 wurde in Lippe Einführung der Reformation beschlossen und Blomberg trat zum evangelisch-lutherischen Glauben über. Im Jahr 1605 ordnete der Landesherr Graf Simon VI. jedoch an, dass alle Städte und Gemeinden in der Grafschaft Lippe das evangelisch-reformierte Bekenntnis nach Johannes Calvin einführen sollten und Blomberg fügte sich widerwillig.[3]

Nach der Reformation fiel das gesamte Vermögen des alten Klosters an die Landesregierung. Die ehemalige katholische Martinikirche wurde 1833 wegen Baufälligkeit abgerissen, lediglich der Turm blieb erhalten. Er dient heute der in der benachbarten Klosterkirche beheimateten evangelisch-reformierten Gemeinde als Glockenturm. Weitere evangelisch-reformierte Kirchengemeinden bestehen um die Dorfkirchen in Donop, Cappel, Istrup und Reelkirchen. Evangelisch-lutherische Kirchen gibt es mit der Martin-Luther-Kirche in Blomberg-Stadtmitte und der neuen Kirche in der Paulsenstraße.

Die Anfänge des Katholizismus in Blomberg gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Mit der Reformation verschwand jedoch bis ins 19. Jahrhundert hinein jegliches katholische Leben aus der Stadt. Erst seit 1965 gibt es wieder eine katholische Kirche in Blomberg. Heute sind etwa 13 % der Blomberger römisch-katholischen Bekenntnisses. Die Katholische Kirchengemeinde St. Martin mit dem zugehörigem Vikarieamt befindet sich am Rand der alten Blomberger Kernstadt in der Nähe des städtischen Friedhofes.

Weitere christliche Gemeinden sind die Evangelisch-freikirchliche Gemeinden, die Evangeliums Christen, die Freie Evangelische Gemeinde, die Selbstständig Evangelische-Lutherische Kirche, die Neuapostolische Kirche und die Baptisten.

Mitbürger jüdischen Glaubens gibt es hier seit dem Holocaust nicht mehr. Die schlichte Fachwerk-Synagoge aus dem Jahr 1808 wird heute nach einem Umbau als Stadtarchiv genutzt.

Ein Indiz für die heutige Verteilung der Religionen kann die konfessionelle Zugehörigkeit der Schüler in Blomberg sein. Demnach gaben im Schuljahr 2006/2007 63,2 % der Schüler evangelisch, 12,7 % katholisch und 5,3 % islamisch als Religionszugehörigkeit an. 8,0 % gaben eine andere Religionszugehörigkeit und 10,7 % keine Konfession an.[11]



Einwohnerentwicklung

Nach einer Statistik vom 1. Januar 2007 waren 48,9% der Einwohner Blombergs männlich und 51,1% weiblich. Von ihnen lebten 50,8% in der Blomberger Kernstadt und 49,2% in den Stadtteilen.

95,6% sind deutsche Staatsbürger, 4,4% haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Insgesamt leben in Blomberg Ausländer aus 58 Nationen. Die größten Ausländergruppen sind die Türken mit 183 und die Niederländer mit 150 Personen.
Ferner sind 253 ausländische Personen EU-Bürger, 362 sind Staatsangehörige sonstiger europäischer Staaten, 134 sind Asiaten, 13 sind Afrikaner, 9 sind Amerikaner und 2 sind staatenlos.

Politik

Stadtrat

Datei:Blomberg - 2004 communal elections - seating.svg
Sitzverteilung im Stadtrat seit 2004
Datei:Blomberg - 1999 communal elections - seating.svg
Zum Vergleich: Sitzverteilung im Stadtrat von 1999 bis 2004

Der Stadtrat aus Blomberg setzt sich aus 32 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Der Fraktionsvorsitzende der CDU ist Jörg Kleinsorge, der SPD ist Günther Borchard, der FBvB ist Günter Simon, der FDP ist Hans-Adolf Albrecht und von den Grünen ist Hans-Ulrich Arnecke. Stimmberechtigter Vorsitzender des Stadtrates ist Bürgermeister Klaus Geise (SPD). In Blomberg haben die Ratsfraktionen von SPD und FDP eine Koalition gebildet.

Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse zwischen 1975 und 2004:

[12][13] 2004 1999 1994 1989 1984 1979 1975
Partei Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  %
CDU 10 29,98 11 34,27 13 37,04 n/v 30,15 n/v 31,58 n/v 36,36 n/v 36,37
SPD 15 46,99 15 46,04 15 44,89 n/v 53,01 n/v 52,57 n/v 54,47 n/v 53,62
Grüne 2 6,57 2 5,36 4 12,56 n/v 9,31 n/v 9,58 - - - -
FDP 2 6,80 2 6,67 1 5,51 n/v 7,52 n/v 6,28 n/v 9,17 n/v 10,00
FBvB1 3 9,65 2 7,67 - - - - - - - - - -
Gesamt 2 32 100 32 100 33 100 n/v 100 n/v 100 n/v 100 n/v 100
Wahlbeteiligung 65,24 64,21 84,18 72,71 75,34 79,26 88,15

1Freie Bürger von Blomberg</br> 2ohne Berücksichtigung von Rundungsdifferenzen

Bürgermeister

Bürgermeister von Blomberg ist Klaus Geise (SPD). Er wurde am 26. September 2004 mit 59,8 % der gültigen Stimmen gewählt. Sein Vorgänger war Siegfried Pilgrim (SPD), der am 12. September 1999 52,1 % der gültigen Stimmen erhielt.

Weitere Wahlergebnisse

Hauptartikel: Wahlen zum Bundes- und Landtag in Ostwestfalen-Lippe

Landtagswahl

Blomberg gehört zusammen mit den lippischen Städten bzw. Gemeinden Barntrup, Dörentrup, Extertal, Kalletal, Lemgo und Lügde dem Landtagswahlkreis Lippe II an. Bei der Landtagswahl 2005 hat das Direktmandat des Wahlkreises Walter Kern (CDU) mit 42,4 % der Stimmen erhalten.

Ergebnis der Landtagswahl 2005[14]
Partei Blomberg Landesschnitt
CDU 36,7 % 44,8 %
SPD 47,9 % 37,1 %
FDP 4,8 % 6,2 %
GRÜNE 5,3 % 6,2 %
Sonstige 5,4 % 5,7 %

Bundestagswahl

Blomberg gehört zum Bundestagswahlkreis Lippe I. Bei der Bundestagswahl 2005 hat das Direktmandat des Wahlkreises Dirk Becker (SPD) mit 48 % der Stimmen erhalten.

Ergebnis der Bundestagswahl 2005[14]
Partei Blomberg Landesschnitt
CDU 28,2 % 34,4 %
SPD 50,1 % 40,0  %
FDP 7,8 % 10,0 %
GRÜNE 6,6 % 7,6 %
Sonstige 7,3 % 8,0 %

Wappen

Wappen von Blomberg

Blasonierung: Auf grünem Untergrund erscheint eine silberne oder weiße Burg mit roten Kegeldächern. In der Türöffnung ist eine rote Rose mit goldenem oder gelbem Butzen dargestellt.

Die nach der Kommunalreform 1970 neugebildete Stadt Blomberg hat mit der Genehmigung vom 28. Juni 1971 das alte Stadtwappen Blombergs im Wesentlichen übernommen. Das Wappenbild geht auf Siegeldarstellungen der Stadt Blomberg zurück, die seit dem 13. Jahrhundert nachzuweisen sind. Aus den unterschiedlichen Siegelbildern des Mittelalters wurde die häufigste Darstellungsform, nämlich die drei Türme mit der lippischen Rose, für das Wappen ausgewählt. Damit wird das Symbol der Stadtarchitektur mit dem Zeichen des Landesherrn, der lippischen Rose, verknüpft.[15]

Städtepartnerschaften

Blomberg unterhält partnerschaftliche Verbindungen zur Stadt Papendrecht in den Niederlanden, sowie zum Berliner Stadtbezirk Reinickendorf und der Stadt Oschatz in Sachsen. Schon seit 1972 bestand die Beziehung zur niederländische Stadt Papendrecht, begründet durch die Anwesenheit holländischer Soldaten in Blomberg. Nach diversen Kontaktgesprächen und gegenseitigen Besuchen beschloss der Blomberger Stadtrat, Papendrecht die offizielle Städtepartnerschaft anzubieten und freundschaftliche Beziehungen zwischen Bürgern beider Städte zu fördern. Im Februar 1975 wurde die Partnerschaft von beiden Seiten offiziell besiegelt.

Die Beziehungen Blombergs zu Berlin gehen auf die Kinderlandverschickungen von Berliner Kaufhäusern nach Blomberg im Jahr 1954 zurück. An dieser Aktion war ein Großteil der Blomberger Bevölkerung beteiligt. In einem Neubaugebiet Blombergs wurden später als Zeichen der Verbundenheit ausschließlich Berliner Straßennamen verwendet. Das Bezirksamt Reinickendorf benannte darauf eine seiner Straßen Blomberger Weg. Im Mai 1990 entwickelte sich aus dieser Beziehung eine offizielle Städtepartnerschaft mit dem Stadtbezirk Reinickendorf.

Im Jahr 1987 entstanden die ersten Kontakte zur sächsischen Stadt Oschatz, damals noch in der ehemaligen DDR gelegen. Nach der Wende wurde auch von Oschatz der Wunsch nach einer offiziellen Verbindung geäußert. Im Juni 1990 wurden im Orschatzer Rathaus entsprechende Urkunden unterzeichnet und ausgetauscht.[16]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Das Niederntor in Blomberg
Das Niederntor in Blomberg bei Nacht
Das Rathaus in Blomberg

Die Burg Blomberg wurde im 13. Jahrhundert errichtet und nach weitgehender Zerstörung in der Soester Fehde als zweigeschossige Dreiflügelanlage wieder aufgebaut. Sie diente danach zeitweise als Residenz der Edelherrn zur Lippe. Das Erdgeschoss des Mittelflügels wurde 1562 unter Graf Bernhard VII. errichtet, während das Obergeschoss aus Fachwerk 1569 aufgesetzt wurde. Bedeutendster Baumeister war Hermann Wulff aus Lemgo, der die dem Innenhof zugewandte Utlucht aus weißem Sandstein gestaltete. Von Wulff stammen ebenfalls Arbeiten am Lemgoer Rathaus, dem Hexenbürgermeisterhaus und am Schloss in Brake. Die Burg wird heute teilweise als Restaurant genutzt.

Die ehemalige Stadtpfarrkirche St. Martin wurde nach 1447 errichtet und 1833 wegen Baufälligkeit abgerissen. Heute ist nur noch der mächtige Glockenturm mit dem 1846 erneuertem Turmhelm erhalten. An der Stelle des Kirchenschiffes wurde 1879 das Amtsgericht erbaut, das nach dem Bau eines neuen Gebäudes von der Stadtverwaltung Blomberg genutzt wird. Es handelt sich um einen zweigeschossigen Quaderbau im sogenannten Rundbogenstil.

Das Augustiner-Chorherren-Kloster "Zum heiligen Leichnam" wurde 1460 an der Stelle errichtet, an der Alheyd Pustekoke gestohlene geweihte Hostien in einen Brunnen warf. Sie wurde zur Strafe gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dem Wasser des Brunnens sagte man danach besondere Heilkräfte nach und Blomberg entwickelte sich zu einem Wallfahrtsort. Im Jahr 1468 übernahmen Augustinermönche aus Möllenbeck den Brunnen und errichteten auf dem umliegende Gelände ein Kloster, das bis 1536 existierte. Die Klosterkirche blieb bis 1769 Grabstätte der lippischen Edelherren. Im Chor der Kirche beindet sich die Grabtumba des Stifters Bernhard des VII. und seiner Frau Anna, im Grabgewölbe sind in zwei Räumen weitere 19 Särge untergebracht.

Der Alheyd-Brunnen auf dem Marktplatz soll an Allheyd Pankoke und das oben beschriebene Ereignis erinnern.

Das Rathaus am Marktplatz wurde 1587 von Baumeister Hans Rade errichtet. Die drei Fachwerkgiebel an der Frontseite stammen aus dem Jahr 1830. Im Obergeschoss befindet sich der Rathaussaal und der kleinere Sitzungssaal, auch Wilbasensaal genannt, in dem das herrschaftliche Frei- und Gogericht zu Wilbasen tagte.

Das Niederntor stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist das letzte noch erhaltene mittelalterliche Stadttor in Lippe.

Der Böhmerhof in der Pideritplatz 4 ist ein schlichter zweigeschossiger Putzbau, der 1717 für den schaumburg-lippischen Drosten Johann Philipp von Kopf erbaut wurde. Das Portal weist eine geohrte Rahmung und einen gesprengten Giebelaufsatz auf, in den das Wappen des Bauherrn eingelassen ist.

Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde das Ortsbild von giebelständigen Fachwerk-Dielenhäusern dominiert. Traufenhäuser fanden sich nur in den stadtmauernahen Nebenstraßen. Der einzige ältere Massivbau ist das um 1613 von Bürgermeister H. Schröder errichtet Haus Langer Steinweg 23. Über dem steinernen Untergeschoss erhebt sich ein reich beschnitzter, vierfach vorkragender Fachwerkgiebel. Am Außenbau findet sich ein 1573 bezeichneter Werkstein in Zweitverwendung, der wohl vom Vorgängerbau stammt. Im Winkelviertel befindet sich das Haus Im Seligen Winkel Nr. 4, ein typisches Handwerkerhaus mit Mitteldiele aus dem Jahr 1780. Haus Nr. 12 ist das ehemalige 1661 erbaute Küsterhaus, bei dem es sich um ein ein sogenanntes Vierständerhaus handelt.

Unter den noch immer zahlreich vorhandenen Fachwerkbauten sind außerdem hervorzuheben: Brinkstraße 4 - Mit Fächerrosetten verziert, um 1569 errichtet. Kirchhofstraße 2 - Kaufmannshaus mit Speichergeschoss, bezeichnet 1662. Kirchhofstraße 5 - Dielenhaus mit beschnitzten Füllbrettern, bezeichnet 1664. Langer Steinweg 20 - Hinter der 1826 entstandenen Fassade befinden sich noch Bauteile aus der Zeit um 1452. Langer Steinweg 33 - Das Gebäude wurde 1978 durch einen Brand erheblich beschädigt. Hinter dem erhalten gebliebenen Giebel entstand ein Neubau. Neue Torstraße 26 - Gaststätte „Zum Scharfrichter“. Großes Dielenhaus mit reich beschnitztem Torbalken, bezeichnet 1677. Neue Torstraße 16 - errichtet um 1654. Neue Torstraße 14 - errichet um 1587. Besonders ansehnliche Straßenbilder bieten ebenfalls die Kuh- und die Kirchhofstraße. [17]

Regelmäßige Veranstaltungen

Jeden Freitag findet in Blomberg auf dem historischen Marktplatz ein ganztägiger Wochenmarkt statt. Jeden zweiten Freitag im September beginnt im Blomberger Ortsteil Siebenhöfen der Wilbaser Markt, der älteste und größte Jahrmarkt in Lippe. Ursprünglich ein Kirchweihfest, entwickelte sich die Veranstaltung zu einem der bedeutendsten Pferdemärkte in Norddeutschland.

Zweijährlich am ersten Wochenende im Juli findet das Schützenfest des Alten Blomberger Schützenbatallions mit rund 1.000 aktiven Schützen statt und zieht viele Besucher aus Blomberg und Umgebung an.

Am ersten Wochenende im Oktober findet auf dem herbstlich geschmückten Marktplatz das Blomberger Kartoffelfest statt und im November gibt es den Martini-Markt. Traditionell am 1. Adventswochenende wird auf dem Blomberger Marktplatz der „Sint Nicolaas Markt“ abgehalten. Die Veranstaltung geht auf die Niederländischen Streitkräfte zurück, die von 1962 bis 1996 in Blomberg stationiert waren.[18]

Sport

Überregional bekannt ist die Damenmannschaft der HSG Blomberg-Lippe (Handball-Spielgemeinschaft). Die HSG besteht aus zwei Stammvereinen, dem TV Herrentrup und dem TV Blomberg, die sich 1993 zusammenschlossen. Die erste Frauenmannschaft der HSG Blomberg-Lippe spielt in der 1. Bundesliga. Die Jugendmannschaften der HSG sind ebenfalls erfolgreich, so errang die weiblichen A-Jugend in den vergangenen 5 Spielzeiten jeweils die Westdeutsche Meisterschaft.[19]

Daneben gibt es in der Kernstadt eine Anzahl weiterer Vereine mit einem breiten Angebot für sportbegeisterte Bürger, wie zum Beispiel Fußball, Badminton, Schwimmen, Leichtathletik, Tanzen und Schießen. Auch nahezu jeder Ortsteil hat mindestens einen Sportverein. Außerdem gibt es in Cappel einen Golfplatz mit einer 18-Loch-Anlage[20] und in Borkhausen einen Segelflugplatz.[21]

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Schienenverkehr

Eine Bahnverbindung nach Schieder zur Bahnstrecke Hannover–Altenbeken wurde Ende der 80er Jahre stillgelegt, nächstgelegene Bahnhöfe sind nun Schieder an der Bahnstrecke Hannover–Altenbeken (Linie S 5 der S-Bahn Hannover, werktags im Stundentakt, sonntags alle zwei Stunden, Detmold an der Bahnstrecke Herford–Altenbeken und Lemgo an der Begatalbahn.[22]

Straßenverkehr

Blomberg liegt an der Bundesstraße 1 und an der Bundesstraße 252, auch Ostwestfalenstraße genannt. Die nächstgelegenen Autobahnen sind die A2 im Norden und die A33 im Südwesten.

Busverkehr

Durch Regionalbusse ist Blomberg werktags und samstags bis mittags mit Barntrup, Detmold, Lemgo, Bad Meinberg, Bad Pyrmont und Schieder-Schwalenberg verbunden. Am Samstagnachmittag sowie sonntags besteht ein Anruflinienbusverkehr nach Lemgo und Schieder, nach Barntrup und Bad Meinberg verkehren einzelne Busfahrten. Einzig die Linie nach Detmold wird täglich durchgängig befahren.

Seit der Einstellung der Blomberger Stadtbusse im Jahr 2004 wird der Stadtverkehr von zwei Orts- bzw. Regionalbuslinien übernommen. Ein annähernd alle zwei Stunden verkehrender Ortsbus verbindet den Ortsteile Cappel mit der Stadt Blomberg. Die Linie 911 verkehrt von Kleinmarpe nach über Cappel, Großenmarpe und Istrup nach Blomberg, weiter über das Wohngebiet "Hamburger Berg" zum "Flachsmarkt". Die Linie 777 von und nach Detmold bindet das Wohngebiet "Bexten" an die Innenstadt an.[23]

Flugverkehr

Blomberg besitzt im Ortsteil Borkhausen einen kleinen Flugplatz. Die nächsten internationalen Flughäfen sind der Flughafen Paderborn-Lippstadt und der Flughafen Hannover.

Ansässige Unternehmen

Die Firma Phoenix Contact ist Weltmarktführer für elektrische Verbindungs- und Interfacetechnik. Sie wurde 1923 in Essen gegründet und verlegte nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Sitz nach Blomberg. Hier entstanden 1957 die ersten beiden Werke am Flachsmarkt. Im Jahr 2007 überstieg der Gesamtumsatz erstmals die Marke von 1 Milliarde Euro. Phoenix Contact beschäftigt zur Zeit weltweit 9.300 Mitarbeiter, davon 3.500 in Blomberg.

Die Blomberger Holzindustrie entwickelte 1893 unter Bernhard Hausmann die erste Buchen-Sperrholzplatte der Welt. Heute ist Blomberg der Sitz der Firmenzentrale. Die Firma bps Leuchten-Systeme gehört zu den führenden Herstellern von Büro-Beleuchtungssystemen.

Medien

Die einzige Lokalzeitung im Kreis Lippe ist die Lippische Landes-Zeitung. Ende 2003 wurde die Lippische Rundschau eingestellt. Radio Lippe sendet lokale Nachrichten aus dem Kreis Lippe. Die Fachhochschule Lippe und Höxter betreibt Radio Triquency als eigenes Campusradio.

Bildung

Die Stadt bietet mit Ausnahme einer Gesamtschule alle derzeitigen Schulformen an. Im Jahr 2007 wurden an den Schulen der Stadt von 192 Lehrkräften insgesamt 2.905 Mädchen und Jungen unterrichtet, davon 775 Schüler oder 26,7 % an den Grundschulen, 334 Schüler oder 11,5 % an der Hauptschule, 638 Schüler oder 22 % an der Realschule, 996 Schüler oder 34,3 % am Gymnasium und 162 Schüler oder 5,5 % an der Förderschule.[2]

In Blomberg gibt es fünf Grundschulen, und zwar die Grundschule am Weinberg mit einer angeschlossenen offenen Ganztagsschule, die Grundschule am Paradies, die Grundschule Großenmarpe, die Grundschule Istrup und die Grundschule Reelkirchen. Darüber hinaus besitzt Blomberg die Städtische Hauptschule im Ganztagsbetrieb und die Städtische Realschule, beide im Schulzentrum Ulmenallee, sowie das Herrmann-Vöchting-Gymnasium und die Pestalozzischule als Förderschule für Lern- und Sprachbehinderte.

Persönlichkeiten

Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder kam in einem Ortsteil Blombergs zur Welt

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

  • August Bünte: Blomberg. Eine geschichtliche Plauderei. Stadt Blomberg (Hrsg.), Blomberg 1960.
  • Heinz-Walter Rolf: Blomberg. Geschichte, Bürger, Bauwerke. Volksbank Ostlippe, Blomberg 1981
  • Heinz-Walter Rolf: Blomberg, ein Führer zu den Sehenswürdigkeiten. 2., verbesserte und erweiterte Auflage, Blomberg 2002
  • Rudolf Schlingmann: Blomberg in alten Ansichten. Zaltbommel (Niederlande), 1980
  • Heinrich Stiewe: Hausbau und Sozialstruktur einer niederdeutschen Kleinstadt. Blomberg zwischen 1450 und 1870 (Schriften des LWL-Freilichtmuseums Detmold, Westfälisches Landesmuseum für Volkskunde, Band 13). Detmold 1996
  • Heinrich Stiewe: Blomberg - Ein Stadtbild im Wandel. Horb am Neckar 2008

Einzelnachweise

  1. ab Wilhelm Rinne: Landeskunde Nordrhein-Westfalen Band: Lippe. Seite: 250f. Verlag Ferdinand Schöning, Paderborn 1993. ISBN 3-506-76111-0
  2. abLandesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen: Kommunalprofil Blomberg
  3. abcdefghi Wilhelm Rinne: Landeskunde Nordrhein-Westfalen Band: Lippe. Verlag Ferdinand Schöning, Paderborn 1993. ISBN 3-506-76111-0
  4. ab Christian Kuhnke: Lippe Lexikon. Boken Verlag, Detmold 2000. ISBN 3-935454-00-7
  5. * Imke Tappe, Ernst Tappe (Hrsg.): Karl Meier-Lemgo 100 Jahre, Lippischer Heimatbund, Detmold 1982. ISBN 3-921428-39-4
  6. Geschichte der Stadt Blomberg
  7. abcd100 Jahre SPD-Ortsverein
  8. Heimatverein Blomberg
  9. * Heinz Meyer: Damals - Der Zweite Weltkrieg zwischen Teutoburger Wald Weser und Leine, Verlag K.W. Schütz KG, Preußisch Oldendorf 1980. ISBN 3-87725-094-7
  10. Nachkriegszeit und Gegenwart
  11. Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik: Schüler an allgemein bildenden Schulen in NRW nach der Religionszugehörigkeit
  12. Landesdatenbank NRW; Wahlergebnisse zum Gemeindecode 05766016
  13. Landesbetrieb Information und Technik NRW: Kommunalwahlen
  14. abKommunalprofil Blomberg (PDF 192 KB)
  15. Wappen in Lippe
  16. Partnerstädte
  17. Lippische Landeszeitung (Hrsg.): Lippe, ein kulturhistorischer Reiseführer. Seite 88ff. Detmold 1996. ISBN 3-00-001060-2
  18. Sint Nicolaas
  19. HSG Blomberg-Lippe
  20. Golfclub Cappel
  21. Segelflugplatz Borkhausen
  22. Bahnfahrpläne
  23. Busfahrpläne Blomberg

Weblinks

br:Blomberg (Lippe)

en:Blomberg eo:Blomberg (Lippe) nl:Blomberg (Lippe) no:Blomberg (Lippe) pt:Blomberg ro:Blomberg (Lippe) ru:Бломберг (Липпе) sv:Blomberg (Lippe) vo:Blomberg (Nordrhein-Westfalen)