Meinestadt.de - Abentheuer - 16.05.2012
Lexikon - meinestadt.de
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Rheinland-Pfalz | |
| Landkreis: | Birkenfeld | |
| Verbandsgemeinde: | Birkenfeld | |
| Höhe: | 421 m ü. NN | |
| Fläche: | 6,12 km² | |
| Einwohner: | 462 (30. Dez. 2007) | |
| Bevölkerungsdichte: | 75 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 55767 | |
| Vorwahl: | 06782 | |
| Kfz-Kennzeichen: | BIR | |
| Gemeindeschlüssel: | 07 1 34 001 | |
| Adresse der Verbandsverwaltung: | Schneewiesenstraße 21 </br> 55765 Birkenfeld | |
| Webpräsenz: | ||
| Ortsbürgermeister: | Klaus Goldt | |
Abentheuer ist eine Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Birkenfeld im Landkreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz (Deutschland).
Inhaltsverzeichnis |
Der Ort liegt am Traunbach im Schwarzwälder Hochwald im Hunsrück. 71,5 Prozent der Gemarkungsfläche sind bewaldet. Im Norden befindet sich Börfink, im Osten Buhlenberg und im Süden Brücken.
Abentheuer wurde 1350 erstmals erwähnt.
Die älteste vorliegende Akten über die Abentheuerer „Hütte“ ist von 1621. Die erwähnten Bewohner der Hütte waren Johann und Nikolaus Eisenschmidt.
1699 übernahm René de Hauzeur das Hüttenwerk. Er durfte nach Bedarf Holzkohle in den herrschaftlichen Waldungen brennen. Außerdem wurde ihm das alleinige Recht zugesprochen, im Amt Birkenfeld Mineralien aller Art zu gewinnen; dafür musste er den Zehnten an die sponheimische Gemeinherrschaft entrichten. 1701 erhielt er die Erlaubnis zur Erbauung eines Schmelzofens.
Für einen Betrag von 19.000 Gulden erwarb 1763 Johann Heinrich Stumm aus Asbach die Abentheuerer Hütte. Außer den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sind an Gebäuden aufgeführt: der große Hammer, der kleine Hammer, die Eisenschneide, das Schied- und das Eisenmagazin. 1765 wurde ein Schmelzofen errichtet. Die Rechte für Erzgewinnung wurden auf Stumm übertragen. Nach dem Tode Stumms ging das Hüttenwerk an seine 4 Söhne über.
In den Jahren 1800–1815 hatte das Hüttenwerk mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Es wurde geklagt über hohe Abgaben, hohe Holzpreise, erschöpfte Erzgruben. Im Westen Deutschlands waren viele Eisenhütten entstanden und Abentheuer war nicht mehr konkurrenzfähig. Die Verhältnisse besserten sich als 1817 das Fürstentum Birkenfeld als Teil des Großherzogtums Oldenburg entstand.
Eine Enkeltochter von Johann Heinrich Stumm heiratete Oberbergrat Heinrich Böcking. 1839 gelangte Familie Böcking in den Besitz der Hütte. Damals setzte sich das Werk folgendermaßen zusammen: 1 Hochofen, 1 großer und ein kleiner Hammer, 1 große Poliertrommel, 1 Schlackenpoche, 1 Sandmühle, 1 Putzhaus, 1 Vorratsraum für Schmiedeeisen, 1 Lagerhaus für fertige Waren. Auf dem großen Hammer wurden die mächtigen Eisenblöcke, die größtenteils von auswärtsbezogen und Masseln genannt wurden, verarbeitet. Die große Poliertrommel, die im Volksmund „Rumpel“ hieß wegen des ohrenbetäubenden Lärmes,den sie machte, diente zum polieren der Schrapnell-Kugeln.
Gegenüber der „Rumpel“ stand die Schlackenpoche, die unter nicht minder lautem Gepolter die Hochofenschlacke zu Mauer- und Wegesand klopfte. Die Sandmühle sorgte für den feinen Sand, den die Former gebrauchten. Eine sonderbare Einrichtung war die „Katz“. Sie diente dazu die dicken Eisenblöcke zu zerkleinern und bestand aus drei pyramidenförmig aufgestellten starken Balken, an deren Kreuzungspunkt ein Flaschenzug befestigt war, mit Hilfe dessen eine gewaltige Eisenkugel hochgezogen wurde. Nun brachte man einen Eisenblock darunter und ließ die Kugel darauffallen. Im Putzhaus wurden die fertigen Waren mit Drahtbürsten und Feilen gereinigt.
Die Gebrüder Böcking bezogen ihr Erz aus den Gruben von Schwarzenbach, Reichenbach und Buhlenberg. Vor Buhlenberg verrät ein trichterförmiges Loch in einer Wiese, wo früher der Schacht in die Tiefe führte. Etwa 200 Arbeiter wurden in den 1860er-Jahren auf der Hütte beschäftigt. In der weiteren Blütezeit von 1848 bis 1871 wurde insbesondere Munition produziert. In ruhigeren Zeiten wurden Wagenachsen, Öfen, kunstvolle Ofenverzierungen, Töpfe aller Art, zierliche Rauchtische mit Servicen usw. zum Expert in die ganze Welt gefertigt.
Nach 1870 wurde der Betrieb infolge des Übergangs vom Holzkohlen- zum Koks-Hohofenbetrieb und vom Frischfeuer- zum Puddelofenbetrieb mehr und mehr eingeschränkt und 1875 wurde die Fertigung eingestellt. Die Besitzer siedelten zur Halberger-Hütte nach Neunkirchen/Saar.
Der Gemeinderat setzt sich aus acht Mitgliedern zusammen, die zuletzt 2004 in Mehrheitswahl gewählt wurden.
Die Gemeinde hatte seit 1857 folgende Bürgermeister:
Die Blasonierung des Wappens lautet: „Über rot-silbern geschachtem Schildfuß in Grün ein silberner Gusstiegel, begleitet von zwei schräg und gegenschräg gestellten goldenen Roggenähren.“ Es wurde 1965 vom rheinland-pfälzischen Innenministerium genehmigt. Der Gusstiegel symbolisiert die bis 1875 betriebene Eisenhütte, die Ähren die Landwirtschaft. Das Schachbrettmuster erinnert an die frühere Zugehörigkeit des Ortes zur hinteren Grafschaft Sponheim.
Im Osten verläuft die Bundesstraße 41 und im Süden die Bundesautobahn 62. In Neubrücke ist ein Bahnhof der Bahnstrecke Bingen–Saarbrücken.
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