Montag, 21.05.2012



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Bernsdorf (Oberlausitz)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bernsdorf
Bernsdorf (Oberlausitz)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bernsdorf hervorgehoben
51.36833333333314.064166666667152Koordinaten: 51° 22′ N, 14° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Direktionsbezirk: Dresden
Landkreis: Bautzen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Bernsdorf
Höhe: 152 m ü. NN
Fläche: 43,71 km²
Einwohner: 6314 (30. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 144 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02994
Vorwahl: 035723
Kfz-Kennzeichen: BZ
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 030
Stadtgliederung: 4 Ortsteile
Adresse der Stadtverwaltung: Rathausallee 2
02994 Bernsdorf
Webpräsenz:
Bürgermeister: Harry Habel
Großes Bernsdorfer Wappen

Bernsdorf (obersorbisch Njedźichow) ist eine sächsische Kleinstadt im Landkreis Bautzen am nördlichen Rand der Oberlausitz.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Stadt liegt innerhalb ausgedehnter Wälder am äußersten Rande der Oberlausitzer Teichlandschaft etwa 11 km nördlich von Kamenz, 14 km südwestlich von Hoyerswerda und 17 km südlich von Senftenberg an der Bundesstraße 97. Im Norden und Nordosten sind die Spuren des Braunkohletagebaus nicht zu übersehen. Der Ort ist unmittelbar von einer nahezu ebenen großflächigen Heidelandschaft umgeben.

Städtebaulich ist Bernsdorf auch heute noch eher ein schnell gewachsenes Industrie-Dorf, als eine Stadt mit festem, planmäßig angelegtem Stadtkern.

Stadtgliederung

Zu Bernsdorf gehören die eingemeindeten Ortsteile Waldhof (seit 1950), Zeißholz (obersorbisch Ćisow, seit 1994), Großgrabe (Hrabowa, seit 1997) und Straßgräbchen (Nadrózna Hrabowka, seit 2007).

Geschichte

Bernsdorf wurde 1403 erstmalig eindeutig urkundlich erwähnt, nachdem bereits seit 1310 der Name „Bernhardi villa“ verwendet wurde. 1438 zählte der Ort zur böhmischen Krone. Gangolf von Lüttichau erwarb 1534 die Gutsherrschaft. 1578 wurde das Gut mit einem Bräu- und Malzhaus belehnt. Melchior von Loeben erstand 1613 den Landbesitz, den er 1615 für 13.450 Taler der Stadt Kamenz verkaufte. 1639 wurden die sächsischen Kurfürsten Landesherren. 1653 kaufte Ludwig d. J. von Kahle Bernsdorf von der Stadt Kamenz, um es 1695 seinem Sohn Georg Christoph zu vererben. 1672, als die Türken Polen überfielen, lebten in Bernsdorf acht Grenzhüfner, ein Halbhüfner, zwei Gärtner und vier Häusler. 1695 ließ der Kurfürst von Sachsen, am Kauf von Bernsdorf interessiert, die Gutsherrschaft auf 11.737 Taler und 17 Silbergroschen schätzen. 1731 als das Reichsgewerbegesetz die Zünfte unter Staatsaufsicht stellte, erhielt Bernsdorf eine eigene Post. 1773 begründete Johann Gottlob Raum das örtliche Schulwesen. 1788 ließ Sigmund Ehrenreich von Redern, seit 1771 Gutsherr von Bernsdorf, einen Hochofen für Raseneisenerz errichten und legte so den Grundstein für den ersten Bernsdorfer Betrieb. 1815 wurde Bernsdorf auf Beschluss des Wiener Kongresses Preußen angegliedert. 1839 zählte Bernsdorf 308 Einwohner. 1845 legte Heinrich Friedrich Moritz Beyer, seit 1816 Gutsherr in Bernsdorf, mit der Glasherstellung den Grundstein für die Glasindustrie in Bernsdorf. Als die Revolution 1848 ganz Europa erfasst hatte und Kaiser Franz Joseph I. den Thron bestieg, erhielt seine Fabrik den Namen „Ludwigshütte“. 1853 fertigten die Bernsdorfer Eisenwerker über 70 Tonnen Gussteile für den Löbauer Aussichtsturm, den sie danach in neun Monaten montierten. 1863 begannen die Brüder Hoffmann in der „Alten Hütte“ mit der Glasproduktion. 1870 begründete Hütteningenieur Dudek in der ehemaligen „Ludwigshütte“ die Zinkweißproduktion in Bernsdorf, die später in der DDR Alleinproduzent war. 1874, ein Jahr vor der Gründung des Weltpostvereins und der Deutschen Reichsbank, erweiterte die neue Bahnlinie Kamenz-Senftenberg die örtliche Infrastruktur. 1886 ersteigerte Uhlich als vorletzter Besitzer das Eisenwerk, bevor es 60 Jahre später volkseigen wurde, was es 44 Jahre blieb. Nach der Wende 1990 wurde es schrittweise privatisiert.

Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerungszahl von 270 Einwohnern; davon waren 150 Sorben (56 %) und 120 Deutsche[2].

Der Bahnhof Staßgräbchen-Bernsdorf an der Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz.
1891 hielt in Bernsdorf mit dem Wannenschmelzverfahren eine innovative Glastechnologie Einzug. 1922 verkaufte der Großindustrielle Hugo Stinnes als letzter Grundherr der 388-jährigen Gutsherrschaft einen Teil des Gutes Bernsdorf für 1,5 Millionen Papiermark an die Gemeinde Bernsdorf. Stinnes hatte den Grundbesitz für 1,2 Millionen erworben, aber vor diesem Verkauf die kapitalträchtigen Kohlefelder an die Grube Clara III (Zeißholz) veräußert. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges erwarb die Heeresverwaltung große Geländeflächen im Lehmwald nördlich von Bernsdorf, auf denen neben einer Niederlassung des Transportkorps Speer auch eine Siedlung (Durchgangslager) für die Rückführung von Mennoniten nach Deutschland mit einer Kapazität von 4000 Bewohnern entstehen sollte.

1950 wurde der Ortsteil Waldhof eingemeindet. 1954 war Baubeginn des Wasserwerkes und für den Ausbau des Trinkwassernetzes. Das Waldbad wurde zum Naherholungsgebiet ausgebaut. 1955 wurde der soziale Wohnungsbau begonnen. Bernsdorf entwickelte sich 1960 zu einem bedeutenden Industriestandort. Erst 1968 erhielt Bernsdorf das Stadtrecht. 1991 wurde die Verwaltungsgemeinschaft mit Straßgräbchen, Wiednitz, Großgrabe und Zeißholz gebildet. 1994 wurde Zeißholz als Ortsteil nach Bernsdorf eingemeindet, 1997 folgte Großgrabe und 2007 Straßgräbchen.

Bildung

Die Stadt Bernsdorf verfügt über eine Grundschule.

Städtepartnerschaften

Vereine

  • TSG Bernsdorf
  • Bernsdorfer Karnevals Club
  • Schützenverein
  • Kegelverein

Persönlichkeiten

Fußnoten

  1. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Bevölkerungsentwicklung
  2. Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954, S. 89.

Weblinks


dsb:Njedźichow

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