Montag, 21.05.2012



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Bleicherode

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bleicherode
Bleicherode
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bleicherode hervorgehoben
51.41666666666710.566666666667237Koordinaten: 51° 25′ N, 10° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Nordhausen
Höhe: 237 m ü. NN
Fläche: 28,27 km²
Einwohner: 6943 (30. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 246 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99752
Vorwahl: 036338
Kfz-Kennzeichen: NDH
Gemeindeschlüssel: 16 0 62 002
Adresse der Stadtverwaltung: Hauptstraße 37
99752 Bleicherode
Webpräsenz:
Bürgermeister: Frank Rostek (CDU)
Lage der Stadt Bleicherode im Landkreis Nordhausen
Datei:Bleicherode in NDH.png

Bleicherode ist eine Kleinstadt im Landkreis Nordhausen (Thüringen, Deutschland) mit etwa 7000 Einwohnern umgeben von den Bleicheröder Bergen.

Zur erfüllenden Gemeinde Stadt Bleicherode gehören die eingemeindeten Ortsteile Elende und Obergebra, sowie die Gemeinden Etzelsrode, Friedrichsthal, Kehmstedt, Kleinbodungen, Kraja, Lipprechterode und Niedergebra.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Ort liegt zwischen Harz und Hainleite und bettet sich in die Bleicheröder Berge, einem Teil des Ohmgebirges. Im Norden liegt in geringer Entfernung der Harz, im Osten die Goldene Aue.

Geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort als „Blicherode“ im Jahr 1130. 1303 erwarb Heinrich der IV. von Hohnstein den Ort und verlieh 1322 begrenzte Marktrechte. Bereits 4 Jahre später wurde die Siedlung erstmals als Stadt erwähnt (Recht zur Führung eines eigenen Siegels und Wappens). Im Dreißigjährigen Krieg wurde Bleicherode durch Truppen des Grafen von Pappenheim geplündert und in Brand gesteckt (3. Oktober 1632). In der Not behalfen sich die Bleicheröder mit der Zucht von Weinbergschnecken, die nach Leipzig gebracht und von dort exportiert wurden. Dieser Umstand brachte den Einwohner den bis heute gültigen Ortsnecknamen „Schneckenhengste“ ein, da angeblich ein besonders gieriger Kaufmann ein zweites mal nach Leipzig wollte, aber unterwegs die Schnecken aus dem Winterschlaf aufgewacht waren und so am Ende die ganze Wagenladung voller Schnecken verloren ging. 1648 wurde Bleicherode brandenburgisch und 1699 direkt dem preußischen König unterstellt. Preußenkönig Friedrich II. (der „Alte Fritz“) besuchte 1754 die Stadt.

Am 18. April 1822 wurde in Bleicherode August Petermann geboren. Er war einer der bedeutendsten Kartografen seiner Zeit.

Nachdem 1888 im Raum Bleicherode Kalilager nachgewiesen worden waren, begann man 1899 mit der Förderung von Kalisalzen. Die Kaliindustrie prägte die Stadt bis 1990, als in Folge des politischen und wirtschaftlichen Umschwungs die Kaliförderung größtenteils eingestellt wurde. Bis auf einen kleinen Rest wird heute noch Versatzbergbau betrieben und die ehemalige Rückstandshalde wird in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen mittelfristig begrünt. Dazu wird in verschiedenen terrassenförmigen Stufen Bau- und Erdaushub aufgetragen. Von 1911 bis zum 2. Weltkrieg war die Stadt ein staatlich anerkannter Luftkurort. Am 9. November 1938 wurde die Synagoge in Brand gesteckt und brannte aus. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 verlor die Stadt ihre große jüdische Gemeinde. An der Stelle der abgerissenen Synagoge erinnert seit 1986 ein Gedenkstein an sie. Ein jüdischer Friedhof am Vogelberg befindet sich außerhalb des Stadtgebietes und ist nicht öffentlich zugänglich.

Im Jahr 1944 wurde auf Befehl des zuständigen SS-Gruppenführers Hans Kammler die Raketenforschung und -produktion der V2-Rakete nach Bleicherode verlegt, da die Rote Armee kurz vor dem Einmarsch in Peenemünde stand. In Bleicherode konnten die Anlagen in den Stollen gut untergebracht bzw. versteckt werden. Bis 1945 wurden 5000 Raketen des Typs V 2 hergestellt, und zwar mit Hilfe vieler Zwangsarbeiter, die in einem eigens dafür eingerichteten KZ Dora-Mittelbau in Nordhausen unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten. Andere Kriegsgefangene aus dem Vereinigten Königreich und Frankreich, sowie 350 Frauen und Männer vorwiegend aus der Sowjetunion mussten in Bleicheröder Unternehmen Zwangsarbeit leisten: in den Technischen Werkstätten Lange & Weinhold, im Kaliwerk, in der Schachtanlage von Velsen in der Baumwollweberei Werner Vogel KG, in der Weberei Gelpke & Klein, bei den Firmen Kulemann und Tölle. Im heutigen Kulturhaus war ein Außenkommando von Dora-Mittelbau mit Militärinternierten aus Italien untergebracht, das beim Hoch- und Tiefbauunternehmen Ohl & Vattrodt eingesetzt war.[2]

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt zunächst von amerikanischen, später von sowjetischen Streitkräften besetzt. Bis zur Wiedervereinigung Deutschlands war die Stadt damit Teil der Sowjetischen Besatzungszone bzw. später der Deutschen Demokratischen Republik.

Rathaus

1997 wird der Ort in die „Deutsche Fachwerkstraße“ aufgenommen. Im Jahre 2005 beging Bleicherode sein 875-jähriges Stadtjubiläum. Höhepunkt dieses Ereignisses war ein Festumzug der verschiedensten Vereine aus Bleicherode.

Am 1. Dezember 2007 wurde Obergebra nach Bleicherode eingemeindet.

Politik

Partnerstädte

Wappen

Beschreibung: „In Gold ein silber geharnischter Ritter mit einem geschlossenen gotischen Helm vor auf einem Stück grünen Boden stehend.“

Wirtschaft und Infrastruktur

Mit Erschöpfung der Hartsalzvorkommen und unter dem Druck der großen internationalen Konkurrenz wurde der Kaliabbau im untertägigen Bergbau eingestellt. Die Firma Deusa fördert jetzt Sole aus Untertage und stellt daraus verschiedene Produkte aus Kaliumchlorid, Natriumchlorid und Magnesiumchlorid her. Neben der Firma Deusa haben sich jetzt mehrere mittelständische Firmen niedergelassen. Die große Rückstandshalde zeigt aber weiterhin, dass hier über Jahrzehnte Kalibergbau betrieben worden war.

Verkehrsanbindung

Bleicherode liegt ca. 3 km von der Bundesstraße 80 (Halle – Kassel) und ca. 1 km von der im Bau befindlichen Bundesautobahn 38 (Südharzautobahn) entfernt. Gen Osten (Nordhausen, Halle) ist die Autobahn bereits freigegeben, während Richtung Göttingen ca. 20 km Autobahn durch einen Tunnel- und Brückenbau bis 2009 fehlen. Die Stadt hat einen eigenen Autobahnzubringer. Am Bahnhof in Bleicherode Ost (Halle-Kasseler Eisenbahn) halten sowohl die Regionalexpresse wie auch die Regionalbahnen der Deutschen Bahn AG. Die ehemalige Bahnstrecke Bleicherode–Herzberg über Bleicherode Stadt nach Großbodungen wird seit ein paar Jahren nicht mehr bedient.

St. Marien

Bildung

Ein Sprachheilkindergarten "Albert Schweizer", eine Grundschule (Staatliche Grundschule „August Petermann“), ein Gymnasium (Staatliches Gymnasium „Friedrich Schiller“), eine Förderschule (Staatliches Förderzentrum „Dr. Albert Schweitzer“) und eine Haupt- und Realschule (Staatliche Regelschule „Löwentorschule“).

Sehenswürdigkeiten

  • historisches Rathaus von 1540/41
  • sanierte Übertageanlage der 100-jährigen Bergbautradition
  • Waldhaus Japan mit französischer Bildtapete aus dem frühen 19. Jahrhundert
  • Evgl. Stadtkirche St. Marien (15. Jahrhundert)
  • Kath. Pfarrkirche St. Mathias (1907)
  • „Alte Kanzlei“, ehem. Sitz des Stadtschultheißen und Synagoge von 1792 – 1890
  • Gedenkstein aus dem Jahr 1946 zur Erinnerung an die "Blutopfer des Faschismus 1933-1945" in der Grünanlage Braustraße/Ecke Talstraße, seit 1993 umgewidmet den "Opfern der Kriege und Gewaltherrschaften"
  • Gedenkstein aus dem Jahr 1986 in der Obergebraer Straße zur Erinnerung an die beim Novemberpogrom 1938 zerstörte Synagoge
  • Gedenktafel aus dem Jahr 1988 an der Marienkirche in der Maxim-Gorki-Straße, auf der die evangelische Kirchgemeinde Selbstkritik zum Schweigen von Christen angesichts der Ermordung jüdischer Mitbürger bekundet

Persönlichkeiten

  • August Petermann (18. April 1822 - 25. September 1878), deutscher Geograf und Kartograf, nach ihm sind elf geografische Objekte auf der Erde und auf dem Mond benannt.
  • Adalbert Merx (1838–1909), Theologe und Orientalist.
  • Jochen Berg (1948), Schriftsteller
  • Hans-Günther Bücking (1951), deutscher Kameramann und Regisseur.

Quellen


Weblinks


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