Montag, 21.05.2012



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Bietigheim

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Dieser Artikel bezieht sich auf die badische Gemeinde Bietigheim; sie ist nicht mit der württembergischen Großen Kreisstadt Bietigheim-Bissingen zu verwechseln.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bietigheim
Bietigheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bietigheim hervorgehoben
48.9102777777788.2530555555556121Koordinaten: 48° 55′ N, 8° 15′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rastatt
Höhe: 121 m ü. NN
Fläche: 13,9 km²
Einwohner: 6007 (30. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 432 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76467
Vorwahl: 07245
Kfz-Kennzeichen: RA
Gemeindeschlüssel: 08 2 16 005
Adresse der Gemeindeverwaltung: Malscher Straße 22
76467 Bietigheim
Webpräsenz:
Bürgermeister: Ernst Kopp (SPD)

Bietigheim ist eine Gemeinde sieben Kilometer nördlich von Rastatt und 17 Kilometer südlich von Karlsruhe, westlich des Schwarzwaldes und östlich des Rheins, nahe der Grenze zu Frankreich im so genannten Hardtwald. Zur Gemeinde Bietigheim gehören außer dem gleichnamigen Dorf keine weiteren Ortschaften.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Bietigheim liegt in der 30 Kilometer breiten Oberrheinischen Tiefebene, die auf der einen Seite vom Schwarzwald, auf der anderen Seite von den französischen Vogesen und dem Pfälzerwald begrenzt wird. Der Großteil der Ortschaft liegt auf dem Hochgestade, ein kleinerer Teil befindet sich direkt an der Stufung zur Rheinniederung.

Nachbarorte

Hauptstraße Richtung Rastatt
Rathaus Bietigheim

In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die Orte Ötigheim, Muggensturm, Malsch, Durmersheim, und Elchesheim-Illingen. Die nächstgelegenen Städte sind Baden-Baden, Ettlingen, Karlsruhe, Rastatt und Rheinstetten.

Geschichte

Die Endung -heim deutet darauf hin, dass Bietigheim eine fränkische Siedlung war. Die älteste urkundliche Erwähnung Bietigheims, stammt vom Kloster Weißenburg. Dort schreibt ein Abt Namens Edlin über die Besitzungen des Klosters Weißenburg in Bietigheim. Diese erste urkundliche Erwähnung im Jahre 991 ist jedoch nicht der Zeitpunkt der ersten Besiedlung des Ortes, dieser liegt viel früher. Aus der Zeit von rund 4.500 vor Christus sind Funde einer steinzeitlichen Besiedlung der Region bekannt.

50 nach Christus eroberten Römer das Gebiet am Oberrhein und besiedelten es. Im 1. Jahrhundert nach Christus führte eine römische Militärstraße von Ladenburg nach Baden-Baden an Bietigheim vorbei. Um 260 nach Christus siedelten die Alemannen im heutigen Gemeindegebiet. Im Jahr 496 übernahmen die Franken die Herrschaft über das Gebiet nördlich der Murg.

Im 5. und 7. Jahrhundert wurden in der Bietigheimer Umgebung Merowinger Reihengräberfriedhöfe angelegt. Der Salierherzog Otto eignete sich anno 985 Besitzungen des Klosters Weißenburg in Bietigheim an, sechs Jahre darauf wurden Weißenburger Besitzungen in Bietigheim urkundlich erwähnt. 1150 wurde die Bietigheimer alte Kapelle erbaut, deren Turm noch aus dieser Zeit stammt. Das Kloster Herrenalb erwarb im Jahr 1271 Landbesitz in Bietigheim. Zwanzig Jahre darauf erhielt Markgraf Hermann VII. von Baden weißenburgische Besitzungen in Bietigheim. Vier Jahre später, 1295, erfolgte die erstmalige Erwähnung eines Ortsadels, Heinrich von Bütenkeyn.

Das Dorf wurde 1389 an das Kloster Lichtenthal verpfändet. Im Jahr 1535 wurde die Markgrafschaft Baden geteilt, Bietigheim gehörte fortan zur Markgrafschaft Baden-Baden. Etwas mehr als fünfzig Jahre darauf, 1584, wurde erstmals eine Schule in Bietigheim erwähnt. Im Rahmen der oberbadischen Okkupation stand Bietigheim von 1594 bis 1622 unter Zwangsverwaltung durch die Markgrafschaft Baden-Durlach. 1622 zogen die Truppen Tillys plündernd durch Baden. In den Jahren 1625–31 fanden Hexenprozesse in der Markgrafschaft Baden-Baden statt, 1632–34 besetzten die Schweden das Land.

Soldatendenkmal WK I./II.

Im Zeitraum zwischen 1672 und 1679 fand der Holländische Krieg statt, seit 1674 auch am Oberrhein. Fast ganz Mittelbaden wurde 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen zerstört. Um das Jahr 1750 gab es Auswanderungen der Bevölkerung nach Ungarn. Zuvor, 1733, fanden während des Polnischen Erbfolgekriegs Plünderungen in Durmersheim durch französische Truppen statt. In den Jahren 1769/70 wurde der Ort von Dauerregen, Überschwemmungen und Missernten, heimgesucht, es gab wiederum viele Auswanderer. Ein Jahr darauf folgte die Wiedervereinigung der Markgrafschaft Baden.

Im Zuge der Französischen Revolution 1789 kam es auch zu Unruhen in Baden. Im Jahr 1794 gab es eine Missernte und eine Typhusepidemie grassierte in der Gemeinde. Ein Jahr später brach die Rinderpest aus. Der Ort wurde 1796 durch befreundete österreichische Truppen besetzt. Bei der Schlacht bei Malsch am 9. Juli 1796 befand sich die französische Linie in Bietigheim.

Um das Jahr 1810 herum folgten als Folge der Koalitionskriege Auswanderungen nach Russland. Das Dorf wurde im Juni 1849 nach der Deutschen Revolution von preußischen Truppen besetzt. Im selben Jahr wanderten erneut Menschen nach Amerika aus; dies war die Folge der badischen Revolution. Anno 1850 wurde der Revolutionär Joseph Augenstein des Hochverrats angeklagt.

Denkmal den Gefallenen 1870/71

Im Jahr 1863 fand die Einweihung der neuen katholischen Pfarrkirche durch Bischof Freiherr Wilhelm Emmanuel von Ketteler aus Mainz statt, drei Jahre darauf wurde Österreich durch Baden im Krieg gegen Preußen unterstützt.

1904 öffnete die erste Postagentur in Bietigheim, nach dem Krieg im Jahr 1950 begann die Produktion von exklusiven Sportcabriolets durch die „Veritas Badische Automobilwerke GmbH“ in Bietigheim. 1963 zählte Bietigheim 5.000 Einwohner. Drei Jahre darauf wurde das katholische Gemeindehaus eingeweiht, ebenos wie die neue Hauptschule 1972. Im Jahr 1975 wurde Rüdiger Schäfer in der Gemeinde jüngster Bürgermeister Baden-Württembergs. Zwei Jahre später wurde das evangelische Gemeindezentrum eingeweiht und ein Jahr darauf mit dem Bau der Mehrzweckhalle begonnen. Am 26. Dezember 1999 richtete der Orkan Lothar schwere Verwüstungen in der Gemeinde an.

Ortsnamen

Im Laufe der Geschichte hatte Bietigheim unterschiedliche Bezeichnungen unter anderem waren dies:

Biutincheim, Bütenkeyn, Biticken, Bitingen

Einwohnerentwicklung

Nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Entwicklung der Einwohnerzahlen in Bietigheim.

Jahr Einwohner
991 ca. 80
1683 ca. 200[2]
1701 ca. 220
1714 ca. 260[3]
1803 639
1813 850[4]
1836 1.267
1843 1.482[5]
1862 1.688
1871 2.031
Jahr Einwohner
1905 2.821
1922 3.300
1933 3.495
1946 3.319
1955 4.066
1963 5.000
1984 5.127
1990 5.671
2000 5.917[6]
2005 6.042[6]

Religionen

Bietigheim ist überwiegend römisch-katholisch geprägt, es gibt aber auch eine evangelische Kirche im Ort.

Durch den Beschluss des Augsburger Religionsfriedens, nachdem der Landesfürst die Religion der Untertanen bestimmen konnte, wechselte Bietigheim des Öfteren die Religionszugehörigkeit. Im Zeitraum von 1534 bis 1634 wechselte die Glaubensrichtung achtmal, um schließlich römisch-katholisch zu bleiben.

1714 gab es in Bietigheim einen evangelischen Einwohner. 1846 gab es in Bietigheim drei evangelische erwachsene Einwohner. Die heutigen evangelischen Gläubigen werden von Muggensturm aus geistlich versorgt.

Ortsneckname

Die Bewohner Bietigheims nennen sich selbst die „Bietjer“. Wie in fast jeder Gemeinde in dieser Region haben auch die Bietigheimer einen Spitznamen: Sie werden „Kieholzbuwe“ genannt. Der Spitznamen kommt aus Zeiten in denen die Bietigheimer noch überwiegend von der Landwirtschaft lebten und über jeden Zusatzverdienst in den schlechten Zeiten froh waren. Die Bietigheimer, aber nicht nur diese, ließen sich dabei etwas besonderes einfallen, sie verkauften Kienholz. Das Kienholz wird aus dem Wurzelstock der Kiefer gewonnen, und dient zum Anzünden von Holzfeuern und zum Vertreiben von Motten. Auf der Gemarkung von Bietigheim wuchsen in früheren Zeiten sehr viele Kiefern, die von den Einwohnern zur Harzgewinnung angezapft wurden. Fällte man eine Kiefer, so blieb ihr Wurzelwerk noch einige Jahre im Boden, damit sich der Wurzelstock mit Harz anreichern konnte. Anschließend wurde dieser ausgegraben und unter großer Mühe in die Höfe verbracht. Dort zerteilte man das harzgetränkten Wurzelholz mit Axt, Hammer und Säge in kleine Stücke, die man zu Bündel à 10 Stück schnürte. Diese Bündel wurden dann in den angrenzenden Städten Rastatt, Karlsruhe und Baden-Baden am Wochenmarkt, an Gaststätten, an Zwischenhändler oder schlicht von Haus zu Haus verkauft. Der Verdienst lag in den zwanziger Jahren bei rund 5 Pfennig pro Bündel Kienholz, was am Tagesende einen einträglichen Verdienst darstellte. Heute gibt es in Bietigheim keinen Kienholzhandel mehr, aber der Spitzname ist geblieben.

Kirchturmpanorama von Bietigheim mit Beschriftung
Kirchturmpanorama von Bietigheim mit Beschriftung

Politik

Gemeinderat

Die Kommunalwahl vom 13. Juni 2004 brachte folgendes Ergebnis:

  1. CDU 35,0 % (−0,2) – 7 Sitze (=)
  2. FWG 33,3 % (+1,7) – 6 Sitze (=)
  3. SPD 22,6 % (−2,0) – 4 Sitze (=)
  4. BVB 9,1 % (+0,5) – 1 Sitz (=)

Bürgermeister

Bürgermeister von Bietigheim ist Ernst Kopp (SPD)

1. Stellvertreter ist Hans-Walter Negwer (CDU)
2. Stellvertreter ist Willi Renkert (FWG)

Wappen

In Bietigheim ist seit 1610 ein Wappen bekannt.

Das heutige Wappen beruht auf einem Entwurf des Generallandesarchivs in Karlsruhe von 1900 und wird seit Juni 1906 in der Gemeinde verwendet.
Dieses Wappen ist eine neue Zusammenstellung der Version von 1610 und besteht aus einem schwebenden roten Mühleisenkreuz auf Gold, belegt mit einem goldenen Herzschild, welches einen roten Schrägbalken hat.
Das Herzschild entspricht dem Wappen des Großherzogtums Baden.

Gemeindepartnerschaften

Bietigheim unterhält partnerschaftliche Beziehungen zum italienischen Saltara und zum ungarischen Kaposszekcsö.

Wirtschaft und Infrastruktur

Bietigheim ist überwiegend eine Wohngemeinde für Pendler in die Städte Karlsruhe, Rastatt und das Murgtal.

In vergangenen Zeiten war Bietigheim ein bäuerlich geprägtes Dorf das sich durch den Anbau von Kartoffeln, Getreide und die Viehzucht auszeichnete.

Durch die zentrale Lage im Zentrum Europas und die gute Verkehrsanbindung ist Bietigheim ein guter logistischer Standort für Speditionen geworden, welche sich im Industriegebiet angesiedelt haben.

Kindergarten St. Michael

Verkehr

Die Bundesstraße 3 geht durch die Bietigheimer Gemarkung, genauso wie die Bundesautobahn 5.
Mit der Verlegung der B 36 im Oktober 2006 nach Osten wurde die Gemeinde erheblich vom Durchgangsverkehr entlastet, verlor dadurch aber auch an Bedeutung als zentraler Ort und Verkehrsknotenpunkt zwischen den Gemeinden Ötigheim, Durmersheim, Steinmauern und Muggensturm.

Die Stadtbahnlinien S4 und S41 der AVG halten in Bietigheim, es gilt der Tarif des KVV. Ferner befindet sich in Bietigheim eine der elf Rapsöl-Tankstellen Baden-Württembergs.

Ansässige Unternehmen

Neben vielen kleineren Unternehmen des Mittelstandes ist vor allem Lidl mit einem Zentrallager ein großer Arbeitgeber.

Bildung

Grundschule

Die Gemeinde hat neben zweier Kindergärten St. Gabriel und St. Michael, eine Grundschule und eine Haupt- und Werkrealschule. Weiterführende Schulen sind in der Nachbargemeinde Durmersheim und in Rastatt zu finden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Gemeinde erreichte im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ im Jahre 2003 den 1. Preis und im Jahre 2006 den 2. Preis.

Direkt an der „Badischen Spargelstraße“ gelegen, kann man während der Spargelsaison in der lokalen Gastronomie, sowohl die gute badische Küche, als auch kulinarische Köstlichkeiten rund um das Edelgemüse genießen.

Eine besondere touristische Sehenswürdigkeit ist der grenzüberschreitende PAMINA-Rheinpark (siehe Regio Pamina), ein Ökomuseum, das wissenswertes über die Lebensräume des Oberrheins vermittelt. Ein gut ausgeschildertes Radwegenetz führt durch die einzigartige Auenlandschaft hin zu den Stationen und Museen an beiden Seiten des Rheins.

Bauwerke

Das Wahrzeichen von Bietigheim ist die alte Kapelle, die im Jahre 1150 erbaut wurde. Die Kirche stellt die älteste erhaltene Kirche der Hardt dar und beinhaltet einen Taufstein aus dem 13. Jahrhundert. Die Kirche hat 1748 nach Plänen von Johann Peter Ernst Rohrer ein barockes Aussehen erhalten.

Das die Ortschaft überragende Bauwerk ist die in der Umgebung höchste katholische Kirche Heilig Kreuz von 1863.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jährlich findet im August das Bietigheimer Volksfest statt.

Alle zwei Jahre findet seit 1978 inmitten des Ortskerns, rund um die Kirche, das Dorffest am ersten Wochenende im September statt.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Sonstige mit dem Ort in Verbindung mit Bietigheim

Namen

Die 10 häufigsten Nachnamen in Bietigheim sind: Bertsch, Dürrschnabel, Ganz, Hartmann, Heck, Hettel, Jung, Kühn, Matz, Schmitt und Volz.

Ansonsten findet man neben anderen noch viele Namen wie: Arand, Bauer, Beckert, Deck, Dreixler, Essig, Hammer, Herm, Kambeitz, Klumpp, Kölmel, Mockert, Müller, Pfaff, Pfirrmann, Rapp, Rastätter, Rittler, Schenkel, Schorpp, Schröder, Speck, Stemmle, Stoll, Strotz, Trickel, Weber und Westermann.

In früheren Zeiten fanden sich noch folgende ausgestorbene oder ausgewanderte Familiennamen: Asprian, Dung, Hahn, Herbst, Koppert, Lausch, Natalis und Scheider.

Die frühesten am Ort erwähnten Familiennamen sind:

  • 1533 Dürrschnabel (Thürschnabel), Heck, Wendel,
  • 1561 Dürrschnabel, Gutz, Scheffer, Hettel (Hedel)
  • 1563 Götzmann
  • 1565 Daub, Dürschnabel, Jung

Vereine und Organisationen

In Bietigheim sind ca. 40 Vereine und Organisationen eingetragen. Den Bürgern wird eine Vielzahl an Möglichkeiten geboten, sich in sportlicher, kultureller bzw. sozialer Art und Weise zu engagieren.

Anmerkungen und Einzelnachweise


Literatur

  • Uwe Rummel: 1000 Jahre Bietigheim. Aus der Geschichte eines Hardtdorfes. (Hrsg. von der Gemeinde Bietigheim), Dürrschnabel, Elchesheim-Illingen 1991, ISBN 3-87989-215-6.
  • Der Landkreis Rastatt, Jan Thorbecke Verlag Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-1364-7
  • David Depenau, "Die Ortsnecknamen in Stadt und Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden. Von Gälfießler, Käschdeigel un Schdaffelschnatzer" verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher, September 2003 ISBN 3-89735-247-8

Weblinks

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